Die Zeiten waren nicht einfach für Yat-Kha. Zuerst wurden sie aus Ungarn ausgewiesen, nachdem ihnen die Pässe gestohlen worden waren. Dann sprang drei Tage vor der geplanten USA-Tournee der zweite Sänger ab, da er die 3-tägigen Fahrten von Tuva nach Moskau leid war, die sie in Kauf nehmen mussten, um den Flughafen zu erreichen. Und zu guter letzt wurde Bandkopf Albert Kuvezin noch in einen Unfall verwickelt, der ihn für einige Zeit ans Krankenbett fesselte. Um so schöner zu sehen das er sich anscheinend wieder erholt hat. Mit neuem Elan und voller Tatendrang entschloss er sich statt den Neukompositionen, Neuinterpretationen seiner Lieblingssongs zu veröffentlichen. Auf der Scheibe findet sich demnach kein einziges 1:1 Cover, sondern nur Tracks, die im Endresultat kaum mehr etwas mit den Originalen zu tun haben. Bewaffnet mit Zitter, Maultrommel, der namensgebenden Pferdekopfgeige „Yat-Kha" und allerlei anderen seltsam anmutenden Instrumenten holt die Truppe um den Mongolen-Hendrix nun also zum Cover-Rundumschlag aus!
Los geht es mit Led Zeppelins "When the Levee breaks", dass sich in eine bedeutend erdigere Bluesvariante verwandelt hat. Kraftwerks "Man Machine" ist ein intensiver und betörender Traum. Motörheads "Orgasmatron" entführt uns mit den großen Khans zu Pferde durch die weite mongolische Steppe. Santanas "Black Magic Woman" lässt uns ebenso wie die knorrige Version von Bob Marleys "Exodus" auf eine Schamanenreise gehen. Bei Vladimir Vysotskiy "Pesnya O Giraffe" werden meisterlich russische und tuvinische Melodien verknüpft.
Doch ist nicht alles Gold was glänzt. Francis McPeake's "Wild Mountain Thyme" wurde nur semioptimal umgesetzt, aber dennoch ist es schon fast hypnotisch Albert Kuvezins unglaublich tiefen Kanzat zu lauschen. Mit dieser traditionell tuvinischen Sangeskunst können die Sänger/innen 2 bis 3 Töne gleichzeitig intonieren und ihre Stimme in ungeahnte Tiefen fallen lassen.
Insgesamt ein durch und durch tolles Album, auch wenn ich die Leichtigkeit der Yat-Kha Eigenkreationen vermisse, die ihr unerreichtes Vorgängerwerk Tuva.Rock erst zu dem großartigen Album machten das es ist. Dennoch ist Re-Covers beileibe nicht schlecht. Hier geht man auf eine wundersame Reise, wenn man sich denn für solche Weltmusik öffnen kann.