Mit diesen Worten lädt uns die namenlose Heldin (Joan Fontaine) ein, ihr auf ihrer Reise in die Vergangenheit zu folgen, die uns zunächst vor die verwunschene, zugewucherte Ruine des cornischen Landsitzes Manderley bringt und von dort nach Monte Carlo, wo die pathologische Liebesgeschichte, die Hitchcocks düstere Umsetzung des Rebecca-Stoffes von Daphne Du Maurier aus dem Jahre 1940 erzählt, ihren Ausgang nimmt.
Unsere namenlose Heldin muß sich nach dem Tod ihres Vaters als Gesellschafterin der tyrannischen Mrs. Van Hopper (Florence Bates) verdingen, doch schon bald erregt sie die Aufmerksamkeit des melancholischen Witwers Maxim de Winter (Laurence Olivier), der vor einigen Monaten seine Frau Rebecca bei einem Segelunfall verloren hat und seitdem schwermütigen Erinnerungen nachhängt. Doch scheint er die Geister der Vergangenheit in der Gegenwart der jungen Frau vergessen zu können, so daß er sie - sehr zum Ärger Mrs. Van Hoppers - kurzerhand heiratet. Das Eheglück indes will sich nicht so recht einstellen, denn mit der Rückkehr des frischgebackenen Paares nach Manderley beginnt für die neue Mrs. de Winter ein Martyrium, hat sie doch stets den Eindruck, alle Bekannte und Verwandte ihres Mannes verglichen sie mit Rebecca, der ersten Mrs. de Winter, einer bemerkenswert schönen und weltgewandten Dame, und kämen zu dem Schluß, die Neue könne der Alten nicht das Wasser reichen. Besonders Mrs. Danvers (Judith Anderson), die Hausdame der de Winters, zeigt hinter einer Fassade von Respekt nur allzu deutlich die Geringschätzung und den Haß, den sie für ihre neue Herrin empfindet. Immer mehr versinkt Mrs. de Winter II in Verzweiflung und Unsicherheit, bis eines Nachts Rebeccas Unglücksschiff geborgen wird, und ein schrecklicher Verdacht entsteht.
Hitchcock selbst hat im Gespräch mit Truffaut sich beinahe von "Rebecca" distanziert, indem er sagte, dieser erste von ihm in den USA gedrehte Film sei eigentlich kein Hitchcock-Film, sondern vielmehr ein altmodisches, ins 19. Jahrhundert gehörende Märchen ohne jeglichen Humor. Die typische Ironie des Meisters wird man freilich wirklich nur am Anfang des Filmes finden, vornehmlich immer dann, wenn die biestige Mrs. Van Hopper auf frappante Weise zeigt, wie sehr sie in der Lage ist, Vorgänge durch ihre egozentrische Brille mißzuverstehen. So spricht sie beispielsweise von einem Mann - sie nennt ihn einen Freund -, der stets die Flucht ergriffen habe, sobald er sie habe kommen sehen, und schließt daraus, der Arme müsse unglücklich in sie verliebt gewesen sein. Das Motiv des Mißverständnisses infolge einer psychisch beeinträchtigten Wahrnehmungsweise indes ist zudem von allergrößter Wichtigkeit für den Film selbst, denn auch Mrs. de Winter II ist das Opfer ihrer andere idealisierenden, sich selbst aber geringschätzenden Wahrnehmung.
Joan Fontaine spielt die Rolle der Heldin, deren Namenlosigkeit bereits anzudeuten scheint, daß sie keine eigene Persönlichkeit hat und sich vielmehr über ihre Beziehung zu anderen definiert, bravourös als verhuscht und unsicher - so sehr, daß sich ein moderner Zuschauer über diesen Charakter, der ihm während des ganzen Filmes als Identifikationsfigur aufgedrängt wird, fast schon ärgern kann. Hitch bediente sich übrigens eines nicht ganz anständigen Tricks, um Fontaine zu ihrer Leistung zu animieren: Da Laurence Olivier lieber seine damalige Lebensgefährtin Vivien Leigh in Fontaines Rolle gesehen hätte, behandelte er die junge Schauspielerin ziemlich widerwärtig, und Hitch machte sich dies zunutze, indem er Fontaine einredete, die gesamte Crew hasse sie, und auf diese Weise den gewünschten Effekt bei seiner Hauptdarstellerin erzielte. In der deutschen Synchro wird der Eindruck von Labilität und Unsicherheit noch durch Agnes Finks Neigung zu nachlässiger, damit leicht naiv wirkender Artikulation verstärkt.
Die junge Heldin läßt sich nicht nur von Mrs. Van Hopper herumkommandieren, sondern auch von de Winter, der ihr fortwährend befiehlt, nicht an den Nägeln zu kauen, schnell aufzuessen oder - nach beschlossener Verlobung - sich nur gut zu merken, wie er seinen Kaffee und Tee am liebsten trinke. Auch der Heiratsantrag ist denkbar unromantisch, erfolgt er doch durch die Wand des Ankleidezimmers, in dem de Winter sich befindet - und nicht nur diese Wand wird von nun an zwischen den Eheleuten stehen. Die Bedeutung des düsteren Herrenhauses Manderley wird ebenfalls bereits angedeutet, wenn de Winter sagt, sie könne mit ihm nach Manderley kommen, und erst dann hinzusetzt, als seine Frau. Eine weitere finstere Andeutung wird gemacht, wenn man das Paar im Anschluß glücklich miteinander tanzen sieht - allerdings zuerst als Spiegelung auf der Wasseroberfläche eines Springbrunnens. Und Wasser fällt denn auch vom Himmel, als die neue Mrs. de Winter zum ersten Mal in Manderley eintrifft.
Vor diesem Hintergrund wirkt denn auch Maxims Ratschlag "Just be yourself and everbody will adore you" wie schicksalhafte Ironie angesichts einer Frau, die ihr eigenes Selbst noch nicht gefunden zu haben und eher in ihrer Rolle als Tochter ihres Vaters, Gesellschafterin für Mrs. Van Hopper und schließlich Gattin ihres Mannes* ein fremdbezogenes Selbst zu finden scheint. Sie selbst sein, kann sie eben nicht, und so erscheint ihr die kalte und abweisende Mrs. Danvers wie eine Dämonin, die ihr immer wieder vor Augen führt, wie klein sie im Vergleich zu Rebecca ist, obgleich sie doch am Anfang sich schicksalsergeben den Gepflogenheiten, die die Tote in Manderley etabliert hat, fügt. Fast wie im Märchen und bewacht von einem schwarzen Hund ragen die beiden riesigen Flügeltüren, hinter denen sich Rebeccas Zimmer befindet, vor der Namenlosen auf. Natürlich hat die Tote immer noch das Zimmer mit dem besten Blick, dem Blick aufs Meer, das immer wieder durch gekonnte Zwischenschnitte und dann in stets wütenderem Zustand in den Film geholt wird und an die Tote - und ihre mögliche Rückkehr, wie Mrs. Danvers andeutet - gemahnt.
Dieses wütende, schäumende Meer - es kann aber auch für Sexualität stehen, und so wird denn auch klar, warum das Zimmer der Namenlosen eben keinen Blick aufs Meer hat, warum de Winter es nicht ertragen kann, in die Nähe des Ufers zu gehen, und warum Rebecca mit Vorliebe ihre Zeit im Bootshaus verbracht hat. Hier liegt vielleicht auch eine Erklärung, warum dieser Film, wie wohl kaum ein anderer, von einer Person dominiert wird - und sogar nach ihr benannt wurde -, die kein einziges Mal zu sehen ist. Man achte einmal auf die Kamera, wenn de Winter in der letzten halben Stunde vor dem Ende des Filmes erzählt, was in jener letzten Nacht im Bootshaus vorgefallen ist, in der Rebecca ums Leben gekommen ist. Doch trotz ihrer Dominanz ist Rebecca - darin der Namenlosen nicht ganz unähnlich, freilich auf ganz andere Weise als diese - nur äußere Hülle. So scheint das prachtvoll ausgestattete Zimmer mit den Haarbürsten und dem Spiegel und den Schränken voller kostbarer Kleider - Reliquien, über die die krypto-lesbische Mrs. Danvers mit religiöser Ehrfurcht und Prahlsucht wacht - durch das Verschwinden seiner Besitzerin um nichts ärmer geworden zu sein, da es doch noch so beredtes Zeugnis von der Schönheit seiner Bewohnerin - als ihrer hervorstechenden Eigenschaft - ablegt.
Man merkt schon, hier geht es eigentlich um etwas ganz anderes als um ein Gothic Tale voll dunkler Romantik, und das Happy End, in dem de Winter seiner Frau in die Augen blickt, dabei (bedauernd? resigniert? oder doch zufrieden?) feststellend, nun sei sie doch erwachsen geworden, und ihr endlich einen richtigen Kuß gibt, wirkt fast ein wenig unglaubwürdig, erscheint es doch unwahrscheinlich, daß die pathologische Grundlage, auf der ihre Beziehung beruhte, samt de Winters Schuldgefühlen und Angst so einfach überwunden werden konnte. Hier wandeln wir - die Einleitung machte es schon deutlich - in den Gefilden eines Traumes, was durch die unwirklichen Bilder der Außenaufnahmen Manderleys, des dunklen, ruhelosen Meeres und die Symbolik großer, verschlossener Türen, vor denen die junge Namenlose steht, nur unterstrichen wird.** Hitchcock ist bei einem seiner Lieblingsthemen, doch drückt er sich noch nicht so deutlich aus wie etwa später in "Marnie" (1964).
Nur so erklärt sich, warum "Rebecca" trotz Hitchs Gefühl, eigentlich keinen richtigen Hitchcock-Film abgeliefert zu haben, sicherlich eines seiner größten Werke geworden ist.
* Nicht uninteressant ist auch der Grund, warum de Winter von der jungen Namenlosen so fasziniert zu sein scheint. Nicht alles kann hier beim Namen genannt werden, da ansonsten zu viel von der Auflösung verraten würde, aber an mehreren Stellen im Film wird deutlich, daß de Winter seine neue Frau eher als Kind betrachtet und daß ihr Verhältnis entschieden asexuell ist. Wer's nicht glaubt, mag sich mit dem Paar zusammen den Film von der Hochzeitsreise ansehen, auf dem Mr. und Mrs. de Winter zusammen auf ihrem Bett sitzen, und er ihr einen sehr zaghaften, kurzen Kuß - die damaligen Zensurbestimmungen erlaubten durchaus längere Küsse als diesen - gibt. Auch in diesem Punkt ist die deutsche Synchro recht gelungen, übersetzt sie Fontaines "Of course, we are companions" doch mit einem "Wir sind doch die besten Freunde", was wenig verheißungsvoll für eine funktionierende Ehe ist.
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