Tom Peters hat Mitleid mit dem armen Braun. Wie Winston Churchill. Er steht auf knallbunte Farben. Auf knallbunte Worte, knallbunte Ideen und knallbunte Taten. Vielleicht ahnen Sie es bereits. Dies ist kein gewöhnliches Wirtschaftsbuch. Es ist weder ausgewogen noch neutral. Es ist parteiisch, kompromisslos und an den meisten Stellen laut.
Es ist ein Bilderbuch, ein Pamphlet und eine Fundgrube von Ideen, Anstößen, Zitaten, Fakten. Mit der Dringlichkeit eines sechzigjährigen Managementgurus geschrieben, der offensichtlich meint, das Wichtigste in aller Deutlichkeit sagen zu müssen, um den Richtungswechsel im Denken noch miterleben zu können.
Am offensichtlichsten wird der knallbunte Ansatz im Layout: da gibt es Hervorhebungen mit Farben und Schriftgrößen, kleine und große Bilder, äußerst lebendige Marginalspalten, Anekdoten neben Zahlenreihen, großformatige Bilder oder Pfeile die quer über den Seiteninhalt verschossen werden. Fast ein bisschen so, als wäre das frühe Focus Layout zwischen Businessbuchdeckeln wiedergeboren.
Tom Peters fordert in seinem Buch nichts weniger als das völlige Neu-Erfinden von Unternehmen, Leistungen, Produkten, der Politik oder des Selbstmanagements. Die Zeiten sind chaotisch, eine Haltung die vielen seit dem 11. September bereits im Bewusstsein dämmert. Die Globalisierung als zweischneidiges Schwert, der internationale Terrorismus, der Jobvernichtung in den westlichen Gesellschaften, das Voranschreiten von IT und New Economy in noch ungeahnte Dimensionen Tom Peters meint, mittlerweile müsste jeder Blinde sehen, wohin de Reise geht. Ohne Veränderung wird es ungemütlich, wenn nicht gar tödlich.
Das Buch selbst wirkt wie ein Artilleriefeuer aufs Hirn. Es ist ein sprunghaft, anekdotisch und chaotisch und hält dennoch in seinen 12 Kapitel glasklare Botschaften bereit: Zum Beispiel: Die notwendige Transformation von Firmen in der New Economy, die Wandlung vom Lösungsanbieter zum Erlebnisanbieter, Design als die Seele des Geschäfts, die Erfindung schöner Systeme, das ultimative Wertversprechen für Marken, die überleben wollen bis hin zu den billionenschweren Trends. Billionenschwere Trends? Der Vormarsch der Frauen in die Chefetagen, die Kaufkraft der geburtenstarken Jahrgänge.
Ein Businessbuch, das neben neuen Marken und neuen Werten auch neue Persönlichkeiten von Führungskräften und Mitarbeitern fordert. Ohne die Transformation zur Marke Ich fliegen die Menschen etagenweise aus den aufzulösenden Krawattensilos.
Die neue Businessordnung? Müssen wir wohl schleunigst selber machen. Denn das Buch gibt zwar zahlreiche Hinweise, wie wir auf die anstehenden Veränderungen reagieren können, letztendlich sind wir im Wandel selbst gefordert. Das hat bereits zahlreiche Leser der amerikanischen Ausgabe verstört reagieren lassen. Da gibt es den ernst gemeinten Rat, das Buch keinesfalls von Anfang bis Ende durchzulesen. Oder den Hilfeschrei: Kann mir mal einer erklären, worum es in diesem Buch geht? Um Veränderung. Nicht um Orientierung.
Fazit: Gegenüber dem neuen Werk von Tom Peters sehen herkömmliche Businessbücher wie Tranquilizer aus. Ein prallvolles und begeisterndes Buch, das Kreativität fordert und stimuliert. Kaufen!