Rezension von: Ray Charles -- What I'd Say [live]
Bevor's zur Sache geht, schnell ein Hinweis zur Identifizierung dieser CD. Schließlich gibt es über ein Dutzend Ray-Charles-Alben dieses Titels. Diese Rezension bezieht sich auf Live-Aufnahmen, 2004 veröffentlicht vom Label "Intense (SPV)", mit insgesamt 17 Tracks; die Trackliste folgt am Ende dieser Rezension.
Und nun zur CD: Beim "Intense"-Label muss man etwas gegen Ray Charles haben; anders kann ich mir die miserable Tonqualität dieser CD nicht erklären. Es gibt viele Aufnahmen aus den 1920er und 1930er Jahren, die weitaus klarer klingen. Fast genauso ärgerlich ist, dass man nirgends auf der Hülle oder im spartanischen Booklet auch nur einen Hinweis darauf findet, wann und wo diese CD aufgenommen wurde. Wer die Produktion verbrochen hat, wird vorsichtshalber verschwiegen.
Das ist schade, bzw. mehr als das: Es ist zum Haareraufen! Auf diesen 17 Tracks erlebt man nämlich, nimmt man die teilweise arg verrauschten Aufnahmen hin, einen Ray Charles in Bestform! Kein Song klingt wie der andere; der Meister aller Klassen überzeugt mit jedem Track aufs Neue. Egal ob er mit sanftem Reibeisen-Soul Bluesklassiker wie "Baby Won't You Please Come Home", "Sentimental Blues" oder "Blues Is My Middle Name" spielt, dass einem die Schauer nur so den Rücken rauf- und runterlaufen, ob er mit "I'm Moving On" Hank Snows Country-Klassiker so viel Soul verleiht, wie man es nicht einmal von Ray Charles höchstpersönlich erwartet hätte, ob er in "I Got a Woman" einen nachgerade ekstatischen Soul mit viel Rock'n'Roll bringt und sich nach hinreißendem Intro in sechs Minuten von Ton zu Ton steigert, ob er mit dem Muddy Waters' Blues-Heuler "Sitting on the Top of the World" einen Schlusspunkt setzt, wie ihn eben nur ein Ray Charles setzen kann -- hinter der lieblosen Produktion verbirgt sich ein Juwel!
Schon der Anfang ist brillant und zeigt, wo's langgeht: "What I'd Say" ist ein fulminanter Blues-/Soul-Auftakt, der vermutlich jeden Konzertbesucher restlos mitgerissen hat, und seinen direkt anschließenden Klassiker "Georgia on My Mind" singt der Meister mit einem Einfühlungsvermögen, das allein schon als Beweis für seine Klasse ausreichte -- wenn dieser Beweis noch nötig wäre.
Fazit:
5 (50...) Sterne für Ray Charles.
5 Ohrfeigen für den Produzenten.
3 Sterne für diese CD, auch wenn ihr das absolut nicht gerecht wird.
Also lieber nicht die Haare raufen, sondern lieber zu einem anderen Live-Album greifen.
------------------------------------------------------
TRACKLISTE
What I'd Say
Georgia on My Mind
I Got a Woman
Can't You See Darlin'
I'm Moving On
Sentimental Blues
Blues Is My Middle Name
Don't Put All Your Dreams in One Basket
You Be My Baby
Talkin' about You
She's on the Ball
Kiss Me Baby
I'm Going Down the River
Heart Breaker
Baby Won't You Please Come Home
This Love of Mine
Sitting on the Top of the World