Nachdem ich die Raynox DCR-250 bereits an einer digitalen Kompaktkamera testen konnte (Sony DCS-H5) und damit sehr einfach beeindruckende Ergebnisse erzielbar waren, habe ich den Vorsatz auch als günstigs Alternative für die Makrofotografie an einer DSLR (Canon EOS 400D) getestet. Obwohl das Raynox 250 wohl eher für Kompaktkameras gemacht ist, lassen sich auch hier beeindruckende Ergebnisse erzielen, wenn man einige Dinge vorher beachtet:
Dabei das Wichtigste: es ist Vorsicht geboten mit dem Durchmesser der Raynox Linsen. Diese haben nur einen Durchmesser von 43 mm, dazugeliefert wird ein Adapter der auf Gewinde von 52-67 mm passt. Lichtstarke Objektive haben oft einen größeren Durchmesser. Mein Sigma 17-70 hat beispielsweise 72 mm Durchmesser, das Raynox passt hier nur mit einem weiteren Adapterring und produziert starke Vignettierung. Selbst bei einer vollen Filtergröße von 67 mm sollte die Brennweite des Objektivs mindestens 90 mm betragen um starke Vignettierung zu vermeiden. Bei einer geringeren Größe von 58 bzw. 52 mm reichen dann auch 50-70 mm Brennweite bereits aus.
Am größten ist die Wirkung natürlich auf einem Objektiv mit hoher Brennweite, der Schärfebereich des Raynox 250 ist hier allerdings extrem klein. Auf einem Makroobjektiv mit eigener 1:1 Abbildung beträgt der Schärfebereich mit zusätzlichem Raynox 250 weniger als einen Millimeter (für den Einsatz auf einem reinen Prime Makroobjektiv [feste Brennweite, 1:1 Abbildung oder besser] empfiehlt sich daher eher das Raynox 150 mit weniger starker Eigenvergrößerung). Zudem lässt die von einer DSLR gewohnte Lichtempfindlichkeit deutlich nach - Stativ und Blitz oder gute Beleuchtung sind für gute Makroaufnahmen hier Pflicht.
Gut für das Raynox 250 eignen sich Objektive mit mindestens 50-70 mm Brennweite und einem Filterdurchmesser von 52 - 58 mm, bei größerem Durchmesser sollte die Brennweite schon 90-100 mm betragen. Interessant ist das Raynox insbesondere auch für Teleobjektive mit Makrofunktion, es geht aber natürlich auch ohne. Bei geringer Brennweite sind Aufnahmen bei natürlichem Licht aus der freien Hand noch möglich, bei Telebrennweiten ist ein externer Blitz oder starke Beleuchtung Pflicht, ein Stativ empfehlenswert. Auf beispielsweise einem Tamron 70-300 mm mit Makrofunktion erreicht man mit dem Raynox 250 bei 300 mm mit Makrofocus eine Vergrößerung von gut 2-3x. Der Schärfebereich liegt dabei jedoch unter einem Millimeter und macht die Bilder damit schon wieder fast unbrauchbar (natürlich muss man nicht bei vollen 300 mm fotografieren!). Gute Vorbereitung, Geduld und Ausrüstung (Beleuchtung, Stativ) sind hier nötig um noch brauchbare Resultate zu erzielen.
Die Bildqualität an sich ist für eine Vorsatzlinse (eigentlich hier ein Linsensystem) außergewöhnlich gut. Der Schärfebereich ist eine Fläche und kein Punkt (wie bei einfachen Vergrößerungslinsen) und damit ist der volle Bildausschnitt brauchbar. Kontrast und Farben sind gut. Der Vorsatz lässt sich dank der praktischen Klemmfunktion schnell anbringen und wieder entfernen und macht spontanes Fotografieren problemlos möglich. Vorsicht ist hier wieder bei Objektiven mit schmalem Filtergewinde geboten - die Klemmen des Raynox sind relativ groß und es ist möglich, dass beim Aufsetzen ein kleiner Spalt zwischen Raynox und dem Objektiv bleibt, der abgedichtet werden sollte, um Streulicht zu vermeiden. Die Verarbeitung ist ansonsten beispielhaft, dazugeliefert werden 2 Abdeckungen und eine Transportbox inklusive Polsterung.
Zusammenfassend: Auf einem Standard Zoomobjektiv mit Brennweite von 50 mm (bei Filterdurchmesser 52-58 mm) oder 90 mm (67 mm oder mehr Filterdurchmesser ) bis etwa 200 mm bringt das Raynox 250 den größten Effekt. Es ersetzt kein hochwertiges Makroobjektiv, aber es ermöglicht die schnelle Umwandlung eines Zoomobjektiv in ein brauchbares Makroobjektiv das bei relativ geringer Brennweite in der freien Natur bei Sonnenschein auch aus der freien Hand beeindruckende Bilder liefern kann. Dies ermöglicht spontanes und flexibles Fotografieren. Bei größeren Brennweiten können auch Teleobjektive mit entsprechender Beleuchtung und Vorbereitung noch brauchbare und eindrucksvolle Makroaufnahmen liefern. Auch als Ergänzung zu reinen Makroobjektiven ist das Raynox nutzbar. Wunder sollte man allerdings nicht erwarten. Bei hoher Vergrößerung und großer Brennweite ist der Schärfebereich minimal und die Lichtempfindlichkeit gering. Angesichts des vergleichweise geringen Preises ist das Raynox jedoch eine echte Makroalternative für ein Standardobjektiv und den schmalen Geldbeutel. Die Bildqualität ist für den Preis hervorragend und schließlich und endlich bringt der Gewinn an Flexibilität und Spontanität durch die jederzeit einfache Montage an ein Alltagsobjektiv einfach auch Spaß beim Fotografieren.