Insgeheim habe ich mir schon seit Jahren gewünscht, dass der sympathische Jazz-Sänger irgendwann ein kommerzielleres Album macht, um seine Talente einer breiteren Masse zu offenbaren. Genau das ist durch REAL EMOTIONAL geschehen. - Sogar auf Radiosendern wird sein Album beworben, einzelne Stücke daraus gespielt. Dabei, das muss ich gleich vorweg erwähnen, ist das bei weitem nicht sein bestes Album. BABY PLAYS AROUND aber vor allem SECRET HEART haben es mir seit jeher angetan. Doch hier geht's ja um REAL EMOTIONAL, bei dem der Titel Programm zu sein scheint. Da steckt Gefühl drin, dass es einem zuweilen die Haare aufstellt - vor angenehmen Glücksgefühlen.
Dabei singt Stigers auf diesem Album gar nicht (nur) seine eigenen Songs, sondern interpretiert Dylans ". I'll Be Your Baby Tonight" oder Paul Simons "American Tune" auf seine Art und Weise. Das ist genau der Punkt, an dem so ein Experimente sehr oft scheitern und irgendwie finde ich die x-te Interpretation eines Dylan-Songs für gewöhnlich eher abschreckend. - Nur eben nicht, wenn dieser Curtis Stigers sich der Sache annimmt. Immerhin hat der Kerl eine Stimme, die man unter hunderten - und die gibt's in der Szene - heraushören kann.
Ein spezielles Erlebnis - mein EMOTIONALer overkill - ist die Interpretation der "San Diego Serenade" von Tom Waits. Während man bei Waits Interpretation an einen heruntergekommenen Penner denkt, der sich an diese Zeit erinnert, damals in San Diego, - verleiht Stigers lasziv-melancholische Stimme der Sache einen grandios verlorenen Eindruck, und löst unter Umständen Déjà Vu Erlebnisse aus. "San Diego Serenade" ist eine pompöse Interpretation, nicht zuletzt auch dank des Saxophon-Solos. Und da muss man nicht lang raten, wer das spielt! ;-)
Curtis Stigers ist einer, der viel zu erzählen hatte und hoffentlich auch irgendwann noch mehr erzählen wird und von sich hören lassen wird. Vielleicht kommen dabei auch wieder so smooth-jazzige Heuler raus, wie sein einziges "eigenes" Lied auf diesem Album: "I Only Want To Be With You", das sahnig-sehnsüchtig daher kommt und übrigens ganz locker mit den erwähnten Neu-Interpretationen mithalten kann.
Liebe Leute, die ihr den gutsten Roger Cicero dieser Tage so sehr verehrt, wenn ihr soften Jazz hören wollt, und es euch nix ausmacht, dass Curtis nicht in deutsch singt - dann solltet ihr hier ruhig mal reinhören. Per Definition handelt es sich hier zwar nicht um "swing", aber es kommt dem Genre sehr nahe. Und noch eins! Stigers ist um Klassen besser als ein Bubbel-babbel - ähh, Bublé. Den ich damit selbstverständlich nicht in Verruf bringen möchte. - Ich freu mich nur so, dieses Stigers Album, das man schon lange vor Verkaufsstart in Europa bereits in USA erwerben konnte, nun auch Erfolge auf unserem Markt erzielt. Verdient hat der hübsche Kerl (manch einer erinnert sich sicher noch an die lange Matte, die sein erfolgreichstes Album-Cover ziert, nicht wahr?) - also verdient hat der smarte Amerikaner es auf jeden Fall. Na, zumindest bin ich dieser überheblichen Meinung.
Übrigens ist REAL EMOTIONAL optimal für romantische Abende zu zweit bei Kerzenlicht geeignet. Jazz for Lovers, Bar Jazz oder wie man dieses Genre nennen mag. In diese Schublade müsste man Stigers stecken, wenn man unbedingt möchte. ;-)