An der Oberfläche ist "Red" eine bekannte Geschichte. Die Geschichte eines Mannes, dem ein Unrecht widerfahren ist und der Gerechtigkeit einfordert, dem diese aber versagt bleibt, weswegen die Situation immer mehr eskaliert. Es könnte die Geschichte von "Ein Mann sieht rot" oder "Death Sentence" sein, doch Red ist kein Thriller im herkömmlichen Sinne. Und ein Actionfilm schon gar nicht. Vielmehr ist er ein leise erzähltes Drama, das ganz und gar von Brian Cox' nuanciertem Spiel lebt. In der Mitte des Films gibt es eine bedrückende, exzellent gefilmte Sequenz, in der Cox' Figur Avery einer Reporterin die Geschichte seiner Familie erzählt. Die Kamera bleibt auf Cox' Gesicht, die Musik untermalt die erschreckende Geschichte ergreifend und als Zuschauer ist man hin und weg. Was Cox hier leistet, ist grandios: eine der besten Darstellungen seiner an Highlights reichen Karriere. Die lange Szene unterstreicht den Rest des Films. Und öffnet ihn für eine Interpretation, die von der übrigen Inszenierung unterstützt wird: Avery will dem Jungen, Danny, helfen und damit sich selbst helfen. Er sieht in ihm seinen Sohn Billy, der aus dem Ruder lief und den er gewähren ließ. Vielleicht, so scheint es, kann Avery endlich sich selbst vergeben, wenn es ihm nur gelingt, Danny zu retten. Davor zu retten, das zu werden, was Averys Sohn einst wurde. Was "Red" auszeichnet, ist nicht nur die Figur Avery, der ein tief anständiger Mensch ist und am Ende selbst noch jenen helfen will, die ihm Unrecht taten. Es ist auch das geschliffene Skript, das nahe an Jack Ketchums Roman bleibt und es Cox erlaubt, das Porträt eines Mannes zu zeichnen, der eine echte Entwicklung durchmacht und am Ende verstehen muss, dass seine Gier nach Gerechtigkeit, nach der Bestätigung, dass er Recht hat, zum tragischen Ende geführt hat. Ihm ist Unrecht widerfahren, keine Frage, aber am Ende geißelt er sich für das, was er getan hat. Neben Cox überzeugen auch alle anderen Darsteller, allen voran Noel Fisher und Kyle Gallner als Danny und Harold. Die Inszenierung ist überzeugend ausgefallen. Die Auf- und Abblenden in Rot sind eine hübsche Idee und unterstreichen den Gefühlszustand der Figuren. Auch grandios: Die Aufnahmen des leeren Hauses, als Avery seine tragische Geschichte erzählt. Mitunter ist die Inszenierung jedoch auch ein wenig uneins und kann den Hauch von Fernsehfilmflair nicht ganz verleugnen. Es ist nur eine Schätzung, aber vermutlich war daran Produzent Trygve Allister Diesen schuld, der Regisseur Lucky McGee ("May") die Zügel aus der Hand nahm und den Film selbst zu Ende drehte. Fazit: Tief bewegender Film mit großartigen schauspielerischen Leistungen.
Moviemans Kommentar zur DVD: Eine schöne, unaufgeregte DVD eines tollen, emotional packenden Films.
Bild: Die Bildqualität ist gut. Die Farben sind in sich stimmig und wirken sehr natürlich. Rauschen ist in wechselnder Form vorhanden. Bei Außenaufnahmen ist es praktisch gar nicht erkennbar. Bei Innenaufnahmen ist es deutlich stärker erkennbar. Das liegt am verwendeten Filmmaterial. Die Kompression arbeitet unauffällig und der Kontrast ist sehr ausgewogen. Die Schärfe variiert ein wenig. Teils ist sie enorm detailliert (Bart bei 00:03:34 oder Baumrinde bei 00:10:42), dann wieder deutlich schwächer ausgearbeitet (Gesicht bei 00:40:26). Die Vorlage ist frei von Schäden.
Ton: "Red" ist in erster Linie ein stilles Drama. Das spiegelt sich auch im Soundmix wieder. Wenn ein Schuss fällt, dann hallt dieser auch schön nach und klingt so laut, wie man das erwarten würde. Davon abgesehen sind die Effekte jedoch nur spärlich gesetzt, so dass die hinteren Kanäle abseits der einfühlsamen Musik eher zurückhaltend agieren. Die Dialoge sind in beiden Sprachfassungen gut verständlich.
Extras: Neben dem Trailer gibt es ein paar Outtakes und ein paar entfallene Szenen. Darunter befindet sich auch die verlängerte Szene, in der Avery von Billy erzählt. Auch enthalten: die Szene, in der Avery den schwer verletzten Danny zum Haus seiner Mutter schleppt. Die hier enthaltenen Szenen sind mehr als nur sehenswert. Sie hätten auch den Film bereichert. --movieman.de
Teaser: Spannender Thriller über einen Witwer, der um jeden Preis drei Teenager zur Rechenschaft für den Tod seines Hundes ziehen will.nInhalt: Witwer Avery Allan Ludlow (Brian Cox), der mit seinem 14 Jahre alten Hund Red ein zurückgezogenes Dasein fristet, ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Mit fatalen Konsequenzen: Drei Teenager erschießen Red in einem sinnlosen, boshaften Akt der Gewalt. Averys Schrei nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung findet kein Gehör, und so muss er zu Mitteln greifen, die nicht mit dem Gesetz konform gehen... (1 DVD)nDVD-Film_Infos: Regie: Lucky McKee, Trygve Allister Diesen; Darsteller: Brian Cox, Tom Sizemore, Robert Englund u.a.; Originaltitel: Red; Produktionsland und -jahr: USA, 2008; Filmdauer in Min.: ca. 93; Sprachen: Deutsch, Englisch; FSK: ab 16; Laendercode: 2nUSK: ab 16nVerpackung: KartonboxnCover: dvm000564d.jpg