Ich bin der Meinung, das man ein Produkt in der Tat auch nach seiner "Nützlichkeit" bewerten sollte. Das klingt nun etwas irritierend, aber ein eReader ist nun einmal nur dann nützlich (egal wie hervorragend das Gerät selbst ist) wenn man auch eBücher zum anzeigen hat. Hier ist der deutschsprachige Roman-Markt praktisch nicht vorhanden. Es gibt die Spiegel-Bestsellerliste und darüber hinaus bei Romanen ein Angebot, das zur Zeit noch so umfangreich und attraktiv wie der Spontankauftisch einer Bahnhofsbuchhandlung. Und ob sich das ändern wird, darf jeder selber einschätzen. Deswegen trenne ich hier einmal diesen Nützlichkeitsanspruch von meiner Produktkritik ab. Wer sich für einen eReader interessiert und es bis zu diesem Produkt geschafft hat, weiß wahrscheinlich eh, was hier auf einem zukommt.
Fangen wir einmal bei dem an, was der 350er kann: klingt schlicht, aber: er kann Texte darstellen. Und zwar in einer ziemlich guten Qualität. Die Schrift ist klar abgegrenzt, "Pixel" oder "Kantenvertuschungsmethoden" wie man es von Computer sonst kennt, gibt es bei dieser eInk-Technik nicht. Vom einfachen "draufschauen" ist die Schrift "wie gedruckt". Es ist nicht "schwarz auf weiß" sondern eher sehr sehr dunkles Grau auf hellem Beige. Man vergleicht diese "Abweichung" vom Ideal gerne mit dem Zeitungsdruck, und das zurecht. Nur das man bei einer Zeitung noch die Papierfasern sieht und das Papier da eher grau ist als hell-beige.
Doch, das Display spiegelt leicht, aber sehr sehr (sehr) matt nur! Man müsste dann aber das Display bewusst ungünstig zur Lichtquelle halten um zu sagen: och, das sieht man aber doch etwas störend.
Beim blättern, das sich durchaus in der Geschwindigkeit eines Papierbuchumblättern befindet (wenn nicht gar schneller) wird die Seite kurz invertiert. Dies störte mich weit weniger (eher gar nicht) als ich selber befürchtet hatte. Man nimmt das gar nicht mehr wahr.
Was das Display aber braucht ist: Licht. Eben so, wie ein Papierbuch auch, ein Tacken vielleicht mehr, aber das ist auch vielleicht nur Einbildung.
Der 350er ist der kleine Bruder des 650er. Man erkauft sich das praktische Format mit einem kleinen Display. Man kann sagen: etwa eine halbe Taschenbuchseite geht in einer für mich noch lesbaren Schriftgröße auf den Schirm. Der Reader selbst ist etwas größer als eine halbe DVD-Hülle. (Jaja, ich hätte auch cm messen können, aber ich mags gerne in anfassbaren vorstellbaren Bildern.)
Die Schriftgröße ist in sechs Stufen skalierbar, sinnvoll sind aber eher nur zwei, die freilich jederzeit geändert werden können. Das geht schnell und intuitiv. Auch kann man verschiedene Kontrastberechnungen einstellen, ich gebe aber zu, das ich hier noch keinen Drang hatte, diese Funktion genauer zu erkunden. Die Normaleinstellung langte mir.
Das Display ist ein Touchscreen, ein Eingabestift ist dabei. Den will ich persönlich aber wenig nutzen, die Handschriftfunktion halte ich bei dem kleinen Display eher für eine Spielerei, die mir eher dann mit der Zeit das Display zerkratzen würde. So nutze ich meine Finger nur ab und an zum umblättern, je nachdem, wie ich das Gerät halte. DAS wiederum kann man sehr gut, denn es ist ziemlich leicht. Ermüdungsarmes Halten ist absolut möglich.
Nichtangepasste PDFs habe ich noch nicht versucht mir an zu sehen, ich denke aber auch: hierfür ist das Gerät einfach zu klein. Es mag gehen, aber sicher nicht ideal, was man aber eben nicht dem Gerät anlasten kann, denn diese Größenklasse ist für andere Zielgruppen gedacht.
Nun zum Negativen: die Anleitung, die beiliegt, ist sehr knapp. Dafür findet man nach dem ersten vollständigem Laden eine Anleitung auf dem Gerät. Ist gewissermaßen konsequent. Dafür durchsuchte ich erst einmal wie doof die Packung nach der zu installierenden Software. Diese befindet sich aber auch auf dem Reader und klinkt sich in Windows als eigenes Laufwerk (zusätzlich zum Readerlaufwerk!) ein. Das finden, öffnen und installieren ist also schon etwas für Leute, die etwas (allerdings wirklich nur etwas) PC-Erfahrung haben.
Und schon muß ich meine Rezension nacheditieren. Zuerst, auch wenn ein so toller Reader zum Gegenteil verführt: Anleitungen (zwei auf dem reader drauf) lesen hilft, vor allem die kleinere zum aufspielen von Büchern. Denn im Gegensatz zur Behauptung mancher eBooks-Shops braucht man zum Kauf von kopiergeschützten Büchern (oder zur Ausleihe bei manchen Stadtbücherreien... ja, das gibt es) nicht(!) die Softwaresuite von Adobe, sondern nur von dort eine ID, die man sich auf deren Seite leicht besorgen kann. Dann muß man seinen Reader mit der bei Adobe verwendeten User-ID "registrieren". Steht aber in der Tat alles in der "kleineren" der beiden Anleitungen.
Auch keine meterhohe Hürde, aber "elegant und einfach loslegen" geht anders. Dies ist aber eben eher Schuld des Kopierschutzes bei manchen Büchern.
Gleichwohl 5 Sterne, denn ich denke einmal, das etwas Leidensfähigkeit noch dazu eingeplant werden muß, will man einen guten Reader für (die wenigen) deutschsprachigen eBooks haben.