104 Auslandsreisen, 14 Enzykliken, 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen, 231 Kardinalsernennungen und 1.160 Generalaudienzen mit über 17 Millionen Pilgern - die imposanten Zahlen, die im Umkreis des Ausnahmepapstes Johannes Paul II. immer wieder gern genannt werden, dürften auch bei der Neuauflage von „Reclams Lexikon der Päpste" auf reges Interesse stoßen. Doch Michael F. Feldkamp hat für die (nach 1987) nunmehr 2. Ausgabe auch schon einen Artikel über den amtierenden Oberhirten Benedikt XVI. hinzugefügt.
Die Geschichte des Papsttums geht also weiter, aber sie reicht vor allem weit zurück und nimmt seit nunmehr 2000 Jahren Einfluss auf die Entwicklung des Abendlandes, der Christenheit und immer wieder des gesamten Globus. Das in weiten Teilen unveränderte Kompendium des angesehnen Oxforder Kirchenhistorikers J.N.D. Kelly vereint historisches Fachwissen und Erzählkunst mit den Vorzügen eines Kriminalromans. Kelly verfolgt das Szenario von den ersten römischen Bischöfen Petrus, Linus und Anaklet über die Päpste und Gegenpäpste des Mittelalters bis zu den geliebten und/oder umstrittenen Kirchenfürsten der Neuzeit.
Erfreulicherweise spart der Autor nicht mit deutlichen Worten, wenn es darum geht, das zwielichtige Verhalten des einen oder anderen Amtsinhabers zu bewerten. So schreibt Kelly über die unrühmliche, weil schweigsame Rolle, die Pius XII. bei der beabsichtigten Vernichtung des europäischen Judentums spielte:
„In jedem Falle steht fest, dass die verhüllte oder verallgemeinernde Sprache, die der Kurie eigentümlich ist, kein geeignetes Instrument zum Widerstand gegen zynisch geplante Weltherrschaft und Völkermord abgab."
Es war also sinnvoll, einen anglikanischen Geistlichen mit der Abfassung dieses Lexikons zu betrauen, das auch als Geschichtsbuch, sprich: von vorne bis hinten und ohne länger abzusetzen, gelesen werden kann!