"John's Musik ist purer emotionaler Ausdruck" so lautet sinngemäß der Leitspruch von John Frusciante's offiziellem englischsprachigen Internetauftritt.
Und wie recht der zuständige Online-Redakteur mit diesem Satz hat, das kann man nicht nur an den unzähligen Top-Kompositionen und poetischen Gitarrensoli im Rahmen der bislang 5 Red Hot Chili Peppers-Alben in seiner Karriere, sondern erstaunlicherweise auch noch in einer Vielzahl von Solo-Projekten erkennen.
Ein besonders herausragendes darunter ist eben dieses "To record only water for ten days".
Wer John Frusciante nur von den Chili-Peppers her kennt, wird zwar seinen unvergleichlichen Gitarrensound auf dieser Scheibe wiedererkennen, jedoch wird er auch ob der prickelnd-düsteren Atmosphäre sowie der bewusst spartanisch gehaltenen Aufnahme- und Arrangiertechnik der Platte überrascht sein.
Die düsteren, melancholisch bis niedergeschlagen wirkenden Songs lassen dem Hörer im verrauschten Gewand von simpelsten Drum-Computern, sphärischen Keyboard-Effekten und ungezähmten Gitarrensounds ohnehin einen kalten Schauer über den Rücken laufen. In Kombination mit der lauten, verkratzten Stimme Frusciantes, aus der so viel Verzweiflung und Schmerz, aber auch Hoffnung und vor allem Selbstbewusstsein und Überzeugung spricht, entwickelt sich auf dieser CD wie aus dem Nichts ein absolutes Highlight für alle Fans guter, handgemachter und hochemotionaler Rock-Musik.
Diese Ausdruckskraft, diese emotionale Dichte lässt den Hörer geradezu dahinschweben, es ist einfach ein eigentümliches, psychodelisches Hochgefühl, diesem Mann zuzuhören, der sich hier als Texter und Sänger ebenso begabt präsentiert wie er es als Komponist und Gitarrist ohnehin schon immer war und ist.
Einige Songs stechen dabei besonders hervor, beispielsweise der Opener "Going inside", der mit seinem krachenden Gitarrensolo gleich zu Beginn aufhorchen lässt und in der Folge Strukturen und Eigenschaften einer perfekten Rock-Song-Komposition aufweist.
Gleiches gilt für das düster und sphärisch dahinschwebende "The first season", den geradlinigen Rocksong "Away & anywhere", das unheimliche "Remain" oder die flotte Instrumentalnummer "Murderers", deren Refrain den kompositorischen Ausgangspunkt für den wundervollen Chili-Peppers Song "Wet sand" vom "Stadium arcadium"-Album bildet.
Die markerschütternden Todesschreie von "Wind up space" und der leidenschaftlich-verzweifelte Gesang auf "Someone's" gehören ebenfalls zu den Highlights der Scheibe, genau so wie das sehr kurze, aber geniale Gitarrengemälde "Ramparts", bei dem sich bis zu 5 unterschiedlichste Gitarrenspuren überlappen, ohne sich untereinander die Show zu stehlen.
"To record only water for ten days" ist die überaus gelungene "Einzelaktion" eines Mannes, vor dessen musikalischen Lebenswerk man schon jetzt (John ist noch nicht einmal 40!) den Hut ziehen kann. Aus seiner ureigenen Kreativität heraus ist es ihm gelungen, mit äußerst geringem technischen Aufwand ein packendes Album zu produzieren, das von spielerischer Klasse und enormer emotionaler Ausdruckskraft des Künstlers lebt. Fernab von den gewohnten Klängen der Red Hot Chili Peppers, die zumeist fröhlicher und euphorischer klingen als der Solokünstler John Frusciante (ohne dass dies einen Qualitätsunterschied zwischen den beiden Interpreten bzw. Stilrichtungen bewirken würde), verzaubert uns der Gitarrist der kalifornischen Ausnahmeband mit einem nachdenklichen und gleichzeitig kraftvollen Album, das zu jeder Gemütslage und zu jeder Tages- bzw. Jahreszeit für frischen Wind in Hirn und Gehörgang des Musik-Fans sorgen kann.