Auch ich habe aufgrund der positiven Rezensionen dieses Heft bestellt, musste jedoch leider sehr schnell feststellen, dass ich die Urteile in keinster Weise nachvollziehen kann! Ganz im Gegenteil: Ich bin entsetzt darüber, dass es seine Verwendung offensichtlich nicht nur in Klassenzimmern findet, sondern auch im Bereich der Legasthenie-Therapie.
Zu viele der Übungsformate verstoßen gegen elementare Erkenntnisse der Lernforschung. So werden die Kinder seitenweise mit Wörtern konfrontiert, die einmal richtig und einmal falsch geschrieben sind (traurig/traurik, lebt/lept, blöd/blöt, Scheunen/Schäunen, Berge/Bärge). Der kritische Buchstabe ist jeweils farbig hervorgehoben und es werden stets gleichzeitig Wörter "geübt", bei deren Verschriftlichung ohnehin viele Kinder Probleme haben, weil die Wörter zwar ähnlich klingen, aber unterschiedlich geschrieben werden. In Anbetracht der Tatsache dass das Phänomen der Ähnlichkeitshemmung (Ranschburg-Phänomen) bereits seit über 100 Jahren bekannt ist, ist alleine das schon ein Unding! Selbst ausgesprochen rechtschreibsichere Erwachsene dürften bei diesem Aufbau und so vielen Fehlern ins Zweifeln kommen. Für Kinder sind solche Übungen fatal! Da hilft es auch nicht, wenn sie das richtig geschriebene Wort einmal abschreiben sollen. Durch intensives Lesen und Rätselraten prägen sich die falsch geschriebenen Wörter nämlich leider ebenfalls ein, wobei die optischen Hervorhebungen sicher unterstützend wirken.
Munter weiter geht dann es mit Übungen zur Groß- und Kleinschreibung, bei denen der gesamte Text klein und folglich alle Nomen falsch geschrieben sind.
Ich habe selten ein Arbeitsheft mit einer derartigen Fülle an Fehlern gesehen und kann nur allen Eltern dringend von diesem Werk abraten! Insbesondere denjenigen, deren Kinder Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung haben.
Letzteren seien Alternativen wie das "10-Minuten-Rechtschreibtraining" von Gero Tacke ans Herz gelegt, das meiner Erfahrung nach auch bereits in Klasse 2 eingesetzt werden kann. Wie man es besser machen sollte und warum Übungsformate wie dieses nicht geeignet sind, Kinder in ihrem Lernprozess zu unterstützen, ist unter anderem sehr schön in "Positiv lernen" von Jansen und Streit beschrieben.