Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von Übermorgen.
Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschen und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen.
Begleiten wir die Orion und ihre Besatzung auf ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit.
McLane wurde samt seiner Mannschaft zum Raumpatrouillendienst mit der Orion abkommandiert, da er wiederholt eigenmächtig gehandelt und damit gegen oberste Dienstvorschriften verstoßen hat. Nun darf er sich also mit Aufgaben befassen, die normalerweise nur den niedriggestellten Kadetten zukommen. Doch das hindert McLane nicht daran, sich in waghalsige Abenteuer zu stürzen. Auch wenn er es an Bord zusätzlich mit einer Aufpasserin in Form von Tamara Jagelowsk zu tun bekommt.
Die vorliegenden Hörspiele basieren allesamt auf den entsprechenden Umsetzungen fürs Fernsehen, sprich man hat es hier mit O-Ton-Hörspielen zu tun. Nun stellt sich natürlich die Frage, warum man sich überhaupt mit der Tonspur allein zufrieden geben soll?
Nun, die Intention der Macher ist in der Tat alles andere als dumm. Betrachtet man das Alter der Serie ist klar, dass diese nach den heutigen Maßstäben - einmal vom nostalgischen Charme abgesehen - als ernsthafte Science-Fiction wohl nur sehr schwer bestehen könnte. Wie aber sieht es denn aus, wenn man die nicht mehr zeitgemäßen Bilder einmal weglässt und sich stattdessen verstärkt auf die Geschichten konzentriert?
So diese denn spannend erzählt sind, kann das Experiment durchaus aufgehen. Natürlich bleiben noch immer die oft altertümlichen Effekte samt Untermalung. Und dennoch: die Geschichten selbst funktionieren mit kleineren Abstrichen in der Tat heute ausgezeichnet, haben sich in ihren Prinzipien teils nicht mal so stark gewandelt. Vieles an Ideen und Motiven findet sich in ganz ähnlicher Form jedenfalls noch sehr häufig in aktuellen Hörspielserien dieses Genres wieder.
Die Crew der Orion wird in so einige atemberaubende Abenteuer gezogen. Dabei stimmt die Dynamik an Bord absolut. Die Chemie zwischen einzelnen Charakteren auf den ersten Blick zwar nicht immer, was sich jedoch mit der Zeit als sehr reizvoll herausstellen soll. Allein die Interaktion der Crew spielt somit schon eine entscheidende Rolle für den Unterhaltungsgrad der Hörspiele. Vor allem, wenn man schnurstraks in bedrohliche Situationen steuert kann man sich der mitreißenden Atmosphäre als Hörer nur schwerlich entziehen.
Kein Wunder: die Stammcrew ist mit Leuten wie Dietmar Schönherr, Eva Pflug und Wolfgang Völz ausgezeichnet besetzt.
Für die bedrohlichen und packenden Abenteuer sorgen die neuen Gegner der Menschheit, die sogenannten FROGs, die nur ohne Sauerstoff überleben können. Der erste Raumpatrouillenflug führt die Orion auf eine Raumstation, die auf Funksprüche nicht mehr antwortet. Als zwei Männer die Station betreten wird klar, dass hier etwas schlimmes passiert ist.
Während sich die Pilotepisode zu Beginn noch recht viel Zeit nimmt, kommen die anderen deutlich schneller zur Sache. In der zweiten gilt es eine tödliche Gefahr für die Erde in Form einer gesteuerten Supernova abzuwenden, im dritten macht die Crew Bekanntschaft mit meuternden Robotern auf einem abseits gelegenen Planeten und in weiteren geht es unter anderem um Desserteure und den Aufstand von Gefangenen auf der Strafkolonie Mura.
Für den humorvollen Gegenpart zu den Abenteuern im Raum sorgen vor allem die in jeder Folge auftretenden Aufenthalte im Starlight-Casino, wo sich die Mannschaft ganz von jeglichen Gedanken des Patrouillendienstes und ihrer damit verbundenen Abenteuer frei machen kann. Die Musik im Starlight-Casino, wie eigentlich die gesamte Szenerie, hat schon etwas trashiges, doch auf eine charmante Art und Weise.
Die Untermalung ist wie bereits kurz angedeutet schon extrem angestaubt. Soetwas könnte man in einer neuen Hörspielproduktion heute wohl nur schwerlich bringen. Doch in diesem Rahmen stört das ganze nicht sonderlich. Nichtsdestotrotz ist dies letztlich der größte Schwachpunkt der Hörspielreihe.
Als Hörer kann man sich ein Schmunzeln manches Mal jedenfalls nicht verkneifen, wenn versucht wird möglichst Science-Fiction-mäßig daherzureden, was heute aber nur mehr wie wild zusammegeschustertes Kauderwelsch rüberkommt. Oder auch, wenn wieder einmal der monotone, auf Roboter getrimmte Countdown einsetzt.
Ein steter Begleiter ist vor allem das überirdisches Rauschen in allen möglichen Tonlagen, das die Weltraumkulisse zwar nicht optimal, aber nicht mal so schlecht rüberbringt, wie es sich nach dieser Beschreibung vielleicht anhören mag.
Eine wichtige Frage bei solchen O-Ton-Hörspielen ist natürlich immer auch, wie gut der Erzähler die nicht vorhandenen Bilder ersetzen kann. Der Erzählerpart wird hier von einem absoluten Profi seines Fachs, nämlich Andreas Fröhlich, übernommen, welcher seine Aufgabe ganz ausgezeichnet bewältigt und es sich nicht nehmen lässt, die ein oder andere augenzwinkernde Anmerkung am Rande einzustreuen, die das ganze nur noch chamanter wirken lässt.
Fazit: eine unterhaltsame Science-Fiction-Serie, wenngleich man den angestaubten Touch nicht verleugnen kann, der aber seinen ganz eigenen Charme mitbringt. Moderne Standards darf man zwar nicht erwarten, aber da die Geschichten genügend brenzlige Situationen bereit halten, spielt das Alter in den meisten Fällen keine große Rolle in Bezug auf den Spannungsgrad.