Auf seiner neuen CD "Real Illusions:Reflections" zeigt sich Steve Vai von seiner besten Seite ohne sich dabei zu sehr auf vorangegangene Alben zurückzuberufen. Er kreiert mit diesem Album etwas Neues, was zwar vertraut klingt, sich aber dennoch von seinen anderen Alben unterscheidet. Was man sich vorm Hören der CD noch klar machen sollte ist, dass Vai auf dieser Platte erstmals auch Gitarrensynthesizer einsetzt und somit die Keyboard-Melodie-Sounds auf der Gitarre eingespielt wurden.
Der Opener "Building The Church" ist eine Mid-Tempo Nummer, die aufgrund der heavy Rythmus Gitarren ziemlich Metal-lastig klingt. Interessant ist auch das Tapping im Intro, was man als solches wegen des Synthie-Sounds gar nicht wahrnimmt, woran sich dann der eigentliche Song anschließt, der das Album sehr gut eröffnet.
Weiter gehts mit "Dying For Your Love", einem relativ schrägen, ruhigeren Song, bei dem Vai auch die nicht ganz einfach zu singenden Vocals übernimmt.
Dann folgt "Glorious", ein Up-Tempo Song, der sich damit gut in die Reihe von Songs wie "Get The Hell Out Of Here" (G3 live) oder "Juice" (Alien Love Secrets) einpasst. Interessant ist auch hier wieder der verwendete Lead Sound, der diesmal keinem Synthie entsprungen ist, sondern mittels Effektgerät erzeugt wurde.
Daran schließt "K'm-Pee-Du-Wee" an, welches in Trio Besetzung (git,bass,drums) eingespielt wurde und somit an Songs von vorangegangenen Alben, wie "Die To Live" und ganz besonders an "Frank" erinnert. Für alle Gitarristen: der Song ist (nahezu) komplett im lydischen Mode gehalten (typisch für Vai) und sehr witzig ist auch die Idee des Licks, das nur aus Quinten besteht (im Solo), das anschließend immer weiter nach oben sequenziert wird.
"Firewall" heißt das nächste Stück und beginnt mit einer Art Vocal Percussion, die Steve 17-mal in unterschiedlichen Tonlagen eingesungen hat (absolut hörenswert!!!!). Sonst hat die Nummer neben Vais exzellentem Gitarrenspiel (was sich durch das gesamte Album hindurchzieht aber für die Meisten wohl klar sein wird) noch eine Horn Section zu bieten, die interessante Einwürfe und Fills spielt.
Bei dem darauf folgenden Song "Freak Show Excess" ist der Name Programm, d.h. das Stück ist "over the top". Es stellt nämlich Steves Interpretation bulgarischer Hochzeitsmusik dar, die wohl ziemlich abgedreht sein muss (krumme Taktarten, verrückte Skalen). Sicherlich ist dies eines der Highlights des Albums.
"Lotus Feet" ist eine Live Aufnahme von den Shows, die Vai mit einem holländischen Orchester spielte. Wie immer ist der 7. Song eine Ballade, so auch dieser, der als "I-Tüpfelchen" das Orchester zu bieten hat und auch sonst sehr melodös gespielt ist.
Danach folgt mi "Yai Yai" ein kurzes Stück mit nur einer Gitarre, die mit einem Effekt versehen wurde, so dass der Sound, wie der Titel schon sagt nach "Yai Yai" klingt.
"Midway Creatures" ist wie der Opener auch eine ziemlich heavy Mid Tempo Nummer, die vielleicht etwas zu kurz geraten ist, aber dennoch richtig gut ist und auch so klingt.
"I'm your Secrets" ist nur mit akustischen Gitarren gespielt und auch hier übernimmt Steve den Gesangs-Part.
Das Album schließt dann mit dem chaotischen "Under It All" ab, welches aber dennoch ein tolles Stück ist und wieder Vais Gesang zu bieten hat. Die Nummer klingt stellenweise etwas "strange" aber eher im positiven Sinne, so dass auch dieses Stück wieder hörenswert ist.
Insgesamt kann man wohl von einer grandiosen Platte sprechen (irgendwie gefällt sie mir mit jedem weiteren Hördurchgang besser:)). Auf der ganzen CD steht natürlcih Vais Gitarrenspiel im Vordergrund und man bekommt auch viele Gitarrensoli zu hören (in jedem Song mindestens eines), bei denen meist auf den Synthie verzichtet wurde und die Sounds dadurch natürlicher, direkter und absolut nach Steve klingen. Man darf schon gespannt sein auf die beiden Fortsetzungen, die dieses Konzeptalbum hinter sich ziehen wird.