Der großartigste Spruch bei uns spätpubertierenden Früh-Midlifecrislern war an diesem Tag: "Nach Fits kommt Bits dann T..s." Har har. Denn Bits machte uns derart Spaß, dass wir in lockerer Runde bei Kaffee und Schoko-Croissants gleich ins Blödeln kamen. So muss ein Gesellschaftsspiel sein. Warum? Weiterlesen.
Zugegeben: Bits sieht konservativ aus. Es hat eine strenge Formensprache und bunte, aber nicht knallige Farben. Das weckt Vorurteile. "Ah, ein Rentnerspiel" rufen da die Mittdreißiger, oder "Noch so ein abstraktes Solopuzzle". Nach der ersten Partie war allerdings schnell klar: Bits ist launig und besser als es auf den ersten Blick aussieht.
Reiner Knizia und die Ravensburger: Erfolgsautor trifft auf Erfolgsverlag. Da stimmen das RUMM: Regel, Umsetzung, Material und Massentauglichkeit, keine Frage.
Die Schachtel öffnet sich und wir sehen vier solide Rampen mit Einlegefläche, auf die später die Steine - jeder hat sein eigenes Set - gelegt werden. Nettes Detail: Jede Rampe bekommt kleine Gummiecken unten drangeklebt, damit sie nicht rutscht. Da hat der Redakteur an alles gedacht.
Der Spielverlauf ist einfach, eingängig und steigt sanft in seiner Komplexität an, so dass die Lernkurve nicht zu steil ist. In drei Runden (für Profis gibt es noch eine vierte) werden jeweils Aufgabenkarten aufgedeckt. Sie zeigen, für welche gleichfarbigen Formen man am Ende der Runde Punkte bekommen. Reihum decken die Spieler nun Baukarten auf, die die dominoartigen Steine zeigen: Rot-rot, rot-schwarz, und so weiter. Jeder Spieler muss solch einen Stein nun bei sich einbauen, quer oder hochkant. Gleichzeitig macht man sich ans Werk; das hat man sofort drin. Am Ende der Runde wird abgerechnet, jeder bekommt seine Punkte, räumt ab und die nächste Runde beginnt.
Die neue Aufgabenkarte zählt zusätzlich, birgt aber nun etwas mehr Schwierigkeiten. Runde 3 schließlich gibt sogar Minuspunkte für bestimmte Flächen. Runde um Runde steigt der Anspruch der Aufgabenkarten, es wird zu den bekannten Aufgaben aber stets etwas hinzugefügt. Dadurch bleibt das System klar und man muss sich nicht auf neue Situationen einstellen. Man muss eben nun mehr beachten. Das kam bei uns gut an, denn in klassisch pädagogischer Form wird auf dem vorhandenen Wissen etwas aufgebaut und erweitert. Das versteht die Oma, das versteht die kleine Lena. Dadurch wird Bits zum rundum schönen Familienspiel.
Ja, es ist abstrakt. Und ja, die Interaktion fehlt. Ein Plättchen wird aufgedeckt und jeder tüftelt für sich. Das macht aber nichts, denn meistens wird das wortreich kommentiert. "Hoffentlich krieg ich noch einen Doppel-Blauen" oder "Ach, den brauch ich doch mal gar nicht. Wohin damit?" oder "Jetzt zieh mal was gutes!" Man schielt zu den anderen rüber und freut sich insgeheim, wenn sie über ein unbrauchbares Teil jammern.
Bits hat ein Glückselement, aber das ist äußerst gering. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, denn mit jedem neuen Stein sehen die Tafeln der Spieler anders aus, auch wenn sie alle immer die gleichen Steine legen müssen. Gegen Ende der Runde kann jeder sehen, was da noch kommen könnte und mit ein wenig Wahrscheinlichkeitsrechnung so anlegen, dass er noch punktebringende Formen hinbekommt. Der Spannungsbogen hält bis ans Rundenende und die Punkteberechnung birgt manche Überraschung (gerade wenn es zum Schluss Minuspunkte hagelt).
Aber: Bits ist ein Anti-Blender, ein graues Entlein, das sich erst während des Spiels mausert. Wir haben nach anfänglicher Skepsis gleich noch mal gespielt. Und noch mal. In einer anderen Runde ging es ähnlich. Bei einer Spielzeit von einer knappen halben Stunde bietet man großzügig eine Revanche an. Und schwuppdiwupp, ist der Spieleabend an einem vorbeigebitst!
(Diese meine Rezi erschien zuerst bei de.trictrac.net)