Es handelt sich hier um eine erfreuliche Ausnahme unter den weitgehend enttäuschenden allgemeinen Einführungswerken für ein Laienpublikum. Das zentrale Repertoire von Händel und Bach bis zur Romantik wird auf hohem Niveau, oft erstaunlich ausführlich behandelt. Selbst frühe Quartette von Haydn und Schubert werden nicht vernachlässigt, immerhin einige Werke von Boccherini besprochen.
Deutliche Schwächen zeigen sich dann leider bei den Repertoireschwerpunkten in Spätromantik und Moderne. Das Plädoyer für die (fast nie gespielten) frühen Quartette Dvoraks mag aller Ehren wert sein (der Abschnitt zu Dvorak nimmt insgesamt 65 Seiten ein), ebenso das Eintreten für Jugendwerke von R. Strauss. Wenn das aber dazu führt, dass Komponisten wie Vaughan Williams, Sibelius, Nielsen, Kodaly, von Dohnanyi nicht einmal mit einem einzigen exemplarischen Werk vorgestellt, sondern mit je zwei Sätzen kursorisch bedacht werden und maßgebliche Kammermusiker des 20. Jhds., Bartok und Schostakowitsch, eindeutig zu kurz kommen (alle 15 Quartette von Schostakowitsch werden auf weniger als 5 Druckseiten durchgeschleust), so ist das ein Manko, was weder musikhistorisch noch anhand des üblichen Konzertrepertoires gerechtfertig werden kann.
Dennoch insgesamt empfehlenswert; es gibt leider nichts besseres.
(bezieht sich auf die 12. Auflage)