Ray Harryhausen und seine Filme sind ein Teil meines Lebens, seit ich mit 10 Jahren 1967 "Sinbads Siebte Reise" gesehen habe und der Zyklop am Strand herumstapfte.
Hier konnte ich erstmals Figuren und Gestalten, die man vorher höchstens als Illustrationen in einem Märchenbuch gesehen hatte, lebendig werden und sich bewegen sehen. Mit welchem Können, welcher Liebe zum Detail und welcher Geduld wurden hier Drachen, fechtende Skelette und andere Fabelwesen Bild für Bild für Bild zum Leben erweckt.
Gerade die Unwirklichkeit der Stopmotion Technik macht für mich den Reiz dieser Szenen aus. Die Bewunderung für einen Mann, der Techniker, Künstler und auch ein großartiger Puppenspieler ist, hat mich nie mehr losgelassen. Was heute Trickabteilungen mit Hunderten von Mitarbeitern benötigt, konnte dieses Universalgenie ganz allein in einem kleinen dunklen Studio erschaffen. Design, Bau, Animation und Compositing der Figuren in ein reales Umfeld, dazu der Entwurf der Storyboards und nicht selten auch noch die gesamte Geschichte des Films stammten von ihm allein.
Ohne die Pionier-Leistung von Ray Harryhausen wäre die gesamte moderne Computergrafik nicht möglich geworden, denn die meisten der Filmemacher, die diese Verfahren erstmals einsetzten, waren von Ray zu ihren Karrieren inspiriert worden: Jim Cameron, George Lucas, Stephen Spielberg, Tim Burton und viele andere bis hin zu Nick Park, dem Schöpfer von Wallace und Gromit, sind durch Harryhausen inspiriert worden.
Das Buch zeigt mit derselben Akribie und Detailgenauigkeit die Entstehung der Filme, die mit dem Lebensweg von Ray Harryhausen verknüpft sind. Was er während seiner Karriere ängstlich vor allen geheimhielt, die kleinen und großen "Tricks im Trick", all das wird hier erklärt und meist auch mit Fotos und Zeichnungen erläutert. Man staunt, wie genial einfach viele seiner Techniken waren, aber man erkennt, welche ungeheure auch physisch sehr anstrengende Arbeit in diesen Trickszenen steckt. Wer einmal einen Tag lang eine Figur animiert hat wird wissen wie man sich konzentrieren muß und wie völlig erschöpft man nach dieser Arbeit ist. Denn diese Figuren tun ja anders als etwa Marionetten, nichts aus sich heraus. Alle Bewegungen müssen mühsam mit den Händen ausgeführt werden, und das Ergebnis sah man , zumindest noch zu Rays Zeiten, erst am nächsten oder übernächsten Tag, wenn der Film aus der Entwicklung kam. Ohne moderne Hilfsmittel wie Video-Framegrabber Szenen wie die gleichzeitig fechtenden 7 Skelette in JASON UND DIE ARGONAUTEN anzugehen, verlangt schon nach einer fast ZEN artigen Konzentrationsfähigkeit.
Ich hatte das Glück, Ray Harryhausen mehrmals persönlich zu treffen und kann nur sagen, dass er nicht nur ein Künstler, sondern auch ein bescheidener und sehr humorvoller Mann ist, mit dem man nicht nur ernsthaft reden, sondern auch mal ausgelassen herumblödeln kann.
Wer seine Filme liebt, der sollte auch dieses Buch haben!