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Die Geschichte ist alt und aktuell zugleich, es geht um die erste Telegrafenleitung durch den Atlantik. Zwischen 1857 und 1865 arbeitet der junge Ingenieur Chester Ludlow fieberhaft an diesem Pionier-Projekt, das "den großen Globus kleiner machen wird". Sein "Kreuzzug" für den Fortschritt entfremdet ihn allerdings seiner Frau, weil diese vor allem zurückblickt auf den tragischen Tod ihrer Tochter.
Während Chester in London die Werbetrommel für die erste Expedition rührt, versucht Franny im heimischen Maine Kontakt zum Jenseits aufzunehmen. Chesters heftige Affäre mit Katerina, der Frau eines Mitarbeiters, sorgt für zusätzliche Spannung(en) bei dem Unternehmen, dem ohnehin "ein Hauch von Hochstapelei" anhaftet. In weiteren Hauptrollen erleben wir den Zeichner Jack und Chesters Bruder Otis, das "Genie ohne Kompass".
Personenführung und Timing sind die Stärken des Autors, der auch Schauspieler ist und von sich sagt, er schreibe "sozusagen dramatisch". Dass die Figuren sich auf dem "großen Globus" permanent über den Weg laufen, darf man als augenzwinkernde Reverenz an Griesemers erklärtes Vorbild Dickens verstehen. Historisches Kolorit wird ebenso sparsam wie wirkungsvoll verwendet, etwa, wenn die stinkende Themse ganz London lähmt.
Fast mühelos folgt man den Hauptfiguren dabei, wie sie ihre persönlichen Visionen -- spiritueller, technischer, künstlerischer oder erotischer Natur -- zu verwirklichen suchen. Wie sie zuweilen in einen Rausch geraten, um wenig später Sinnlosigkeit und Verzweiflung zu gewärtigen: "Kein Signal, bloß Rauschen" (Signal & Noise lautet der nüchterne Originaltitel) -- das gilt für das Telegrafen-Kabel wie für die Menschen.
Dass immer noch die es sind, die Geschichte machen, und nicht die Maschinen, führt der Roman überzeugend vor. Manchem mögen die Parallelen zum Internet-Zeitalter forciert vorkommen, doch Griesemer ironisiert den Anspruch auf historische Authentizität gleich selbst. Einmal huscht Karl Marx durchs Bild (und kommt fast zu Tode), ein Jogger trabt durch London ("Er läuft? Warum, um Himmels Willen?").
Rausch ist ein Unterhaltungsroman im besten Sinne; ein historischer Roman über Große Erwartungen, der womöglich genau so viel mit dem 21. wie mit dem 19. Jahrhundert zu tun hat. --Patrick Fischer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
gemischte Gefühle,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Rausch (Gebundene Ausgabe)
Wenn man das Buch bis zum Ende gelesen hat, ärgert man sich erstmal über den deutschen Titel. Aus "Signal&Noise" wurde "Rausch". "Rauschen" wäre passender gewesen. Das Buch verliert sich leiter etwas in viele kleine Schauplätze. Die zwei gegensätzlichen Auffassungen der Protagonisten, die spirtuelle Welt und die Technikbesessenheit der Kabelverleger, werden kaum überzeugend zusammen gebracht, es wirkt aufgesetzt und zäh. Irgendwie plätschert der Roman dadurch dahin wie die ruhige See ohne Tiefe. Die Übersetzung tut ihr übriges. Nicht der schlechteste Roman, aber in einen Rausch gelesen habe ich mich nicht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
39 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Rausch und kein Ende!,
Von daswunschkind (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Rausch (Gebundene Ausgabe)
Da (fast) alle dieses Buch ja gerade zu vergöttern, hilft vielleicht eine kleine Gegenmeinung.Gerade gestern habe ich das Buch beendet und muß sagen, dass ich die letzten Seiten eigentlich nur noch überfolgen habe, um endlich die Auflösung zu erfahren. Die gibt es natürlich nicht, wie im wirklichen Leben, und das ist auch gut so. Dennoch habe ich mich teilweise sehr durch die Geschichte gequält, dabei mag ich Technik sehr. Es liegt zum Großteil daran, dass die Charaktere nicht in sich schlüssig handeln und von ihrer eigenen Logik häufig abweichen. Da zeichnet Jack Trace den amerikanischen Bürgerkrieg. Das Erlebte nimmt ihn so furchtbar mit, dass er tagelang wie benommen umher wandert. Dieses erlebt der Leser plötzlich und sehr intensiv. Doch wie es kommt, geht es auch wieder. Da baut sich nichts auf, da wird anschließend nichts verarbeitet. Oder der Herr Chefingenieur Ludlow selber. Gefeierter Techniker und Präsentator des Phantasmagoriums, dabei jedoch sehr sensibel. Taumelt anschließend in ein Quartalstrinkerdasein, wird Militarist und baut die größte Kanone aller Zeiten. Dabei wird dem Leser aber nicht sehr ersichtlich, welchen Kräften er unterliegt, die sein Handeln begründen. Dadurch wird alles irgendwie, wie: AN-AUS. Wie die Signale im Kabel. Schade. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Grandioser Beginn und zähes Ende,
Von Gert Monath (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Rausch (Gebundene Ausgabe)
Wie viele andere inspiriert von einer tollen Kritik Elke Heidenreichs habe ich das Buch in Angriff genommen und war am Anfang ebenso schlichtweg begeistert. Die ersten ca. 100 Seiten sind phantastisch geschrieben und fesseln einen, man fühlt sich mitgenommen in eine andere Epoche, die intensiv beschrieben und erlebbar wird. Aber als hätte ein anderer Autor die Arbeit übernommen brechen Qualtität und Intensität dramatisch weg. Der Autor übernimmt sich in dem Versuch, verschiedene Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen und statt eines vielschichtigen Gemäldes einer Epoche (das er sicher vor Augen hatte) gelingt ihm nur noch eine zunehmenden zerfasernde Sammlung loser Enden mit klischeehaften Figuren. Das erreicht irgendwann groteske Züge, die Figuren passen nur noch in einen billigen Historienschinken.Die Enttäuschung ist groß, ich habe mich durch das Buch bis zu Ende gequält - wobei ich vermute, dass die Kritiker, die überschäumen vor Begeisterung, genau das nicht getan haben:-) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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