Vorwort:
Diese Rezension basiert auf lediglich einer gespielten Partie. Es ist daher gut möglich das sich der Gesamteindruck nach weiteren Partien noch ändern kann und wird, da man bei den meisten Strategiespielen (und speziell bei Aleaspielen) erstmal ein, zwei Kennenlernpartien benötigt, um überhaupt alle Strategien und Möglichkeiten halbwegs abschätzen zu können.
Aber dennoch ist der allererste Eindruck nicht unwichtig, da er doch oftmals entscheidend dafür ist ob ein Spiel Staub auf dem Regel ansammelt bzw. gar nicht erst erworben wird, oder ob es Lust auf mehr macht.
Einleitung:
Echte Spieleläden sind schon etwas tolles. Allen voran die Spieleburg in Göttingen. Wenn man da auch noch so großer Stammkunde ist, das man zum Geburtstag ein Spiel geschenkt bekommt ist das natürlich noch toller und wohl wirklich eine Seltenheit. Wenn man dann noch dazu ein so großer Spielefreak ist, das man eigentlich das meiste kennt und hat was man haben möchte ist es um so schöner wenn man doch noch überrascht werden kann.
So geschehen bei "Die Burgen von Burgund". Als ich das Spiel ausgepackt hatte war ich zunächst überrascht. Von diesem neuesten Aleaspiel habe ich noch nichts gehört. Aleaspiele sind ja selten schlecht, aber gerade das letzte Aleaspiel Macao hat mich überhaupt nicht angemacht. Macao = ein Würfel-Strategiespiel von Stefan Feld. Was fällt auf wenn man sich Die Burgen von Burgund näher betrachtet?
Genau: Ein Würfelspiel von Stefan Feld. Da ist man dann natürlich erstmal skeptisch. Wenn man dann noch feststellt, das Farben ein wichtiges Spielelement sind, es derer sieben gibt und man selbst extrem rot-grün blind ist, wächst die Skepsis noch mehr.
Doch ums gleich vorweg zu nehmen:
Die Burgen von Burgund hat mit trotz dieser ganzen negativen Vorzeichen sehr gut gefallen.
Spielablauf: (Quasi die Regelkurzusammenfassung)
Regel habe ich nicht selbst gelesen und diese Rezension schreibe ich aus dem Kopf ohne das Regelheft neben mir, so das hier vereinzelt Details abweichen können
Wie bei den meisten Aleaspielen ist die Verknüpfung des Themas relativ dünn, im Grunde genommen merkt man das Thema nie wirklich. Was dem Spielspass aber keinen Abbruch tut.
Jeder Spieler bekommt, ähnlich wie bei Puerto Rico, seinen eigenen Spielplan. Dieser Spielplan zeigt achteckige Feld in verschiedenen Farben mit verschiedenen Würfelzahlen. Die meisten gleichfarbigen Felder hängen in unterschiedlich großen Gebieten zusammen.
Außerdem gibt es noch Ablageflächen für Arbeitermarken (mit denen sich Würfelergebnisse +-1 verbessern lassen), für Silberlinge (Geld), für erworbene achteckige Gebietsplättchen und für Waren.
Auf dem eigentlichen Spieplan wird nicht gespielt sondern nur die verschiedenen Plättchen abgelegt. Entsprechend der Spieleranzahl werden zu jeder passenden Würfelzahl (also 1-6) zwei Gebietsplättchen ausgelegt, sowie einmal pro Runde eine Ware zu einer Würfelzahl gelegt.
Der eigentliche Spielablauf ist sehr simpel und auch sehr schnell, weshalb die Spieldauer von 30-90 Minuten durchaus realistisch ist, mit mehr Erfahrung dürfte es deutlich schneller gehen.
Es werden immer 5 Runden mit 5 Durchgängen gespielt, es wird also immer 25 mal pro Spieler gewürfelt.
Jeder Spieler würfelt mit zwei Würfeln, der Startspieler zusätzlich noch mit einem Weißen der festlegt in zu welcher Zahl das aktuelle Warenplättchen der Runde gelegt wird.
Mit den beiden Würfelergebnissen hat man nun die folgenden Möglichkeiten:
- ein Landschaftsplättchen vom Hauptspielplan nehmen und auf dem eigenen Spielplan ablegen
- Ein solchen Plättchen auf dem eigenen Spielplan bauen.
- Alle Warenplättchen der entsprechenden Zahl vom Hauptspielplan nehmen
- Alle eigenen Warenplättchen der entsprechenden Zahl vom eigenen Spielplan verkaufen
- Mit Silberlingen Extraplättchen kaufen
- Wurf verfallen lassen und dafür zwei Arbeiterplättchen nehmen
Man kann jeweils nur drei Landschaftsplättchen auf dem eigenen Spielplan ablegen, so das man nicht endlos sammeln kann und man daher oftmals sehr genau weiß, was man mit seinen Würfelergbnissen machen kann.
Die strategische Vielfalt ergibt sich in erster Linie aus den Landschaftsplättchen.
Die meisten Siegpunkte gibt es in der Regel für abgeschlossene Gebiete. Immer wenn in alle gleichfarbigen Plätze in einem Gebiet bebaut sind erhält man Punkte. Und zwar mehr je größer das Gebiet ist und je früher im Spielverlauf man es fertiggestellt hat.
Es gibt Seegebiete, Stadtgebeite, Minengebiete, Weidengebiete, Schlossgebiete und Forschungsgebiete.
- Jedes errichtete Schloss gibt einem sofort einen kostenlosen Bonusjokerzug, bei dem man quasi ein virtuelles Würfelergebnis eigener Wahl benutzen kann
- Jede Mine ergibt einem zu Beginn einer neuen Runde einen Silberling (also maximal 3)
- Jedes Seegebiet erlaubt einem einmalig alle Warenplättchen einer bestimmten Würfelzahl vom Hauptspielplan zu nehmen. Weiterhin rückt man auf der Startspielerleiste ein Feld vor
- Weidengebiete bringen Siegpunkte. Jedes Weideteil zeigt eine bestimmte Tierart in einer bestimmten Zahl, beispielsweise drei Kühe. Hierfür bekommt man sofort drei Siegpunkte. Legt man später ein weiteres Weideteil auf die gleiche Weide mit der selben Tiergruppe (z.b. 2 Kühe) erhält man nun zwei für die neuen Kühe, und abermals drei Siepunkte für die bereits existenten Kühe auf der Weide. Wer hier ein glückliches Händchen hat kann also massiv Siepunkte abgreifen
- Stadtteile haben unterschiedliche Effekte die meistens zur Folge haben das man sich umsonst ein Landschaftsplättchen vom Hauptspielplan nehmen darf, oder sofort kostenfrei ein eigenes auf dem eigenen Spielplan errichten darf.
- Forschungsteile stellen oftmals unterschiedlichste Verbesserungen (z.B. zusätzliche Siegpunkte für Weideteile, oder zusätzliche Arbeiterplättchen beim Verkaufen von Waren) dar oder bringen einem am Ende zusätzliche Siegpunkte ein
Weiterhin erhält man Geld und Siegpunkte für das Verkaufen von Waren. Geld bekommt man immer nur einmalig einen Silberling pro Verkaufsvorgang, man bekommt aber pro Ware die man verkauft abhängig von der Spieleranzahl Siegpunkte.
Spielgefühl:
Es gibt also unterschiedlichste Arten um Siegpunkte zu sammeln. Im Spielablauf ergibt es sich das jeder zunächst in der Regel eine eigene Strategieverfolgt und man zeitweise etwas auseinander liegt punktemäßig, sich nach einiger Zeit die unterschiedlichen Strategien aber doch ausgleichen und man punktemäßig enger zusammenrückt, sich am Ende aber dann doch ein Führender absetzen kann. Dies liegt aber meines bisherigen erachtens nach an der besseren Strategie bzw. der fehlenden Aufmerksamkeit der Mitspieler. Man muss manchmal auch darauf achten welche Möglichkeiten die Mitspieler haben und wenn Teile ausliegen die jemand anderem enorme Vorteile verschaffen sich überlegen ob man wirklich lieber gerade seine eigenen Ziele verfolgen will oder nicht doch lieber dem Mitspieler in Schnippchen schlagen will.
Generell gilt aber das das Würfeln das Spiel nicht dominiert. Ganz selten kann man mal mit den Würfelergebnissen gar nichts anfangen, aber das kam in unserem Spiel nur zwei bis dreimal pro Spieler vor. Gerade durch die Möglichkeit das Ergebnis durch Arbeiterplättchen oder Forschungen zu Verändern sind hier sehr positiv anzumerken. Eigentlich bin ich weiß Gott kein Fan von Würfeln in Spielen, in Macao fand ich das ganze absolut schrecklich gelöst und das Spiel hatte viel zu viele aufgesetzte und erzwungene Mechanismen.
In Die Burgen von Burgund jedoch fügt sich alles nahtlos zu einem sehr schönen und sehr runden Spiel zusammen. Es kann zwar durchaus vorkommen das man in den letzten zwei Durchgängen der letzten Runde nicht wirklich das machen kann was man eigentlich wollte, aber das fällt übers gesamte Spiel gesehen nicht wirklich ins Gewicht.
Schön ist auch das alle Spielpläne beidseitig bedruckt sind. Während auf der einen Seite alle Spieler den exakt gleichen Spielplan vorfinden, sind die Rückseiten alle unterschiedlich gestaltet so das tätsächlich jeder Spieler komplett eigene Strategien im Spielverlauf verfolgen wird.
Fazit:
Nach dem Reinfall (aus meiner Sicht) Macao hat Stefan Feld es geschafft mit "Die Burgen von Burgund" (welches übrigens aus meiner Sicht ein absolut schrecklicher Titel ist) hier ein 1A strategisches Würfelspiel vorzulegen. Selten habe ich so gerne auf Grundlage von Würfelergebnissen Siegpunkten hintergejagt. Hat man das Spiel einmal verstanden, dauern die Spielrunden nicht sehr lang, unsere erste Partie hat inklusive Erklärung knapp über eine Stunde gedauert.
Alle Beteiligten haben das Spiel nach der ersten Partie für gut befunden und dazu muss man sagen das wir wirklich versnobte Vielspieler sind (ich zumindest).
Zwischen einem wirklich schönen Spiel und einem Spiel das zwar funktioniert, also nicht wirklich schlecht ist, aber eben auch nichts wirklich Tolles hat, mache ich einen deutlichen unterschied. Macao z.B. funktioniert. Vasco da Gama funktioniert ebenso.
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