Nach langem Hin & Her um dies Album gibt es nun endlich die empfehlenswerteste Veröffentlichung auf dem deutschen Syborg-Label. Die Unterschiede vorab (wer die CD bzw. meine frühere Rezension derselben schon kennt, darf nach diesem Abschnitt aufhören zu lesen):
1.) Drei Remixe von Songs des Albums gibt's dazu. Die Versionen unterscheiden sich nur marginal von den Originalen und stören sogar meiner Meinung nach ein wenig das Gesamtbild des Albums. Aber nun ja, jeder weitere Paul Roland Song ist ein Gewinn.
2.) Die Reihenfolge der Stücke ist geändert worden. Und zwar zum besseren hin. Als Beginn gibt's jetzt den Titelsong, der sehr viel stärker kommt als vorher "Charles Dexter Ward". Und auch das beschwingte "Arkham" passt am Ende besser als zuvor zwischen zu schweren Tracks.
3.) ...und am besten: Es gibt eine Bonus-CD mit alten Songs, eine Art Vorschau auf die geplante Neuveröffentlichung aller früheren Alben Rolands auf Syborg. Das macht Appetit!
Und jetzt noch mal für alle die die CD noch nicht kennen:
Re-Animator glänzt durch erstklassige Kompositionen wie man sie von diesem bedeutendstem aller unbekannten Songwriter der Gegenwart erwartet. Und es zeigt sich was der Vorgänger Pavane schon andeutete: Roland ist nach fast 30 Jahren im Geschäft noch immer lernfähig, seine Musik wird immer souveräner und der Einsatz der unterschiedlichsten und anderswo unvereinbaren Stile von Rock'N'Roll über Folk bis Metal und Jazz, die Vermischung von Streichern mit E-Gitarren, Flöten und Saxofonen so professionell, dass einem mitunter erst beim zweiten oder dritten Hinhören klar wird, wie losgelöst von allen Konventionen der Popmusik hier komponiert wird. Das bedeutet aber keineswegs, dass die Musik glattgeschliffen im Sinne von ohne Ecken und Kanten ist. Das Endergebnis bleibt dem Roland'schen Stil treu wie eh und je und ist gleichzeitig so neu als hätte er denselben eben erst erfunden. Jeder Fan darf bedenkenlos zugreifen und jeder der zufällig auf diese Kritik gestoßen ist, sollte es ebenfalls tun und eine dramatische Bildungslücke in der eigenen Plattensammlung schließen.
Abschließend noch eine Bemerkung zu den Texten. Wie bereits angekündigt handelt es sich hier um ein Konzeptalbum, das auf den literarischen Werken H.P. Lovecrafts beruht (wenigstens der größte Teil davon). Nun braucht aber niemand zu befürchten, dass die Musik genauso psychotisch-finster ist wie Lovecrafts Visionen. Vielmehr verleibt sich Paul Roland die Vorlage ein und integriert sie in seine eigene Erlebenswelt wie alles was ihm zwischen die Finger gerät (ich erinnere nur an das "Gargoyles" Album, das eine musikalische Hommage an Aleister Crowley bedenkenlos neben einen Song über Martin Luther stellt). Anspieltipps? Schwer zu sagen, da eigentlich alles sehr gut ist, aber vielleicht mal in den Titelsong, Arkham und Assassins rein hören, wenn es dann noch nicht gefunkt hat, kann ich auch nicht helfen.