Naja, so denke ich mir - wieder ein Segelsommer in der Ostsee. Erdmann und Roever lassen grüssen, aber weit gefehlt. Natürlich wiederholen sich die Erlebnisse in irgendeiner Weise immer, aber hier unterscheidet sich ,,Raus ins Blaue !'' durch die Auswahl des Bootes. Nicht ein moderner Plastikbecher, sondern ein altes, holzbeplanktes Folkeboot unternimmt diese lange Seereise. Das ist Seefahrt in seiner ursprünglichen Form ( Die Schiffe aus Holz, die Männer aus Stahl )und erfordert so manchen Kompromiß zum ,,herkömmlichen'' Segeln ! Mit so einem Schiff stellt man seine Leidensfähigkeit unter Beweis, wird aber auch durch ein unvergleichliches Flair auf dem Fuße entschädigt. Wenn man bei einem Schiff von einer Seele sprechen kann, dann hat sie ein Holzschiff.
Ich weiß genau wovon Bastian Hauck spricht, wenn er leckende Planken beschreibt und sich sein nächtliches Lager auf von Seewasser durchfeuchteten Matratzen und klammen Schlafsäcken bereitet und Starkregen das Deck und die Fensterrahmen in eine Tropfsteinhöhle verwandeln. Die Freuden und auch die Mühen die ein Holzschiff bereiten, sind mit denen eines Kunststoffschiffes nicht zu vergleichen.
Die Reisebeschreibungen sind präzise beobachtet, der Schreibstil ist gut und detalliert und oftmals blitzt ein feiner, sowie auch trockener Humor auf.
Mit seinen 31 Jahren hat Bastian Hauck schon viel erlebt und trägt das in seinem Buch ab und zu ein klein wenig zu dick auf (die Reflexionen über seine Zeit im Nahen Osten), aber alles in allem ist ihm eine großartige Erzählung gelungen, die sich lohnt zu lesen. Der Schluß der Erzählung ist literarisch gut gelungen !
Der Anhang gibt einen sehr guten Aufschluss über den Ursprung der Tadorna, die technischen Daten und Ausrüstungsgegenstände und eine sehr genaue Auflistung der einzelnen Etappen.
Ich habe ,,Raus ins Blaue!'' genossen und empfehle diese Buch weiter !
PS: Ich war fünf Jahre lang ein Holzfolkesegler (GER 872) und bin nun auf ein Kunststofffolke (G420) umgestiegen - somit leider kein Mann aus Stahl mehr.