Über den Sinn oder Unsinn von Coveralben kann man natürlich streiten, ich verstehe allerdings nicht so Recht dass der zweite Teil von Atrocitys Werk 80 teilweise so bejubelt wird während das vorliegende Album der Northern Kings kritisiert und fast schon niedergemacht wird. Wenn ich die beiden Alben vergleiche bevorzuge ich ehrlich gesagt "Reborn" und das hat 2 Gründe:
1) die Northern Kings zeigen meiner Ansicht nach mehr Mut bei der Songauswahl und bei der Umsetzung ihrer Coverversionen. Während Atrocity ich sag mal "typische 80er Songs" von u.a. Depeche Mode, A-Ha, Alphaville, Eurythmics, Simple Minds oder Franky Goes To Hollywood auswählten covern die Northern Kings hier auch Songs von Tina Turner, Lionel Richie, Phil Collins, Dire Straits oder Radiohead. Songs bzw. Künstler wo man sich teilweise nicht so recht vorstellen kann dass jemand aus den Metalbereich sich an Coverversionen heranwagt, viele werden Dire Straits und Radiohead wahrscheinlich als unantastbar sehen und schon mit der Nase rümpfen wenn sie hören dass jemand es wagt deren Songs zu covern. Und bei den Songs von Tina Turner, Lionel Richie und Phil Collins sehe ich schon die beinharten Metalfans die meinen dass für sie schon die Originalsongs ein rotes Tusch sind und sich auf Coverversionen gar nicht erst einlassen wollen. "Reborn" sorgt wie man bereits an den bereits geschrieben Rezensionen sieht für heftige Diskussionen, ich allerdings bewundere den Mut zum Risiko vor allem finde ich die Herangehensweise sehr cool so werden einige Songs teilweise ins Gegenteil verkehrt. Billy Idols "Rebel Yell" wurde z.B. sicherlich schon unzählige male gecovert aber in der Art und Weise die hier vorliegt wohl noch nicht so wird auf "Reborn" aus den schnellen Billy Idol Song ein langsamer, schleppender fast schon doomiger Song mit Orchester im Hintergrund. "I Just Died In Your Arms Tonight" von Cutting Crew ist ja im Original auch recht schnell, hier wird daraus eine fast schon kitschige Metalballade die ein wenig was von Manowars "Master Of The Wind" hat - auch wenn es kitschig klingt aber die Art und Weise ist einfach genial. "Hello" ist auf der anderen Seite Lionel Richies wohl bekanntester Liebesschmachtfetzen um es mal so zu sagen :) - bei den Northern Kings wird daraus ein treibender Hard Rock / Metalsong. Dass aber das Feeling der Originale trotzdem irgendwie erhalten bleibt liegt meiner Ansicht nach an der gesanglichen Umsetzung und das ist der zweite Grund warum ich "Reborn" den zweiten Teil von Atrocitys Werk 80 bevorzuge:
2) bei allen Respekt gegenüber Alexander Krull aber auf Werk 80 zeigt er meiner Ansicht nach eine stimmlich schwache Vorstellung, bei den Northern Kings sind wiederum großartige Sänger am Werke so hat sich Nightwish Bassist / Sänger Marco Hietala mit J.P. Leppäluoto von Charon, Tony Kakko von Sonata Arctica und J. Ahola der mir bis dato unbekannten Teräsbetoni zusammengetan. Teräsbetoni könnte übrigens demnächst ihren Bekanntheitsgrad steigern, so wird diese Band Finnland beim diesjährigen Songcontest vertreten dies aber nur nebenbei. Es ist gerade der mir bisher unbekannte Mann am Mikro der mich stimmlich mehr als nur positiv überrascht hat so ist er es der "I Just Died In Your Arms Tonight" zur Metalballade und "Hello" zum Rocksong veredelt, besagte Songs sind für mich fast die Highlights des Albums. J. Ahola hat wirklich Gold in seiner Stimme, wie er sich bei "I Just Died..." hineinsteigert und fast schon leidet wenn er besagten Refrain singt und dies auch bei Lionel Richies Klassiker tut ist bewundernswert. Außerdem ist er noch bei "Don't Bring me Down" (Electric Light Orchestra) zu hören, der Song wurde jetzt im Gegensatz zum Original nicht so extrem angeändert dafür zeigt J. Ahola einmal mehr eine großartige Leistung am Mikro. Da bin ich echt schon auf seine Stammband beim Songcontest gespannt und wie diese da abschneiden wird.
J.P. Leppäluoto ist der Meister der tiefen Töne, das zeigt er ja auch bei seiner Stammband Charon oder den ersten Poisonblack Album. Seine wunderschöne tiefe Stimme verursacht einfach eine angenehme Gänsehaut hier singt er mit "Rebell Yell" (Billy Idol), "Creep" (Radiohead) und "Brothers In Arms" (Dire Straits) die düsteren Epen des Albums um es mal so zu sagen. Über "Rebell Yell" hab ich ja schon was geschrieben, Radioheads "Creep" kommt ähnlich düster und schleppend rüber während "Brothers In Arms" ein würdiger Abschluss von "Reborn" ist, so zeigt J.P. Leppäluoto hier all seine Klasse um aus den Dire Straits Klassiker ein wahres Epos mit Orchester im Hintergrund zu machen.
Von Sonata Arctica bin ich eigentlich nicht so ein großer Fan aber man muss deren Sänger Tony Kakko auf jeden Fall zugestehen dass er ein wirklich guter Sänger ist, er "wagt" sich hier an David Bowies "Ashes To Ashes", "Sledgehammer" von Peter Gabriel und "Broken Wings" von Mr. Mister heran und meistert seine Sache bravoriös. David Bowie und Peter Gabriel im Metalgewand zu hören macht einfach Spaß, auch "Broken Wings" reißt mit was auch an Tony Kakkos großartigen Gesang liegt.
Tja und zu Marco Hietala braucht man denke ich nicht allzu viel zu sagen, der Mann wird hier nicht umsonst als "The King Of The Kings" betitelt. Sei es bei Nightwish oder bei Tarot, Marco ist zweifellos einer der versiertesten Metalsänger in Finnland und veredelt hier Jethro Tulls "Fallen On Hard Times", Joourneys "Don't Stop Bevlievin'" und "In The Air Tonight" von Phil Collins mit seiner unverwechselbaren Stimme. Während bei den Songs von Jethro Tull und Journey die Härterschraube ordentlich nach oben gedreht wurde zeigt Marco bei "In The Air Tonight" auch viel Gefühl. Der Song beginnt langsam, dem Original entsprechend, und steigert sich am Ende zu einer wahren Metalnummer.
Wie gesagt hier haben sich 4 großartige Sänger zusammengetan die jeweils 3 Songs auf ihre eigene großartige Art Und Weise intonieren. Ein Song fehlt in der Aufzählung noch nämlich Tina Turners "We Don't Need Another Hero". Dies ist der einzige Song wo alle 4 gleichzeitig zu hören sind und sich ideal ergänzen. Wenn der Refrain dann auch noch von so einen genialen 4 Mann Chor gesungen wird bleiben eigentlich keine Wünsche mehr offen. Kein Wunder das "We Don't Need Another Hero" in Finnland als Single ausgekoppelt und auch ein Video dazu gedreht wurde, die "Kings" liefern sich hier ein atemberaubendes 4 Mann Duell.
Aufgrund der Songauswahl und der Umsetzung ist das ganze wie man sieht halt nicht jedermanns Sache aber gerade deshalb ist das Album für mich eine wahre Perle und gesanglich gesehen ist es einfach um Klassen besser ausgefallen als "Werk 80 II" von Atrocity.