Der erste Offizier der HMS Defiant, Mr. Scott-Padgett, ist ein echter Kotzbrocken, obwohl er gar nicht so ausschaut: durchtrieben, ungerecht und erbarmungslos. Er kennt gegenüber den Matrosen an Bord der Defiant keine Gnade, im Gegensatz zu Kapitän Crawford, der seinen ersten Offizier immer wieder zur Ordnung rufen muss. Crawford ist ein menschlicher Kapitän. Er zeigt Mitgefühl und Milde gegenüber den größtenteils über ein brutales Werbekommando angeheuerten Matrosen. Sein eigener Sohn Harvey, der als Seekadett zum ersten Mal mitfahren darf, soll jedoch nicht bevorzugt werden. Das nutzt Scott-Padgett unverschämterweise aus und bestraft den Jungen über Gebühr für Dinge, die er gar nicht getan hat. Es ist ein offenes Machtspiel zwischen den beiden Männern.
Die Defiant ist kein Schulschiff, sondern ein Kriegsschiff zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Die Matrosen werden sehr brutal auf die Kriegsführung vorbereitet, Verluste sind einkalkuliert. Der Matrose Vizard setzt sich für eine Verbesserung der Verhältnisse an Bord der Defiant ein, doch es gibt jeden Tag neue Auspeitschungen. Meuterei liegt in der Luft. Ich will jedoch hier nicht mehr verraten, um die Spannung nicht vorwegzunehmen.
Sir Alec Guinness als Kapitän Crawford und der junge Dirk Bogarde als Mr. Scott-Padgett spielen ausgezeichnet. Der 1961 erstellte Film wurden auf maßstabsgetreu nachgebauten britischen und französischen Schiffen in spanischen Gewässern abgedreht. M.E. verleiht das dem Film tatsächlich eine große Glaubwürdigkeit, auch wenn die Seeschlachten nicht ganz so spektakulär sind, wie in "Des Königs Admiral". Der Film des Regisseurs Lewis Gilbert kam 1962 in die Kinos; der Name "HMS Defiant" ist übrigens fiktiv.
Die Zusätze auf der DVD sind mager: ein paar Filmografien, Kinotrailer zu "Rebellion", "Die Brücke am Kwai" und "Die Kanonen von Navarone" mit Gregory Peck. Dennoch gebe ich fünf Punkte, denn der Film ist es wert. Kein überflüssiges Liebesgedöns - ein Segelabenteuer ohne Schnörkel, authentisch und spannend wiedergegeben.