Kurz zusammengefasst:
Es geht um die zukünftige Steuerung und Lenkung einer Unternehmung in Real Time. Nicht reagieren anhand der monatlichen Berichte und den Informationen aus der Vergangenheit, sondern proaktives gezieltes agieren dort wo Instabilitäten auftreten oder handlungsrelevante Informationen vorliegen. Im Führungsraum dem Brain Supporting Environment werden die Informationen Gehirngerecht nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbereitet, so dass besser und schneller Entscheidungen getroffen werden können. Der Autor vernetzt dabei sehr erfolgreich die Themen Kybernetik, Psychologie, Sozialpsychologie, Visualisierungstechnik, Informatik und Statistik interdisziplinär zu einem Ganzen. Die Erklärungen sind klar und trotz Komplexität einfach nachvollziehbar.
Das Buch ist eine Pflichtlektüre für:
Führungskräfte die bessere, schnellere und nachhaltigere Entscheidungen treffen wollen oder müssen. Firmen welche eine Marktführerposition anstreben oder jene die auch noch in 100 Jahren Marktführer sein wollen, trotz einer dynamischen und sich ständig ändernden, komplexen Umwelt. Unverzichtbar ist dieses Buch für Designer von Business Intelligence Lösungen, Kennzahlen, Balance Score Cards oder jene die professionelle Dashboards, Management-Cockpit, Board-Rooms oder War-Rooms bauen. Ich habe das Buch unterwegs im Flugzeug gelesen und kann es jedem sehr empfehlen.
Dieses Buch ist nicht für:
Sharehoder Value-Freunde, Quartal-Gewinnmaximierer und kreative CFOs, sondern für Unternehmer und Führungskräfte die langfristig am Erfolg ihrer Firmen interessiert sind.
Worum geht es in diesem Buch?
Die menschliche Wahrnehmung hat ihre Einschränkungen, Limitierungen, Grenzen und Tücken. Diese zu kennen ist für jede Art von Management essentiell wichtig. Dieses Buch setzt sich mit der Frage auseinander wie Informationen gehirngerecht aufbereitet werden müssen, damit es zu keiner Verzerrungen im Entscheidungsprozess kommt.
Das Buch liefert detaillierte Informationen zur Entscheidungsfindung und Planung in komplexen Systemen. Dieser Prozess darf in seiner Struktur kein Anfang und Ende kennen, da sich die Informationen dynamisch verändern und schnell veraltet sind. Sebastian Hetzler präsentiert hier ein Teil des Wissens seiner Doktorarbeit, welche eine wirksame Bewältigung der Komplexität als Ziel hat.
Ein Beispiel:
Würden Piloten auf die gleiche Art Entscheidungen treffen wie das Management von Unternehmen, so wäre jede Reise auf den Durchschnittswerten der letzten Monate kalkuliert. Frühwarnsysteme stünden den Piloten keine zur Verfügung und die Notfallsysteme wären kürzlich wegrationalisiert worden. Auf diese Art werden in den Unternehmen Entscheidungen getroffen. Keiner würde so aber noch fliegen wollen, denn ein Konkurs käme einem Absturz gleich, der in Krisenzeiten der akzeptierte Normalfall ist. Der Pilot muss aber auch bei einem starken Sturm die Maschine beherrschen und auch wenn ein Triebwerk ausgefallen ist sicher landen können.
Die Schwerpunkte des Buches zusammengefasst:
Viable System Model:
Als Basis verwendet Sebastian Hetzler das Viable System Model von Stafford Beer. Das Buch beinhaltet die beste Kurzeinführung in das VSM die mir bekannt ist. Stafford Beer hatte die Revolutionäre Idee, Organisationen als lebens-, anpassungs- und lernfähige, sich entwickelnde, selbst organisierende und selbst regulierende Systeme zu gestalten. Beer orientierte sich daran, wie die Natur ihre komplexen Systeme (Menschen, Tiere, Organismen, Zellen, usw.) steuert. Das VSM ist erstaunlicherweise wenig oder nur versteckt verbreitet, obwohl wichtige Teile des St. Galler Management Models darauf aufbauen.
Navigationsysteme im Management:
- Das Navigationssystem von Gälweiler mit den 4 Schlüsselgrössen (Liquidität, Erfolg, bestehende und zukünftige Erfolgspotentiale)
- Die 6 Schlüsselgrössen von Malik (Marktstellung, Innovationsleistung, Produktivitäten, Attraktivität für gute Leute, Profitabilität, Liquidität)
- Eine Einführung in das Sensitivitätsmodell von Vester aus der Biokybernetik
- Eine Übersicht über die wichtigsten strategischen Erfolgsfaktoren und ihre Auswirkung auf den ROI aus der PIMS-Forschung.
Informationsverarbeitung und Entscheidungsprozesse:
- Die aktuellen, bei der Informationsverarbeitung auftretenden, verschiedenen Verzerrungen entlang der Entscheidungsprozesse (Entscheidung des Individuums, Situation-Awareness-Ansatz, usw.)
- Wieso das Hirn sich selbstbestätigende starke Hypothesen entwickelt, woraus ein falsches Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Kontrolle entsteht.
- Stärken und Schwächen zwischen dem bewussten und unbewussten Denken sowie bei der Entwicklung von Plänen, Szenarien und mentalen Simulationen.
- Welchen Mix braucht es zwischen bewussten und intuitiven Komponente es für gute Entscheidungen?
Entscheidungsprozesse in Gruppen:
- Leistungsverhalten von Individuen und Teams in Bezug auf komplexe Entscheidungen
- Erhöhung der Qualität von Entscheidungen in Gruppen durch verschiedene Entscheidungsverfahren
- Acht Strategien zur Vermeidung fehlerhafter Entscheidungsprozesse infolge des Groupthinking Syndroms
- Planungs- und Entscheidungsprozesse (ohne Anfang und Ende)
- Power perceptual control Theorie
- Punkte wie Geschwindigkeit, das richtige Timing, Real-Time-Informationen, Lagebeurteilung, Entwicklung strategischer Schwerpunkte, Identifikation der relevanten Treiber, Bewertung von Szenarien und schlussendlich die Umsetzung mit Feedbackschlaufen.
Gesetzte der Wirksamen Visualisierung, Szenariosimulation und die Raumgestaltung:
- Wie Informationen, Kennzahlen und Grafiken gehirngerecht aufbereitet, inhaltlich gestaltet und visualisiert werden, damit schneller bessere Entscheidungen getroffen werden können.
- Verschiedene Heuristriken die für die Präsentation von Daten (Form, räumliche und zeitliche Anordnung, Dichte, Farben, erkennbare Muster).
- Entwicklung und Realisierung eines Brain Supporting Environments (Board-Room, War-Room oder auch Entscheidungszentrale genannt)
- Aufbereitung und Integration von Szenariosimulationen mit welchen die komplexen Zusammenhänge verstanden werden können werden. Diese daraus gewonnen Erkenntnisse werden direkt in die strategischen Entscheidungen miteinbezogen.
- Optimale Raumgestaltung des Führungsraumes (Sitzordnung, Ergonomie, Displaytechnologie und Interaktion)
- Zum Abschluss die Nutzung der steigenden Komplexität und Dynamik im 21. Jahrhundert als Kernkompetenz.