Zitat: Am frühen Morgen des 3. November 1943 wurden die Lager in Majdanek und Trawniki von SS und Polizei umstellt. Der Morgenappell der Häftlinge war diesmal kürzer als sonst. Die nichtjüdischen Häftlinge wurden zurück in die Baracken befohlen, die Juden mussten nach Feld 5 des Lagers gehen, in der Nähe des Krematoriums und der ausgehobenen Gräben. Zur selben Zeit wurden die Häftlinge der Arbeitslager in Lublin (Lipowa Str.7, Flugplatz und Sportplatz) nach Majdanek gebracht. .....Die Erschießungen dauerten von 6:00 morgens bis 17:00 Uhr. Sie verliefen nach einem genau festgelegten Schlachtplan. Sporrenberg bzw. Hermann Höfle, die in Sporrenbergs Büro Quartier bezogen hatten, erhielten stündliche Berichte über die Zahl der Erschossenen (16.000 - 18.000). "
Was hat dies mit dieser Aufnahme der siebten Sinfonie von Beethoven zu tun, die am gleichen Abend hunderte Kilometer weiter westlich erklang ?
Es war die Zeit, in der dies gespielt wurde. Die Berliner wussten davon nicht, aber es war die Zeit. Abwehrkämpfe an der Ostfront fanden noch tief in Russland statt.Zitat:"Im September 1943 wurde die 17. Armee auf die Krim zurückgezogen. Der Heeresgruppe wurde im Oktober 1943 von der Heeresgruppe Süd die (neuaufgestellte) 6. Armee übergeben, die zunächst die Nogaische Steppe zwischen Dnepr und Asowschem Meer verteidigte, sich jedoch im November 1943 hinter den Unterlauf des Dnjepr zurückzog. Die 17. Armee wurde somit auf der Krim isoliert, wo sie im Mai 1944 vernichtet wurde." Eine Zeit voll des Krieges und der Vernichtung. Und dann Furtwängler. Er lässt einen Beethoven spielen, der nichts anderes als mächtig,ja gewalttätig ist. Speziell der vierte Satz der siebten Sinfonie überwältigt einen förmlich,man meint, der Schädel werde platzen, Gänsehaut, Tränen in den Augen. Ein mächtiger und brandgefährlicher Beethoven. Selbst die legendäre Aufnahme von Kleiber erreicht nicht einen solchen Zustand. Sie ist hoch-intensiv, aber überschreitet die Grenzen eines klassischen Werks nicht. Furtwängler bringt die Berliner Philharmoniker in schiere Extase. Ist das Beethoven, ist das Furtwängler, ist das die Zeit- bei grossen Bedrohungen tritt das Existientielle des Menschen deutlicher in Erscheinung.
Eine Interpretation, die umwirft.Genauigkeit,Text-Treue- alles uninteressant. Diese Musik kommt wie eine Monster-Welle und begräbt alle Zweifel unter sich. Am 3. November 1943 in Berlin.