Die Autorin behauptet nicht Historikerin zu sein. Ihr vorzuwerfen nicht wissenschaftlich genug zu arbeiten, weil wenig chinesische Quellen inkludiert sind, finde ich daher übertrieben. Ich lese sehr viel und nur wenige können ihre Leser so fesseln wie sie und bei geschichtlichen Themen ist es beonders schlimm. Umso mehr erfreute mich ihr Buch. Die Beschreibungen der Ereignisse aus europäischer Sicht ist extrem detailliert und gerade das hat mir so gefallen, dabei immer menschlich, nie eine einfache Auflistung.
Es tut mir leid, wenn ich nicht political ganz correct bin aber ich muss die militärische Leistungen der eingeschlossenen Verteidiger einfach bewundern. Was diese Menschen geleistet haben geht weit über die wesentlich bekannteren Taten anderer Schlachten hinaus. Die Autorin versäumt es dabei nicht zu schildern, wie die ach so christilichen Europäer ihre konvertierten Chinesen einfach verhungern liesen, oder die Plünderungen danach. Nicht alle, die Eingeschlossenen in der Kathedrale, die wohl militärisch die größte Heldentat vollbrachten, haben ihre chinesichen Christen nicht als Sklaven verhungern lassen, auch das schildert die Autorin.
Was mir an Diana Prestons Erzählweise stört, ist dass sie schon sehr von ihrer eigenen Meinung eingefärbt schreibt. Man merkt immer wieder wie sehr sie für die Engländer und besonders Amerikaner schreibt (sie ist ja im angloamerikanischem Umfeld zu Hause) und dort die Leistungen hervorhebt, die Verbrechen verniedlicht, während sie bei anderen, wie den Deutschen und Japanern die Leistungen kaum würdigt aber über deren Babarentum herzieht. Sie identifiziert sich mit Briefen bestimmter Personen und das färbt ihren Stil sehr stark. Aber es macht das Buch auch lebendig, spannend und so faszinierend.
Ich vermute eine fesselndere Beschreibung der Ereignisse wird man in keinem anderen Buch finden.
Zur fehlenden Wissenschaftlichkeit: "Götter, Gräber und Gelehrte" ist falsch von hint bis vorn, trotzdem einmalig zu lesen und JEDER Geschichtsinteressierte, der es je glesen hat, wird es empfehlen. Ein Teil der jetzigen Generation von Historikern ist nur wegen dem Buch Historiker geworden. Dieses Buch hier ist großartig geschrieben, kurzweilig und voll von wesentlich exakteren Beschreibungen.
Ich wünschte mehr historische Werke könnten so sein.