Dieser zwar Reclam-typisch unscheinbar aufgemachte, aber dafür ungemein qualitätvolle Führer ist der einzige wirklich brauchbare auf dem Markt. Er bietet nicht gefühlsselige Schwafeleien, sondern detaillierte Werkanalysen und wirklich hilfreiche Hintergrundinformationen (z.B. zur Komponistenbiographie oder Rezeptionsgeschichte), wo nötig. Romantische Lebensbeschreibungen von Komponisten oder ähnliche außermusikalische "Verständnishilfen", meist gut gemeint, aber schlecht gemacht, sind hier glücklicherweise nicht zu finden. Die Anzahl behandelter Werke ist immens, und selbst weniger bekannte Komponisten, die heute nur selten im Konzertleben auftreten, sind wenigstens mit ein paar Zeilen bedacht. Dieser Führer ist ein echter Helfer für jeden Kammermusikfreund, weit über das gängige Konzertrepertoire hinaus bis hin zu Werken, die selbst auf CD kaum zu beschaffen sind. Die Beiträge stammen von unterschiedlichen Fachleuten, deren teils unterschiedlicher Zugang und Stil durchaus ablesbar bleibt, ohne daß dies der Qualität des Buches irgendeinen Abbruch tut. Besonders hilfreich neben den Erläuterungen zu Einzelkomponisten und Einzelwerken ist die an den Anfang gestellte Gattungsgeschichte, in der auch manch ein entwicklungsgeschichtlich interessantes Werk Erwähnung findet, das später nicht eingehend diskutiert werden kann. - Der Führer ist auch für musikalische Laien vollkommen verständlich. Wer sich als Laie für Kammermusik interessiert, ist ja in der Regel selbst als Amateur musikalisch aktiv und jedenfalls auch sonst kein Dummkopf. Also keine Angst vor vermeintlich zu wissenschaftlich-trockenem Kauderwelsch! Dieses Buch liest sich für jeden Kammermusikfreund wie ein spannender Krimi.