"Schlag den Raab" als Brettspiel - das ist für die Macher eine echte Gratwanderung. Denn natürlich kann man keine spektakulären "Außenspiele" oder "Auto-Wettbewerbe" in eine kleine Box packen. Um so ärgerlicher ist es, dass die Spiele, die man eigentlich sehr gut ins Wohnzimmer hätte bringen können, manchmal etwas lieblos umgesetzt sind. Aber der Reihe nach.
Nach dem Auspacken beginnt die große Bastelstunde. Gefühlt 1000 Kleinteile müssen sortiert, zugeordnet und verstaut werden. Dann der Spielbeginn: Gesucht wird ein "Raab", der gegen die Gruppe der Herausforderer antritt. Auch ein Moderator muss gestellt werden. Hier brachen wir zum ersten Mal mit den vorgeschriebenen Spielregeln, denn dass bei 4 Mitspielern einer (Raab) jedes Spiel, einer (Moderator) gar kein Spiel und zwei (die Herausforderer) als Team alle Spiele bestreiten, wäre doch arg fade geworden. Wir entschieden uns für zwei Teams (2 gegen 2), wobei die beiden im jeweiligen Spiel nicht tätigen Teammitglieder die Rolle des Moderators und Schiedsrichters übernahmen. Das funktionierte dann auch einwandfrei.
Beim ersten Spiel wurde dann direkt offenbar, dass die Spieledesigner nicht sonderlich gut nachgedacht haben. "Bastelt einen Papierflieger. Der Flieger, der weiter fliegt, hat gewonnen." Gesagt, getan - doch wo soll man einen einigermaßen gelungenen Papierflieger in einer Wohnung um die Wette fliegen lassen? Selbst der längste Flur in unserer 100 m²-Wohnung war nicht ansatzweise dafür geeignet, weil viel zu kurz. Also schrieben wir die Regeln kurzerhand um und übten uns im Zielwerfen, um einen Gewinner zu ermitteln. Genau dieses kurzfristige Umschreiben von Regeln, um ein Spiel spielbar zu machen, zog sich fortan durch den gesamten Abend. Mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich.
Bei den "Tisch-Spielen" (z.B. "Wer bin ich?" oder "Rückwärts buchstabieren") gelingt die Umsetzung der Show in ein Gesellschaftsspiel natürlich besser, jedoch ist es ärgerlich, dass zu wenige Fragen für diese Spiele bereitgestellt werden. Schon beim zweiten Spieldurchlauf, spätestens aber beim dritten, kommt es zu "Dopplern", weil es zu wenige vorgegebene Fragen gibt. Dann hilft nur noch Improvisation.
Auch ärgerlich: Nahezu sämtliche Spiele, die etwas mit Fußball zu tun haben, werden mit "Chips schnippen" umgesetzt. Torwandschießen mit Chips-schnippen, Hochschuss mit Chips-schnippen ... das ist mir etwas zu lieblos gelöst. Außerdem sollte man idealerweise eine Hochgeschwindigkeitskamera besitzen, um festzustellen, ob der geschnippte Chip beim Torwandschießen tatsächlich durch das Loch oder an der Torwand vorbei geflogen ist. Kurzum: Diese Schnipp-Spiele sind unspielbar und sorgen nur für genervte Langeweile.
Trotz all' dieser kleinen und großen Mankos vergeht eine komplette Spielrunde (realistische Dauer: ca. 2 1/2 Stunden) dann doch recht zügig und manchmal können sogar die "Aktionsspiele" überzeugen, z.B. wenn es darum geht, mit einem zwischen den Knien eingeklemmten Gummi-Ei um den Wohnzimmertisch zu laufen. Alles in allem macht es Spaß "Schlag den Raab" als Brettspiel zu spielen und auch der Preis ist für ein derart umfangreiches Spielepaket wirklich OK. Dennoch glaube ich nicht, dass es jemanden geben wird, der das Spiel im Grundpaket wirklich mehr als viermal spielen kann und will, weil sich die Spiele (bzw. die Grundelemente der Spiele) zu oft wiederholen. Da bleiben dann eben nur die Alternativen, auf Erweiterungen zu warten oder sich als Moderator selbst neue Spiele auszudenken.
"Schlag den Raab" ist kein klassisches Brettspiel/Gesellschaftsspiel. Aber es ist auch kein Partyspiel. Dafür ist es viel zu kleinteilig geraten und auf zu wenige Mitspieler beschränkt. Für einen netten "Pärchenabend" (fieses Wort, ich weiß) ist es ganz passabel. Aber den Charme der Show mit ihren zum Teil wirklich wunderbar abgedrehten Wettbewerben kann es nur sehr selten aufgreifen.