Nachdem sich "Winterheart's Guild", das vorhergehende Studioalbum der finnischen Hoffnungs- und vielleicht bald Fahnenträger des melodischen Metals, schon deutlich von vorangegangenen Werken und deren Sonstrukturen gelöst hatte, legen die fünf Finnen um Frontmann Tony Kakko nun ihr viertes, reguläres Studioalbum vor - eine Konsequente Weiterentwicklung ihres inzwischen unverkennbaren Stils. Vorbei sind die Zeiten wo man sich an großen Vorbildern wie Stratovarius orientiert und sich mit enormer Geschwindigkeit, relativ hohem, aber dennoch eigenständigem Gesang und eingängigen, melodischen Mitsingrefrains nicht nur in Finnland einen Namen gemacht hat.
Was hat sich geändert? Sonata Arctica gehen progressiver, experimenteller und vorallem selbstbewusster zur Sache, variieren das Tempo und Gesang, der inzwischen deutlich tiefer und kraftvoller geworden ist und mixen ihre ureigenen Zutaten mit erfrischendem Wind aus anderen Genres.
So könnte man zum Beispiel "Blinded No More" als astreinen Rocksong mit Metallica Anleihen bezeichnen, während mit "Ain't your Fairytale" ein Ohrwurm erster Güte vorliegt.
Neben dem bereits im Vorfeld als Single veröffentlichten Song "Don't say a word", der hier als Albumversion, die übrigens noch vielschichtiger geraten ist, zu finden ist, stechen vorallem der epische Titel "White Pearl, Black Oceans" und "Wildfire" hervor. Ersteres ein mit ungewöhnlichen Strukturen und einer einmaligen Atmosphäre versehener Song in Überlänge (Der Chorus ist ein Ohrwurm sondersgleichen), während "Wildfire" das Experimentellste und meiner Meinung nach auch Originellste ist, das Sonata Arctica jemals veröffentlicht haben: Ein Song aus dem einem der Wahnsinn fast ins Gesicht springt, enormem Tempo, stakkatoartigem Riffing und überaus variablem Gesang - sehr, sehr ungewöhnlich, aber, oder eben deshalb, ein Meisterwerk.
Mit "My Selene" liefern die fünf Jungs dann auch noch die gewohnt eingängige Halbballade, die in dieselbe Kerbe wie "Victoria's Secret" vom Vorgängeralbum schlägt und mit einem sehnsüchtigen Refrain aufwartet.
Fazit: Sonata Arctica sind auf dem besten Weg sich endgültig als eigenständige Band von Weltklasse zu etablieren und man wünscht den sympathischen Finnen, dass sie auch jenseits der Grenzen des schönen Landes im Norden die Anerkennung bekommen, die ihnen mindestens seit diesem Album gebührt. Beide Daumen hoch und fünf Sterne für eines der stärksten Alben dieses Jahres!