Um es vorweg zu nehmen, die Autoren, beide Psychologen und Psychotherapeuten, versprechen nicht zu viel. Das Buch besticht durch Praxis- und Alltagsnähe.
Sehr übersichtlich in 5 Teile gegliedert finden auch nichtprofessionelle Eltern schnell Orientierung und werden problemlos zu Anwendern.
Die einzelnen Themenbereiche sind:
• Grundlagenwissen
• Praktizierte Fördermaßnahmen bei Rechenschwäche und Rechenstörung – Mythen oder gesicherte Erkenntnis?
• Allgemeine Tipps zum Lernen mit rechenschwachen Kindern
• Konkrete Lernmethoden
• Prüfungsangst
Kinder mit Rechenschwächen kämpfen häufig auch noch mit weiteren Schwierigkeiten, wie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Lese-Rechtschreib-Schwäche und/oder sonstigen Entwicklungs- und Reifeverzögerungen. Hinzu kommen Folgeprobleme wie Entmutigung, Motivationsprobleme, Vermeidung, bis hin zu Verweigerung und Störverhalten, Belastungen von Familie, Unterricht und LehrerIn.
Die Problematik in ihrer ganzen Komplexität wird verständlich und bildlich-anschaulich dargestellt. Das Auffinden und Nachlesen wird durch grau unterlegte Zusammenfassungen nach den einzelnen Abschnitten sehr erleichtert.
Die Autoren veranschaulichen auch dem Laien den neuesten Stand der Entwicklungs- und Lernpsychologie und setzen sich mutig mit einigen immer noch offiziell gelehrten und praktizierten Hilfen auseinander, die der empirischen Prüfung der letzten Jahre nicht standhalten konnten. Sie plädieren überzeugend für eine höhere Bewertung von kontrollierten Wirksamkeitsnachweisen gegenüber bloßer Wirksamkeitsbehauptung, Überzeugung oder Ambition. Uneffektive Hilfs- und Therapieversuche bringen letztendlich dem Kind über vordergründige Wohlfühleffekte hinaus wenig langfristigen Nutzen, nicht selten sogar echte „Kollateralschäden“ und belasten zudem die ohnehin schon strapazierten Kassen von Familien und Solidargemeinschaft.
Einfache Hilfestellungen, für Jedermann anwendbar, werden beispielhaft dargestellt und überzeugend begründet und quasi nebenbei ein fundiertes Störungsbildverständnis geweckt. Die vorgestellten Unterrichts- und Lerntechniken, deren Bewährung empirisch nachweisbar und lernpsychologisch begründbar ist, orientieren sich an den Bedürfnissen der Kinder. Solche Methoden führen nicht nur bei Lernschwächeren weiter, sondern werden auch von guten Schülern als hilfreich empfunden.
- Das Einfache ist oft das Pädagogische.
- Praktikable Problembewältigung vor zeitraubender und fragwürdiger Ursachendeutung.
- Möglichst nicht schriftlich üben lassen.
- Weniger ist oft mehr. Keine Stoffhuberei, bei der vieles nur „angerissen“ wird.
- Reduktion der Methodenvielfalt; Besinnung aufs Wesentliche;
- Übung macht den Meister – aber richtig: regelmäßig und in kleinen Portionen.
- Verautomatisierung entlastet und bildet die Basis für das Erlernen höherer Fertigkeiten.
- Routinen sind hilfreich und keineswegs unpädagogisch.
- Lernprobleme genau dort anpacken, wo sie tatsächlich bestehen.
- Ihr Kind übt das, was es übt. Bewegungsübungen verbessern Bewegung nicht Rechnen.
- Was taugt beibehalten. Was bei Ihrem Kind nichts bringt verwerfen.
- Hände weg von „alternativen“ Methoden. Sie sind alternativ, weil ihnen der Nachweis der Wirksamkeit fehlt.
- Äußere Hilfestellung und Fremdstrukturierung ist noch lange unabdingbar.
- Eltern bleibt die Pflicht, dies zu leisten, da Schule sich hierzu oft nicht in der Lage sieht.
Insbesondere das Übungsmotto, ja sogar die strikte Anweisung an das Kind, sich auf keinen Fall anstrengen zu dürfen, dürfte auf angeschlagene, entmutigte Kinder magisch wirken.
So werden Lernfortschritte auch für Lernschwächere möglich. Weichenstellende Lern- und Lebens-Einstellungen des Kindes wie Erfolgszuversicht, Selbstwert, Lernfreude und Motivation können wieder wurzeln und wachsen.
Neugierig geworden?
Empfehlung: Buch besorgen und selber lesen.
Dr. R. Filgis, AdS e.V. Ebersbach