Eines gleich vorweg: die glorreichen Zeiten von „Follow That Dream"-Records scheinen (vorerst) vorbei zu sein und offensichtlich auch die Zeiten, als man sich ohne Bedenken auf ein professionell aufgezeichnetes Elvis-Konzert aus dem Hause BMG freuen durfte. Denn das, was Ernst Jorgensen und seine Leute hier abgeliefert haben, ist der bisherige Tiefpunkt des als Sammler-Label gestarteten BMG-Ablegers und stellt sogar solch qualitativ minderwertige Veröffentlichungen wie „Dragon Heart" in den Schatten.
Um es deutlich zu sagen: es geht nicht um die Qualität dieser legendären Performance von Elvis - die ist Top Notch! Mein Thema ist die technische Sorgfalt, die hier an den Tag gelegt worden ist.
Wäre diese CD ein Bootleg, dann wäre das Ergebnis hinzunehmen. Wir reden hier aber über eine professionelle, offizielle Veröffentlichung, deren Quelle unter optimalen Bedingungen entstanden ist. Und von Profis erwarte ich entsprechende Arbeit. Das ist hier nicht geschehen.
Die Show ist miserabel und dilletantisch gemixt.
Die Aufnahme wird zugekleistert mit Tonnen von künstlichem Hall, der Kompressor drückt den Sound nach oben und sorgt dafür, dass die Show laut ist (und damit beim ersten Hören durchaus für einen Aha!-Effekt sorgt) - aber laut ist eben nicht alles! Die Dynamik muß leiden, d.h.: sie wird im Soundbrei regelrecht ertränkt.
Der Unterschied zwischen leisen und lauten Passagen wird nahezu aufgehoben, die einzelnen Instrumente sind kaum noch zu unterscheiden, und konsequenterweise baut sich auch keine Spannung mehr auf.
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Ganz besonders schlimm wird es dann, wenn Elvis und die Band genau diese Spannung erzeugen wollen: der Sound überschlägt sich, die Stimmen der Backup-Vokalisten drücken Drums und Bass einfach weg, nur um sie wieder umso lauter und ruckartig nach oben zu schieben, wenn die Vocals ihre Stimmen zurücknehmen. Besonders störend wirkt das bei den rockigen Sachen. Beim „Steamroller Blues" beispielsweise scheinen die Drums von Ronnie Tutt einfach nicht anwesend zu sein, weil sie durch einen dichtgeknüpften kitschigen Orient-Teppich aus Klang zugedeckt werden - für einen Ausnahmedrummer wie Tutt eigentlich eine Beleidigung.Hinzu kommt eine miserable Positionierung der Aufnahme. Der Techniker, der am Masterpult saß, konnte sich offensichtlich nicht entscheiden, ob er seinen Hörer mitten in die Halle hinein setzen oder neben Elvis auf die Bühne stellen wollte. Denn die Hör-Positionen wechseln ständig hin und her. Im einen Moment glaubt man, direkt neben Elvis zu stehen, um sich im nächsten Moment im hinteren Drittel der Halle wiederzufinden, und zwar neben quasselnden Schnatterlieschen.
Beides ist okay, aber entweder nur eines von beiden oder beide Positionen sauber zusammengemixt. Hin- und herspringen geht aber gar nicht! Wie soll ich mich als Hörer dabei in das Konzert einfühlen können? Wie soll ich den Auftritt genießen, wenn ich keinen Platz in der Halle habe und ständig hin- und herlaufen muß!?
Wie kommt's?
Die CD kommt im wunderschönen Re-Issue-Format von „Follow That Dream"-Records daher: im alten Single-Format von 7 inch - in der Tat ein Augenschmaus. Dazu gibt es ein Booklet und ein aufklappbares Cover - einen Bonus, auf den man bei anderen FTD-CDs verzichten muß. Dabei bleibt die akustische Bearbeitung wohl auf der Strecke. (Oder ist es umgekehrt: der geneigte Hörer soll durch die schöne Aufmachung über die schlechte tontechnische Verarbeitung hinweggetäuscht werden!?).
Fazit: Wer auf einen Ohrenschmaus à la „Live In Texas" (von der Close Up-Box), „One Night In Vegas" oder „That's The Way It Is" gehofft hat, wird hier bitter enttäuscht sein. Die Memphis Show klingt im Vergleich zu den o.g. Veröffentlichungen nicht nur miserabel, sie verliert durch den derart künstlichen Mix jede Authentizität. Da hilft es auch nichts, dass hier erstmals der komplette Auftritt zu hören ist.
Mein Tip: wer Wert auf einen guten Sound legt, sollte auf diese Veröffentlichung verzichten, um dem Label zu zeigen, dass diese Art der Abzocke auch unter Elvis-Fans nicht akzeptiert wird. Genießen Sie den Original-Mix der Memphis-Show und warten Sie auf den echten Re-Issue der Show, der diesen Titel auch tatsächlich verdient! Diese CD hier dient nur dem Drucken von schnellem Geld.
Zwei Sterne verdient die CD lediglich wegen ihrer wirklich schönen Aufmachung und der Tatsache, daß man sich bei BMG daran gemacht hat, das komplette Konzert zu veröffentlichen.