Wahrscheinlich habe ich mir das Buch zum falschen Zeitpunkt (starkes Kreta-Fernweh bei hoher Arbeitsbelastung) und mit der falschen Erwartung gekauft, aber ich war trotz einiger Pluspunkte eher enttäuscht.
Das liegt daran, dass der Autor neben der Großartigkeit und Originalität Kretas und seiner Bewohner vor allem seine eigene Großartigkeit und Originalität und die seiner Freunde beschreibt. Der Untertitel "Freundschaft, wildes Denken und wundersame Erlebnisse" bezieht sich auf seine Freundschaft mit Hanns und Peter aus Berlin und Wuppertal, nicht auf Kreter. Mit diesen Freunden hat er den "Club skeptischer Rationalisten" gegründet, einen akademischen Stammtisch, dessen Gedankenkonstrukt die "kretischen Wandermönche" als Beispiel innerhalb seiner Ideen zur Relativitätstheorie sind. Letztere hat er nach eigenen Angaben an Wissenschaftsverlage nicht loswerden können und versucht nun, sie auf diesem Weg an den Mann zu bringen, was mich eher gestört hat. Manche seiner Gedankengänge sind wirklich interessant, man muß aber teilweise auch in der Stimmung dazu sein, sie zu durchdenken.
Der Schreibstil des Autors ist witzig in der Art von Douglas Adams, allerdings fehlt ihm manchmal dessen Leichtigkeit. Kreta kommt glücklicherweise nicht ganz zu kurz, die Begegnungen mit Einheimischen sind nicht sensationell neu, aber durchaus mit Wiedererkennungswert beschrieben. Die Beschreibungen der Geschichte Kretas sind hervorragend und spannend. Sehr gut gefallen hat mir die Seite über die aktuelle politische Lage. Das absolute Highlight für mich war die Art, wie der Autor dem Leser die griechische Sprache näherbringt. Überall im Text sind griechische Begriffe in deutscher und griechischer Schreibweise eingefügt, dazu die Bedeutung und Aussprachehilfen, öfter auch kleine Einführungen in die Grammatik. Man kommt beim Lesen ganz automatisch immer mehr in die Sprache hinein, hat richtige kleine Erfolgserlebnisse - schön!