Ich beziehe mich hier auf das französische Original, aber ich bezweifle, dass ein noch so guter Übersetzer das Buch besser machen könnte.
Von Amélie Nothomb kannte ich bisher nur "Stupeur et Tremblements" (Mit Staunen und Zittern), was mir aber sehr gefallen hat. Als ich in Frankreich auf dieses Buch hier stieß, dass stolz den Sticker prix des lecteurs 2007 des Verlages livres de poches trug, dachte ich, das nehme ich mit.
Als ich gestern zu lesen begann, war ich schon erstaunt, wie knapp die Geschichte erzählt wird. In zwei kurzen Seiten wird erklärt, dass die neue Reality Show "Concentration" beginnt und dass unter anderem Pannonique, eine unschuldige Bürgerin auf einem Spaziergang, plötzlich verhaftet und in eben dieses Konzentrationslager verschleppt wird. Nun hatte ich mir zumindest einen kleinen Einblick in das "Leben", oder sollte man sagen, Überleben in einem solchen Camp erwartet. Natürlich kennt jeder die Bilder aus dem Geschichteunterricht, aus Filmen und anderen Büchern, aber wenn Frau Nothomb erwartet, dass ich als Leser entsetzt und empört darüber bin, dass Menschen in solchen Umständen gefilmt werden, dann muss sie auch zumindest ganz kurz diese Umstände beschreiben.
So wie sich das Buch liest, fühlt man sich eher, als würden die Gefangenen zwar geschlagen und mit Hunger und Durst gequält, aber dann sitzen die doch auch alle wieder mal nett beisammen und unterhalten sich über Gott und die Welt - und das alles fast sorglos. Tut mir Leid, aber sowas finde ich einfach schrecklich und einfach nicht überzeugend. Auch, wenn das ganze als Satire gedacht ist.
Darüber hinaus bleiben alle Charaktere schrecklich blass und dazu uninteressant. Von mir aus hätte Pannonique schon auf Seite 10 abkratzen können, nur dann hätte die Autorin gar nichts mehr zu berichten gehabt von ihrer überirdischen Schönheit. Zdena, eine der Aufseherinnen, und ihre Bezihung zu Pannonique hätte vielleicht noch Potential gehabt, welches aber von der Autorin nicht ausgenutzt wurde. Alle anderen Charaktere, ob sie nun Nummern oder Namen haben, waren mir derart egal, dass ich mich wiederum frage, wie eine Autorin es fertig bringt, über ein Konzentrationslager zu schreiben und einen derart nüchternen Emotionszustand bei mir zu hinterlassen. Hm...
Für mich ein völlig überflüssiges Buch, das am Thema - nämlich den erschreckenden Trend, den Reality Shows gehen - voll vorbeiprescht und sich in teiweilse grauenvoll kitschigen Stellen und teilweise lächerlichen Verlgeichen mit Gott verrennt. Nein danke.