Es braucht nur ein paar Worte, kaum gesungen, klingend hingesagt, und alles ist anders: So klar, so unprätentiös wie auf Kitty Hoffs erster CD "Rauschen" hat deutsche Musik seit Jahrzehnten nicht mehr geklungen. Hier biedert sich nichts an, hier hechelt niemand dem letzten Trend hinterher. Schön zu wissen, daß Musik so sein kann: Ein Erlebnis, das verändert. Eine Musik, die mit einem Mal da ist, den Raum ausfüllt, im Kopf erklingt, die Unwesentliches ausläßt. Eine strahlende Leinwand, auf die Kitty Hoff mit wenigen Strichen ihre Skizzen wirft, 12 Stücke, von ihrer Band Forêt-Noire mit unerreichbarer Nonchalance begleitet. Viele davon könnten Klassiker sein, Klassiker werden: "Rauschen", "Ewigkeiten", "Leichtmatrose", "Weißt du noch", "Jetzt" und und und. Distanz und Wärme, Ironie und Lebensweisheit, Schwermut und Kampfgeist - dies alles Seite an Seite, untrennbar verbunden: Wo findet man das in der jüngsten deutschen Musik? - Und was für Musik ist es überhaupt...? Jazz? Nein, zu formsicher. Chanson? Zu modern. Pop? Wenn Originalität populär sein kann, ja. Ach, zuviel Worte: Es ist schön.
Und als ob das alles nicht schon sehr viel wäre: Als Texterin kann Kitty Hoff in Deutschland zur Zeit kaum jemand das Wasser reichen. (Kann es überhaupt jemand?) Was bei vielen Beiwerk ist, ist hier von der Musik nicht zu trennen: Mit leichter, wie nebenbei notierter Sprache kreist Kitty Hoff in wenigen Minuten Dinge und Gefühle ein, über die andere erst einen Roman schreiben müßten.
- Eine schönere CD, aus Deutschland, aus diesem Jahr, aus dieser Zeit? Da können Sie lange suchen. Ein Meisterwerk.