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Recht ist, was den Waffen nützt: Justiz und Pazifismus im 20.Jahrhundert
 
 
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Recht ist, was den Waffen nützt: Justiz und Pazifismus im 20.Jahrhundert [Gebundene Ausgabe]

Hans-Jochen Vogel , Wolfram Wette , Helmut Kramer
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Aufbau-Verlag; Auflage: 1., Aufl. (August 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351025785
  • ISBN-13: 978-3351025786
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 13 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.024.037 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Pazifisten im Visier der Justiz Ein bedrückendes Kapitel deutscher Geschichte vom Kaiserreich bis in die Gegenwart. Kriegsgegner hatten es nie leicht in einem Land, in dem Soldaten, Militär und kriegerische Gewalt zu den Selbstverständlichkeiten staatlicher Existenz gezählt wurden. Häufig durften Kritiker es nicht einmal wagen, den Krieg als das Wesenselement des Politischen in Frage zu stellen. Erstmals zeichnen Juristen und Historiker ein Gesamtbild des Verhältnisses von Justiz und Pazifismus im kriegerischen 20. Jahrhundert.Das Fazit dieses ersten Gemeinschaftsprojekts von Juristen und Historikern lautet: Im Konflikt zwischen Macht und Freiheit hat sich die Justiz im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, im NS-Staat und bis in die jüngste Zeit häufig auf die Seite der Machthaber geschlagen. Sie bediente sich dabei der strafrechtlichen Vorwürfe des angeblichen Landesverrats, der Wehrkraftzersetzung, der Nötigung. Immer wieder wurde Anklage wegen Beleidigung von Soldaten und Militärpolitikern erhoben. Die "kalte Amnestie" für Wehrmachts-Juristen, die Versuche zur Kriminalisierung von Gegnern der Wiederbewaffnung und zur Aushöhlung des Grundrechts auf Kriegsdienstverweigerung verweisen auf die Autoritätsgläubigkeit von Richtern und ihre Nachgiebigkeit gegenüber militärischen Interessen auch nach 1945. Aber es gibt auch ermutigende Versuche, diese dominante Strömung der Justiz zu durchbrechen.

Über den Autor

Wolfram Wette, geboren 1940, studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie, 1971 Dr. phil., 1991 Habilitation, 1971-1995 am Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) in Freiburg i. Br.; seit 1998 apl. Professor für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Universität Freiburg i. Br.. Mitbegründer und mehrfach Sprecher des Arbeitskreises Historische Friedensforschung (AHF), Mitherausgeber der Reihe "Geschichte und Frieden" und des Jahrbuchs "für Historische Friedensforschung"

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Format:Gebundene Ausgabe
Erstmals haben Juristen und Historiker gemeinsam ein Gesamtbild des Verhältnisses von Justiz und Pazifismus in Deutschland im kriegerischen 20. Jahrhundert gezeichnet. Die bedrückende Erkenntnis: Um pazifistische Bestrebungen zu verhindern und dem Militär zu nützen, hat die Justiz immer wieder das Recht im Dienst machtpolitischer Interessen instrumentalisiert und ist als ‚politische Justiz' tätig geworden. Im Konflikt zwischen Macht und Freiheit schlug sie sich meist auf die Seite der Machthaber; denn offenkundig verstehen nur die Machtrealisten etwas von Staat, Militär und Krieg. Die „kalte Amnestie" für Wehrmachts-Juristen, die Versuche zur Kriminalisierung von Gegnern der Wiederbewaffnung und zur Aushöhlung des Grundrechts auf Kriegsdienstverweigerung verweisen auf die Autoritätsgläubigkeit von Richtern und ihre Nachgiebigkeit gegenüber militärischen Interessen auch nach 1945. Aber es gibt auch ermutigende Versuche, diese dominante Strömung der Justiz zu durchbrechen.

Um vorneweg einem Missverständnis vorzubeugen: „Pazifismus" meint im vorliegenden Band nicht die absolute Kriegsdienstverweigerung, sondern die Kriegsgegnerschaft zu einem imperialistischen Angriffskrieg.

Die umfangreiche Einleitung der Herausgeber zum hema „Pazifisten im Visier der Justiz. Ein bedrückendes Kapitel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts" ist ein Musterbeispiel an inhaltlicher Dichte, an knapper und treffender Prägnanz, an engagierter und erhellender Historiographie.

Besondere Beachtung verdienen unter den vielen Einzelbeiträgen:

 Feliks Tych: „Das Vorgehen der Justiz gegen Pazifisten im Wilhelminischen Deutschland: Die Strafprozesse gegen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht". Rosa Luxemburg hatte 1913 zum Kampf gegen die Kriegsgefahr aufgerufen. Die Anklage des Staatsanwalts gründete auf diesen Satz Rosa Luxemburgs: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffe gegen unsre französischen und anderen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Nein, das tun wir nicht!"

 Manfred Messerschmidt: „Die Wehrmachtjustiz gegen ‚Zersetzer' und Pazifisten". Eine typische Urteilsbegründung des Reichskriegsgerichts (RKG): Wer seinem Volk in schwerster Kriegszeit den Wehrdienst hartnäckig und unbelehrbar verweigert, kann nur zum Tod verurteilt werden." Messerschmidt spricht auf Seite 205 davon, dass einige Protestanten und Katholiken „offen den Wehrdienst verweigert" haben. Richtig ist vielmehr: Diese Christenmenschen verweigerten den Kriegsdienst in Hitlers Vernichtungskrieg! Der Begriff „Wehrdienst" impliziert - das wussten auch die Richter des RKG - Schutz der Heimat und Verteidigung des Vaterlandes.

 Helmut Kramer: „Der Widerstand gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik vor Gericht". 1951 hatten sich 9 Millionen Bürger der Bundesrepublik gegen die Aufrüstung und für den Abschluss eines Friedensvertrages ausgesprochen. Diesen Tendenzen musste aus Regierungssicht ein Riegel vorgeschoben werden. Das geschah in erster Linie durch Kriminalisierung. Die beiden Aktivisten des „Hauptausschusses für Volksbefragung" wurden als Rädelsführer einer „verfassungsfeindlichen und kriminellen Vereinigung" zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Fazit: Der vorliegende Sammelband ist ein Triumph der historischen Aufklärung. Die Herausgeber und die Autoren stehen im Dienst einer neuen Kultur des Friedens - gegen Vergessen und Verdrängen, gegen Schuldabwehr und gegen Wahrnehmungsblockaden.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Herbert Huber TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
In zahlreichen Beiträgen dieses Sammelbandes werden einzelne Aspekte beleuchtet, wie es Friedensüberzeugten im 20. Jahrhundert in Deutschland erging. Ich verrate kein Geheimnis des Werks wenn ich zusammenfasse: schlecht ging es ihnen; verleumdet, als geisteskrank erklärt, verklagt, eingesperrt, ermordet. Die Fülle der Themen und Autoren (Juristen, Politikwissenschaftler und Historiker) fügt die Beiträge zu einer Gesamtschau ab 1870.
Mir persönlich gefiel, dass neben der für Pazifisten besonders schlimmen Zeit vor 1945 auch die Zeit danach breiten Raum erhält (S. 218-341). So wird klar (was man sonst kaum für möglich hält und wenn doch, sich nicht erklären kann), wie es zu der Kontinuität der obrigkeitshörigen Justiz bis in die Gegenwart kam.
Zahlreiche s/w Fotos lockern den Text auf. Quellenangaben, ein Literaturverzeichnis und zwei Register erschließen ein hervorragendes Buch und führen darüber hinaus.
Pflichtlektüre für alle Deutschen: gehört zum Kanon der Leitkultur
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