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Der Sound von Carl Craig und Moritz von Oswald gilt seit vielen Jahren als stilbildend und prägte ganze Genres der elektronischen Musik. Generationen von Produzenten und DJs zählen Craig und von Oswald zu ihren Einflüssen. ReComposed ist mithin eine einmalige Elefantenhochzeit. Ein Treffen von Clubkultur und klassischer Musik, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat.
Die Originalaufnahmen von Bolero, Rapsodie espagnole (Maurice Ravel) und Bilder einer Ausstellung (Modest Mussorgsky) aus dem Jahr 1987 wurden den beiden Künstlern in Form von Mehrspur-Bändern zur Verfügung gestellt. Die Deutsche Grammophon veröffentlichte diese Aufnahmen der Berliner Philharmoniker in der Edition Karajan Gold. Die Wahl von Craig und von Oswald fiel also nicht zufällig auf diese drei Werke von Ravel und Mussorgsky. Hier bleibt zusammen, was bereits vorher als Einheit gedacht war.
Oberflächlich betrachtet haben Vorlage und Neubearbeitung nicht sehr viel miteinander gemein. Mit ruhiger Ernsthaftigkeit schält sich die markante Rhythmik des Bolero aus dem Intro der elektronischen Re-Komposition. Die nach ungefähr 15 Minuten einsetzende fiebrige Perkussion entwickelt einen unwiderstehlichen Sog. Weich pulsierend kommt zum ersten Mal eine Bassdrum hinzu. Das Stück mutiert zu einem hypnotischen Clubtrack, in dem die unnachahmlichen Handschriften von Craig und von Oswald organisch miteinander verschmelzen. Mit den Möglichkeiten, die eine Mehrspuraufnahme zur Neubearbeitung bietet, sind die beiden Künstler sparsam und zielorientiert umgegangen. Bei aller Unterschiedlichkeit im Klang ziehen sich mit viel Fingerspitzengefühl platzierte Bolero-Splitter durch die Bewegungen. Und schließlich stellen wir fest: Neubearbeitung und Vorlage verbindet vor allem ihr identisches Zeitgefühl und ihr kontrolliertes Feuer. Hier wurde der Bolero-Gedanke der gedehnten Zeit und endlosen Steigerung weiter gedacht. Der Bolero-Entwurf wurde mit wenigen Strichen abstrahierend nachgezeichnet. Ravels Original und die Neukomposition von Craig und von Oswald lassen sich wie ungleiche Geschwister nebeneinander stellen. Hier die Vorlage, dort ihre Abstraktion. Mit dieser Bearbeitung haben die beiden Elektronikmusiker zwar keinen einfachen, aber einen absolut logischen Weg gewählt. Denn hier ist sie, die berühmteste repetitive Komposition in der abendländischen Klassik. Ein rhythmisches Loop, auf das in steter Steigerung Melodien aufgebaut werden, lässt zum ersten Mal im Abendlande das Gefühl der Endlosigkeit entstehen. Die Parallele zu zeitgenössischer Clubmusik liegt auf der Hand.
Movement 5 offenbart die Affinität der Künstler zu Filmmusik. Hier sind zum ersten Mal im Verlauf der bisher ca. 37 Minuten die Originalaufnahmen der Berliner Philharmoniker mit Ravels Rapsodie espagnole in aller Deutlichkeit zu hören. Dunkel und schwer arbeitet sich die Prélude à la nuit der Rapsodie vorwärts, von Craig und von Oswald mit Pausen und Hallschleifen effektvoll inszeniert. Unerwartet kommt gefilterte Perkussion hinzu und das Arrangement scheint sich ab hier zu verselbständigen. Spannung wird aufgebaut und - statt sie aufzulösen - immer weiter gehalten.
Im Verlauf des langen Bogens, den dieses Album spannt, offenbart die einfühlsame und genaue Produktion des Duos aus Berlin und Detroit immer wieder ihre offene Struktur. Beide Musiker haben während ihrer Zusammenarbeit über weite Strecken improvisiert, die Musik kommen lassen. Dabei ist ihr Umgang mit den klassischen Vorlagen immer vorsichtig und respektvoll. Denn Moritz von Oswald und Carl Craig verstehen ihre Bearbeitungen als Brücke zu den Original
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