Ausgerechnet die Schüler aus der Nachmittagsbetreuung hatten uns die neue Europareise empfohlen. Wie bitte? Schüler spielen freiwillig ein "pädagogisch sinnvolles" Brettspiel? Auf einer Europakarte werden drei Spielfiguren als "Reisegruppen" verteilt. Man zieht nicht mit einem eigenen Spielstein, sondern jeder kann diese Reisegruppenfigur bewegen, der pro Streckenabschnitt ein Auto-, Bahn-, Fähr- oder Flugticket abliefert. Die Ziele werden durch Aufdecken von sechs Städtekarten in sechs Farben festgelegt. Ziel des Spiels ist es, pro Farbe mindestens eine Städtekarte zu sammeln, indem man die Reisegruppenfigur auf dem Spielplan zu den Zielen bewegt. Zusätzlich müssen die drei Ziele angefahren werden, die einem als persönliche Reiseziele zu Spielbeginn zugeteilt wurden. Erreicht man diese persönlichen Ziele nicht, büßt man zur Strafe so viele Städtekarten aus seiner Beute ein, wie man persönliche Ziekarten übrig behalten hat. Mit 4 bis 6 Teilnehmern kann es schon hoch hergehen, wenn die geplante Route gerade vom Mitspieler zunichte gemacht wurde, der sein letztes Flugticket für einen Flug nach Island verpulverte, stolz die Reykjavik-Karte einsackte, während man selbst fürchtet, es mit der Reisegruppenfigur nicht wieder aufs Festland zurückzuschaffen. Aussetzen, zwei neue Tickets ziehen oder doch lieber mit der Bahn auf dem Balkan reisen?
Das Spielmaterial ist stabil und leicht zu handhaben. Der Spielspaß der Europareise hängt wesentlich von der Anzahl der Mitspieler ab. Zu viert kann man noch recht ungestört seine Reisepläne verwirklichen, während es am Rande eines von 6 Spielern umlagerten Spielplans häufig Frustrufe über eine weggeschnappte Zielkarte gibt. Auch mit älteren Teilnehmern sind die Regeln spätestens beim zweiten Spielen geklärt. Die neue Europareise schafft es, Kinder und ihre Großeltern an einen gemeinsamen Spieltisch zu bringen. Klasse!