Das Lehrbuch soll nach Wunsch der Autoren -- beide sehr erfahrene Fachärzte für Rechtsmedizin -- neben der Wissensvermittlung "Neugier auf das Fach wecken". Genau das habe ich also erprobt und studierendengleich einfach mal hineingeblättert.
Sofort fällt auf, dass das Ganze sehr gut und durchdacht aufgebaut ist, ohne mit Didaktik zu nerven:
Viele gute, farbige Abbildungen etwa dazu, wo man Erstickungsblutungen antrifft (in mehreren Organen, nicht nur den Lidern), warum man auf stehende Hautfalten achten sollte (Verhungernlassen), feine Tabellen, beispielsweise zu wenigen, dafür aber sinnvoll ausgewählten Vergiftungen und deren Zeichen (dürfte auch für ÄrztInnen, die später wohl oder über auch bei toten Menschen in Wohnungen entscheiden müssen, ob diese "natürlich" oder "unnatürlich" verstorben sind -- Totenschein!) sowie gute, kurze Hinweise zu Blutspuren-Verteilungsmustern und DNA-Untersuchungen.
Besonders die vielen kurzen Fallbeispiele in Wort und Bild finde ich sehr einprägsam. Sie verdeutlichen auch Ärtzinnen, die an lebenden arbeiten, den Sinn der Rechtsmedizin: Fahrlässige Tötung bei schlampiger Untersuchung eines Kranken (angebliche "Magen-Darm-Grippe"), Rippen-Serienbrüche beim festen Zugreifen und Schütteln, Fettwachs im Markraum großer Knochen -- wer all das durch das Buch sicher spannend findet, wird es nicht mehr vergessen. Dass beispielsweise ein Coiling im Kopf einer verfaulten Leiche ("linksseitiges Gefäß, Circulus arteriosus Willisi") den entscheidenen Hinweis zur Identifizierung gab, könnte man sogar gleich in ein Drehbuch für einen Film einbauen...
Soweit ich als Kriminalbiologe beurteilen kann, deckt das Buch wirklich das ganze Fach Rechtsmedizin ab, von der Ausschuss-Wunde eines Projektiles über Selbstverletzungen, den knöchernen Messerer-Keil bei Fußgänger-Auto-Zusammenstößen bis hin zur Weichteildicke bei Gesichts-Nachbildungen auf Schädeln.
Die Beschreibungen und Erklärungen ufern dabei nie aus; der Text bleibt stets prägnant bei dem, was man sich auch wirklich merken kann und sollte, wenn man als GesundheitsarbeiterIn arbeiten möchte.
Noch dazu ist das ganze auf sehr gutem Papier gedruckt, nicht unnötig im Layout aufgebauscht (man hätte das Buch mit größerer Schrift usw. auch künstlich deutlich dicker aufblasen können) und hat ein Format, das perfekt in der Hand liegt.
Wer sich als StudentIn oder fachlicher Nachbar mit diesem guten Buch einen Überblick über die Rechtsmedizin verschafft, kann nur gewinnen.
Mark Benecke, Kriminalbiologe