Eine knappe Einführung in die klassische Begründungsproblematik (Metaphysik) von Recht,
dazu das Dokument einer seltenen Intellektualität im Bereich dieses Fachs,
welche sich - sozusagen im Akt der Wiederbelebung klassischer Fragestellungen -
sehr wirksam gegen übliche und gefährliche Bequemlichkeiten des Denkens in diesem Bereich wendet,
wie: unreflektierter "Realismus", Positivismus, Utilitarismus, flache Konsensorientierung etc.
Quellenauswahl und Lesehinweise im Einführungsteil sind hervorragend;
bündiger als hier empfohlen wird sich das Thema dem Interessenten kaum öffnen.
Allerdings muß diese Arbeit (Lesen) auch wirklich geleistet werden; mit dem vorliegenden Band allein kommt man sicher durch die Klausur,
aber nicht zum Thema.
Der Band lässt sich auch lesen als Geschichte der Metaphysik (absoluter Begründung) im Recht:
klassische Positionen bis Hegel, dann Versuche der Auflösung in : Wissenschaft, "reine" Rechtslehren, Systemtheorie,
verschiedenste "Legierungen" aus Sozialanthropologie und Metaphysik.
Die Botschaft des Buches ist klar: diese modernen Versuche bleiben notwendigerweise fragwürdig, ungenügend, einseitig.
Und die klassische Metaphysik lässt sich trefflich benutzen um diese Charaktere sehr genau in den Blick zu bekommen !
Geschieht das nicht, d.h. wird diese Form von Rechtsphilosophie nicht ausgeübt,
droht: Auflösung von Recht in Politik (Macht, Konsens, Interessen), horizontlose Wissenschaft, Positivismus.
Und das ist kein intellektuelles Problem, sondern - für viele Menschen - sehr reales;
ohne diesen Horizont geht jede rechtsphilosophische Bemühung schnell über in: gepflegte Selbstdarstellung.
Insofern ist das Anliegen des Bandes hochaktuell, philosophiegeschichtlich wohlbegründet,
in der analytischen Praxis konzis und jedem Interessierten dringend ans (intellektuelle) Herz zu legen - soweit vorhanden.
Die Philosophie freilich - einst Schirmherrin der Fragestellungen - wird hier sehr stark benutzt,
zum Zwecke (erforderlicher) rechtsphilosophischer Profilierung, ohne die das Unternehmen seine Kraft verlöre.
Nähme man diesen Kraftverlust in Kauf (undenkbar im Rahmen einer Einführung in klassische Fragen der Rechtsbegründung)
gäbe es einige Gelegenheiten zu fruchtbareren Fragestellungen, Einsichten und Zielvorstellungen - als etwa derjenigen,
welche dieser Band am Schluß skizziert (eine inselartiger Bereich absolut gesicherter Richtigkeit im Meer positiven Regelwerks).
Kurz: hier schreiben erfahrene Kenner des Rechts,
sie führen uns anhand der klassischen, europäischen Positionen in den Kernbereich seiner Begründungs-Problematik (wodurch wird Recht richtig ?),
hernach in eine wirksame Analysepraxis moderner Ansätze; man lernt v.a. die Fragestellung wachzuhalten und anzuwenden.
Wer sich (hernach) dagegen eher für rechtsphilosophisches Neuland interessiert wird anderes (und anders) lesen müssen.