Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
...faszinierender Pinol!, 13. November 2005
Man muss sich schon einlassen auf diesen wirklich großen Roman von Albert Sánchez Pinol. Erwarten Sie keinen Krimi, keinen Abenteuer- oder Liebesroman, obwohl "Im Rausch der Stille" von all dem ein wenig hat. Lassen Sie sich ein, auf ein geniales Werk, das zum Nachdenken und Diskutieren geradezu einlädt. Die Geschichte um den namenlosen Erzähler, der sich als Wetterbeobachter für ein Jahr auf eine Insel bringen lässt, die einsamer nicht sein könnte, ist skurril, beängstigend, teilweise sogar verstörend. Nacht für Nacht greifen Kreaturen aus dem Meer die Insel an und trachten dem Erzähler und dem einzigen weiteren Menschen auf der Insel, dem Leuchtturmwärter, nach dem Leben. Es ist ein zermürbender Kampf, aussichtslos, kräfteraubend. Jeden Abend, wenn die beiden unfreiwilligen Kampfgefährten sich bereit machen für die Eindringlinge, wissen sie, dass allein die ersten Sonnenstrahlen, und damit das Verschwinden der Kreaturen im Meer, sie für einen weiteren Tag retten. "Im Rausch der Stille" ist große Literatur, ein Meisterwerk, dessen skurrile und desillusionierende Erzählweise mich ein wenig erinnert an Pablo de Santis "Die Fakultät". Unbedingt empfehlenswert!
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55 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir ähneln denen, die wir hassen, mehr als wir denken ..., 17. August 2005
Der Autor Albert Sánchez Pinol entführt uns in seinem Debüt-Roman auf eine ferne Insel am Ende der Welt. Ein irischer Freiheitskämpfer flüchtet und sucht die Einsamkeit. In einem altem Leuchturm glaubt er sich sicher. Doch die Stille täuscht, denn Nacht für Nacht wird der Leuchtturm von unheimlichen Wasserwesen angegriffen ... Ein abgründiges Szenario nimmt seinen Lauf. Aus einem erbitterten Kampf auf Leben und Tod entbrennt letztendlich eine besessene Liebe ... ~~~~~~~~~~ Textauszug I: *Wir ähneln denen, die wir hassen, mehr als wir denken. Und deshalb glauben wir, dass wir denen, die wir lieben, nie ganz nah sind. Als ich mich einschiffte, kannte ich dieses grausame Gesetz bereits. Doch es gibt Wahrheiten, die unsere Beachtung verdienen, und solche, mit denen wir uns besser nicht befassen ...* ~~~~~~~~~~ Meine persönliche Meinung: Die momentan berufliche Situation erlaubte es eigentlich nicht, ein neues Buch zu beginnen. Von daher wollte ich eigentlich nur ein wenig 'hineinschnuppern' - und das war ein großer Fehler :-) Nach nur wenigen Seiten tauchte ich ein in die Geschichte, sie umklammerte mich von Seite zu Seite mehr und ließ mich nach einigen Stunden letztendlich freudentrunkend wieder auftauchen. Einmal begonnen läßt einen dieses Buch nicht mehr los! Die Suchtgefahr ist extrem - vorprogrammiert! Ein wahrlich faszinierendes wie skurriles 'Mach'werk - Ein Lehrstück über die menschliche Natur und ihre Untiefen - Verstörend und ungemein spannend zugleich !!! Und dann der Schluß / der Plot: Gewaltig und grandios !!! Viele Romane findet man im ersten Moment gut - und doch vergisst man sie bald wieder. "Im Rausch der Stille" allerdings ist anders - mir jedenfalls wird dieser Roman unvergeßlich bleiben. Es bleibt: Faszination Pur !!! ~~~~~~~~~~ Textauszug II: *Ich setzte mich an den Strand und hielt das Gewehr wie einen Säugling in den Armen. Ich kippte nach hinten, bis mein Rücken auf eine Unterlage aus Sand traf. Die Welt war endgültig ein vorhersehbarer Ort ohne Neuigkeiten. Ich stellte mir eine jener Fragen, die wir beantworten, bevor sie wir ausgesprochen haben: Wo mochte mein Dreieck sein, wo? Die Sonne sank.* ~~~~~~~~~~ Liebe 'amazon'-Redaktion: Für dieses Buch reichen *5-Sterne* eigentlich nicht aus - Unheimlich schön - Unheimlich & schön !!! Lesen - Kaufen - Lesen - Kaufen - und verschenken: Dieses Buch ist Faszination - meint - Reinhard Busse
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Mensch, das Monster mit der Fähigkeit zu lieben..., 4. Februar 2006
Der Icherzähler des Romans ist ein irischer Nationalist, der gegen das britische Empire aufbegehrt; allerdings eher durch innere Emigration als durch äußere Opposition. Während ganz Irland Schiffbruch zu erleiden droht, schifft er sich auf ein unwirtliches Eiland irgendwo in den Weiten des Südatlantiks ein. Wetterbeobachter soll er dort werden, fernab vom Tumult der umkämpften Heimat. Das angesteuerte Inselchen findet sich auf keiner nautischen Karte, da es genau auf einem Koordinatenkreuzpunkt liegt. Ein Eintrag dieser kargen Erd- und Steinerhebung wäre unnütz. Mysteriös genug. Von der Form her ähnelt das anderthalb Kilometer kurze Eiland einem L. Am nördlichen Zipfel steht eine Anhöhe aus Granit, auf der ein Leuchtturm thront, an der Ferse liegt ein Hügel mit der kümmerlichen Hütte des Wetterbeobachters. Diese bezieht unser Erzähler. Bald aber flüchtet er nordwärts in den Leuchtturm, wo er sich mit Batis Caffó, dem derben, stinkenden Wärter zusammentut. Denn die Insel ist keine der Seligen, sondern wird belagert. Ja, richtig, belagert! Das Aussehen der Belagerer: haarlos; Augen von tiefem Blau; winzige, fischschwanzförmige Ohren; lange Hälse; Schwimmhäute; schlanke, aber muskulöse Gliedmaßen; weißlich-graue Haut mit Grünschattierungen. Sind diese maritimen Wesen wütend, geben sie kehlige Geräusche von sich, „als ob jemand Säure erbricht“, schreibt Piñol. Welle um Welle rennen sie gegen den Leuchtturm an – und damit meist in ihren sicheren Tod. Durch Kugelhagel oder Dynamit werden sie niedergestreckt. Caffó und der Erzähler, die beiden menschlichen Verteidiger, richten ein unmenschliches Massaker nach dem anderen an. Die Verachtung des Lesers auf die eigene Spezies steigt. Warum dieses sinnlose Gemetzel, warum keine Kontaktaufnahme? Warum nicht endlich verhandeln? Warum herrscht überhaupt Krieg? Warum, warum, warum? Geschickt führt Albert Sánchez Piñol seine Leserschaft zu diesen Fragen hin. Auslöserin der Belagerung scheint Aneris zu sein, ein weibliches Exemplar der Meeresbewohner, die sich selbst Citauca rufen. Sie wird von Caffó als Dienerin und Sexgespielin gehalten. Komischerweise denkt sie aber nie an Flucht, ergibt sich antriebslos ihrem Schicksal. Auch der Icherzähler schlägt und missbraucht sie. „Ich schlief mit ihr, wann immer ich konnte“, lautet sein Tagebucheintrag. Seine Lust steigert sich ins Obsessive, Aneris hingegen begegnet ihm ohne jegliche Gefühlsregung, mit gleichgültiger Kälte. Der Titel des Buches lautet im katalanischen Original nicht umsonst „La pell freda“, die kalte Haut. Ein Waisenkind der Citauca, „Dreieck“ genannt, lässt gegen Ende des Romans erstmals wechselseitige Sympathien der beiden ungleichen Arten aufkommen. Ein Hoffnungsschimmer. Sánchez Piñol lotet mit „Im Rausch der Stille“ beängstigend die Abgründe der menschlichen Spezies aus: die Rücksichtslosigkeit, den Drang nach Kolonialismus, das mangelnde Einfühlungsvermögen gegenüber dem „Anderem“. Es ist nicht nur ein Werk gegen den Sexismus, sondern auch wider den Speziesismus, also gegen das tiefsitzende Vorurteil, die eigene Art wäre die überlegene. Piñol schrieb einen schockierenden, oft abstoßenden Roman, doch im revoltierenden Unterbewusstsein vieler LeserInnen bereitet er damit den Boden für die richtige Botschaft auf: Toleranz! Die eigentlichen Monster sind am Ende wir, nicht die Citauca, wenngleich Monster befähigt zu lieben. Wohl nicht umsonst bleibt der Icherzähler anonym. Könnte dort vielleicht unser eigener Name stehen?
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