"Rebecca" ist eines der früheren Meisterwerke des legendären Alfred Hitchcock. In malerischen Schwarz/Weiß bekommt man hier einen Film geboten dessen Geschichte zugleich rührt und Spannung erzeugt. Ein Filmklassiker, der Drama und Thriller geschickt miteinander verbindet, und durch wunderbare Schauspieler und meisterhafte Regie überzeugt.
"Rebecca" ist ein Film der wesentlich von den vielen unerwarteten Wendungen in der Geschichte lebt und somit schwer zu rezensieren, da man niemanden vorab zu viel verraten will. Es folgt daher eine kurze Zusammenfassung des Inhalts, soweit das ohne Spoiler möglich ist und anschließend einige Anmerkungen zum Film.
Nach der kunstvollen Eröffnungssequenz, die einen auf spielerische Weise einen ersten Eindruck des Schlosses Manderley gibt, fokussiert der Film zunächst auf die ungewöhnliche Romanze einer armen jungen Frau mit dem reichen und geiheimnisvollen Maxim De Winter. Von Anfang an ist klar, dass der Herr von Manderley hinter seiner Eleganz etwas verbirgt, was sich immer wieder in Anfällen von plötzlicher Schwermut Luft macht. Während er die junge Dame noch in der einen Sekunde umschwärmt, ist er in der nächsten kalt wie ein Eisblock. Klar ist nur, dass sein seltsames Verhalten etwas mit seiner verstorbenen Frau Rebecca zu tun haben muss, deren tragischer Unfalltod immer noch Gesprächsthema in der High Society ist. Trot dieses widersprüchlichen Verhaltens willigt die junge Frau in seinen Heiratsantrag ein und wird somit die neue Herrin von Manderley. Doch muss sie feststellen, dass dort noch immer alles im Zeichen der verstorbenen Rebecca steht. Ganze Teile des Hauses werden so belassen wie die einstige Herrin sie benutzt hatte und die Haushälterin Mrs. Danvers macht von Anfang an kein Geheimnis aus ihrer Verachtung für die neue Mrs. De Winter, die der ersten, ihrer Meinung nach, niemals das Wasser wird reichen können. Maxim selbst reagiert indessen auf alle Fragen nach seiner ersten Frau äußerst ungehalten.
Schließlich wird überraschend das Boot geborgen, mit dem Rebecca verunglückt ist und Maxim de Winter und seine neue Frau müssen sich mit der verdrängten Vergangenheit auseinandersetzen...
"Rebecca" ist ein Film der viele Facetten hat. Zunächst geht es um die Liebe einer Frau aus armen Verhältnissen zu einem Mann der höchsten Upper Class, der wie ein Märchenprinz in ihr Leben tritt. Joan Fontaine liefert eine sehr überzeugende Leistung bei der Darstellung der Second Mrs. De Winter, die bald merken muss, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie sie es sich erträumt hat. Maxim verliebt sich gerade deshalb in sie, weil sie noch jung und naiv ist - das genaue Gegenteil von ihm selber, der durch den Tod seiner ersten Frau ein verbitterter, sorgenvoller Mensch geworden ist. Doch sein Plan, durch seine neue Ehe seine alten Probleme zu vergessen, scheitert zunächst kläglich und droht im Diseaster zu enden.
Der Film thematisiert auf eindringliche Weise die Notwendigkeit sich seiner Vergangenheit zu stellen und mit ihr leben zu lernen. Erst als Maxim seiner neuen Frau die schockierende Wahrheit über sich und Rebecca erzählt, hat seine neue Ehe eine wirkliche Chance. Symbolisch betrachtet sind Rebecca und das uralte Schloss Manderley die Repräsentanten der Vergangenheit überhaupt, die durch ihre langen Schatten die Gegenwart zu vergiften drohen. Sowohl der melancholische Maxim de Winter als auch seine junge Frau müssen Opfer bringen und sich darauf besinnen, was für sie wirklich wichtig ist, um mit ihr fertig zu werden.
Bei all diesem sehr ernsten Hintergrund vermag der Film trotzdem in der zweiten Hälfte auch eine unglaubliche Spannung zu entwickeln. Hitchcock gilt als Meister des Suspense: Spannung wird beim Zuschauer geweckt und ihre Auflösung gezielt hinausgeschoben. Gerade dieses Stilmittel geht im Film "Rebecca" gegen Ende hin immer besser auf und man fiebert durch mehrere überraschende Wendungen hindurch.
Zu der DVD-Ausgabe muss angemerkt werden: Zwar ist die Bildqualität sehr in Ordnung, aber der Film liegt nur auf Deutsch vor. Das dürfte für viele Cineasten, die Wert auf Filme in Originalsprache legen, ein schwerer Mangel sein.
Extras gibt es ebenso keine und man würde sich daher wirklich wünschen, dass ein so bedeutender Film in einer schöneren Ausgabe veröffentlicht würde.
Wen diese technischen Mängel allerdings nicht stören, sollte sich diese frühe Hitchcockfilmperle jedoch keinesfalls entgehen lassen.