Die Rechtstheorie von Rüthers sollte als Pflichtlektüre für jeden angehenden, aber auch jeden praktizierenden Juristen begriffen werden. Das Buch ist unverzichtbar, will man die immer wieder auch von der Rechtsprechung als "Klassiker" zitierte Larenzsche Methodenlehre ernsthaft verwerten. Rüthers bietet dafür nicht nur das erforderliche Kontrastprogramm fundiert an, zeigt nicht nur die Schwächen und die teilweise fragwürdige Genese der Larenzschen Grundaussagen auf. Vielmehr entwickelt er ein in sich schlüssiges rechtstheoretisches Konzept, das seinen Ausgangspunkt bei der erstaunlichen Elastizität deutscher Juristen unter 5 verschiedenen Verfassungssystemen im 20. Jahrhundert und bei den Vorgaben des Grundgesetzes für die Methoden juristischer Tätigkeit nimmt. Mag man sich über seinen subjektiven Auslegungsansatz, der den Willen des historischen Gesetzgebers zur wesentlichen Grundlage der Auslegung von Normen macht, streiten (wie lässt sich durch den normalen Normadressaten ein solcher Wille angesichts der komplizierten Gesetzgebung durch verschiedene Gesetzgebungskörperschaften - Bundestag, Bundesrat, auf Landesebene auch Volksentscheide - zuverlässig ermitteln?). Insbesondere die Rechtsprechung der obersten Bundesgerichte und des BVerfG liefert immmerhin wiederholt Belege dafür, dass sich aus der Rechtsentwicklung wertvolle Schlüsse auf gesetzgeberische Zwecke ableiten lassen. Mit seinem Ansatz erbringt Rüthers jedenfalls für die unterentwickelte Methodenlehre einen wesentlichen Beitrag. Dabei ist er weit entfernt davon, undifferenziert methodologische Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben. Er analysiert sorgfältig die verschiedenen rechtstheorethischen Konzepte und erschließt deren Vorteile und Schwächen für die Weiterentwicklung der Grundlagen der Rechtsanwendung und -fortbildung. Dieser differenzierende Ansatz setzt sich konsequent in seiner eigenen Rechtstheorie fort. Das Werk hat angesichts seines Platzes in der Reihe der Beckschen Grundrisse eine erstaunliche Tiefe - dort, wo man sich weitere Vertiefung wünscht, ist dem Grundriss-Charakter Respekt zu zollen. Das Buch ist nicht nur für Studenten leicht nachvollziehbar und anschaulich verfasst und für diese unbedingt zu empfehlen - der Preis erscheint letztendlich angemessen. Es ist auch für den Richter und jeden anderen Juristen spannende Literatur und gibt wertvolle Anregungen, seine eigene Arbeit immer wieder methodologisch zu hinterfragen. (Der Verfasser der Rezension kennt die 2. Auflage, noch nicht die 3. Auflage)