(Kinoversion)
Die „REC“-Reihe scheint sich zu einem ebenso laut blökenden Goldesel zu erweisen, wie es schon andere Reihen vor ihr getan haben („SAW“, „Final Destination“) und die Macher werden nicht müde, einem (zumindest hier) nicht gerade einfallsreichen Plot Nuance um Nuance hinzuzufügen, die die zahlungswilligen Kinogänger animieren soll, sich den mehr oder weniger gleichen Mist immer wieder anzusehen. Die gern zitierte „authentische“ filmische Herangehensweise, das Geschehen mittels einer Handkamera einzufangen, ist für mich immer noch billige Ausrede dafür, den ganzen Schmu möglichst billig und mit wenig technischem Aufwand abzufilmen. So nerven auch hier endloses parkinsonsches Kameragewackel und fiepende bis krachende Tonpatzer, die sich mit unvorteilhaften Blickwinkeln und mäßiger Bildqualität vermengen. Stört man sich an solcherlei technisch minderwertigem Firlefanz nicht, bietet einem „REC³“ zumindest recht zünftigen Splatter, der in eine Rahmenhandlung gebettet wurde, die zumindest mit einem neuen Subtext daherkommt, den man, je nach Konfession, dämonisch oder engelsgleich nennen könnte. Neu auch, dass das ganze Gemetzel, zumindest partiell, bei sonnigem Tageslicht und außerhalb nur eines Gebäudes stattfindet. Mit „REC 4 - Apocalypse“ soll dann angeblich Schluss sein mit der spanischen Untoten-Reihe, ob die Macher dieses Versprechen halten, wissen nur die Einspielergebnisse allein.
Clara (Leticia Dolera, Nenas spanisches Lookalike) und Koldo (Diego Martín) befinden sich mitten im schönsten Tag ihres Lebens, ihrem Hochzeitstag. Die ganze buckelige Verwandschaft ist angereist, um das schwer verliebte und hübsche Paar gebührend zu feiern. Cousin Adrián (Àlex Monner) geht dem für die Feier engagierten Fotografen mit seiner Videokamera zur Hand, Koldos bester Freund Rafa (Ismael Martínez, „Sprich mit ihr“) checkt das Abschlepp-Potenzial der weiblichen Gäste und Onkel Victor (Emilio Mencheta) tänzelt mit einer nicht optimal behandelten Hunde-Bisswunde übers Parkett. Diese ist dann auch der Startschuss für das blutgeile Gemetzel, in dem sich die Hochzeitsgäste nach und nach wiederfinden. Im allgemeinen Beiß- und Fluchtchaos werden Clara und Koldo getrennt und versuchen nun autonom voneinander, der beißwütigen Anverwandten zu entkommen und wieder zueinander zu finden.
Ja, das ist sie auch schon, die Handlung des nur 80minüten dritten Teils der „REC“-Reihe. Haben in den ersten beiden Teilen noch die beiden Regisseure Jaume Balagueró („Sleep Tight“) und Paco Plaza zusammen Regie geführt, haben sie sich für Teil drei und vier aufgeteilt. Plaza inszeniert Teil drei, Balagueró Teil vier. Ob es daran liegt, dass der dritte Teil der Reihe zumindest mir am besten gefallen hat? Wobei ich zugeben muss, dass ich nach dem furchtbaren ersten Teil den zweiten gar nicht mehr gesehen habe… Wie auch immer, „REC³“ ist eine ziemliche Schlachtplatte, auch wenn hier nicht unbedingt kreativer als in den Vorgängerfilmen zu Werke gegangen wurde. Die Zombies werden mit allem malträtiert, was sich auf einer Hochzeitsfeier so finden lässt und das in ziemlich hoher Frequenz. Erweitert wurde der simple Plot lediglich um eine weitere Ursachenerklärung für das Virus, das sich so rasend schnell ausbreitet. Die Erklärung liefert denn gen Ende des Films auch eine - zumindest vorübergehend - wirksame Waffe gegen die Untoten, bei der noch nicht einmal Blut vergossen wird. Leider kommt dies erst in den letzten Filmminuten ans Tageslicht, wo sich die Anzahl der Überlebenden schon im einstelligen Bereich bewegt. Gut jedoch für den Genrefan, da er somit vorher ein ordentliches Leinwand-Blutbad nehmen konnte.
Ob man dem Zombiefilm an sich noch etwas abgewinnen kann, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, wirklich neue Impulse im Splatterteil des Films hat Plaza hier nicht zu bieten. Dafür setzt er Altbekanntes souverän um und erweitert seine Geschichte zumindest um eine neue Erklärung für die Seuche und um den durchaus romantischen Part Claras und Koldos inniger Liebesgeschichte. Letztendlich läuft das alles unter dem Motto „Kann man so machen, muss man aber nicht unbedingt gucken“. Denn sowohl Claras und Koldos Gefasel von Seelenverwandtschaft und ihre amourös motivierte Suche nacheinander im blutigen Hochzeitsbankett als auch die haufenweise nun frei auf dem Gelände herumlaufenden Untoten nerven beizeiten ein wenig. Und irgendwann sind dann auch alle auf der Hochzeit befindlichen Werkzeuge zur Zombietötung eingesetzt, so dass sich leichte Metzel-Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer einstellen, trotz der so kurzen Laufzeit von nur 80 Minuten. Aber glücklicherweise steht dann auch das Ende vor der Tür und eine neue Möglichkeit des Zombie-Inschachhaltens ebenso, so dass man letztendlich recht zufrieden aus „REC³“ kommt, ohne allerdings groß beeindruckt zu sein.
Die Handkamera verliert dann glücklicherweise mit zunehmender Laufzeit an Bedeutung und Plaza schwenkt um auf konventionelle Kameraführung. Im Großen und Ganzen ist das Ganze schnittig inszeniert, die laberlastigen Längen fallen zwar auf, aber glücklicherweise nicht allzu groß ins Gewicht. Die Darsteller machen ihre Sache gut und mit Leticia Dolera hat Plaza eine wirklich hübsche Hauptdarstellerin gefunden. Eine Handvoll Lacher ist auch an Bord und darüber hinaus spritzt das Blut und fliegen die Körperteile in für den Gorefan so hoher Taktung, dass für ausreichend blutigen Spaß gesorgt ist.
Man sieht „REC³“ an, dass hier ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung standen, um diesen völlig aus dem Ruder gelaufenen Hochzeitstag in hohem Maße blutig und eklig zu inszenieren. Darüber hinaus kann man sich freuen, der klaustrophobischen Enge des Mietshauses der Vorgängerfilme entkommen zu sein und sich erst in einer Kirche und dann in einem riesigen Hotel mit ausufernden Gärten wiederzufinden. Dort, wo sie eingesetzt wird, nervt die Handkamera nach wie vor, aber alles in allem wurde hier Vieles besser und professioneller gemacht als in den beiden Filmen zuvor. Dennoch kommt man nicht umhin zu bemerken, dass „REC³“ eben auch nicht mehr ist, als ein zwar kurzweiliger, aber auch standardisierter Zombiefilm, von denen mal als geneigter Horrorfan ja eigentlich schon genug gesehen hat. Nun denn, die ein oder andere Frage, die „REC“ und "REC²" aufgeworfen haben, bekommt man hier beantwortet. Ergo solide drei von fünf Hochzeitstorten, aus denen das Blut nur so trieft.