„Ich werde immerfort angeleuchtet, kann man das nicht sehen, ganz deutlich mit Raumlicht", sagt Evelyne B. zu ihrem Arzt, dem Ich-Erzähler. Sie ist eine seiner ersten schizophrenen Patientinnen und bezeichnet sich sehr treffend mit „psychische Selbstgefangene". Der junge Arzt hat nur wenig Erfahrung mit dieser Krankheit. Aber sie läßt ihn, genauso wie Evelyne B., nicht mehr los. Doch vorerst zieht es den Erzähler in ferne Länder, nach Afghanistan und Indien, wo er immer wieder auf Menschen trifft, die außergewöhnliche psychische Zustände erleben. Diese Grenzerfahrungen prägen seine neue Einstellung zu geistiger Gesundheit und psychischer Krankheit. Nach Deutschland zurückgekehrt, sieht er Evelyne wieder, sie ist erneut Patientin in der Klinik, in der der Erzähler arbeitet. Und mit ihr trifft er wieder auf die Krankheit, die ihn so fesselt: Die Schizophrenie. Und er erkennt: „Sie begreifen, hieße aber, den eigenen Körper nicht begreifen. Sich über die Unmöglichkeit (aber die totale Unmöglichkeit!) zu entsetzen, die im Wachstum auch nur eines Fingernagels liegt, falls dieses wirklich stattfinden sollte." Doch genauso unkonventionell wie seine Denkweise ist auch sein Therapieansatz, der bei den Kollegen auf Ablehnung stößt: Er muß die Klinik verlassen. Dennoch ist dieser Roman ein Roman über Heilung. Und nicht nur über die Heilung von Schizophrenen, sondern auch über die Heilung von der Vorstellung, es könne nur eine allgemeingültige Auffassung von Wirklichkeit geben und alles andere, nicht normale, sei schlichtweg krank. Das Buch des Psychiaters Ernst Augustin ist kein wissenschaftlich aufgemachter Fallbericht, sondern ein Roman über die Wahrnehmungsmöglichkeiten unserer Existenz, und, wie bei der Schizophrenie, der möglichen Nichtexistenz. Am Ende findet alles in einem so unglaublichen Finale zusammen, daß man, wäre das Buch nicht sowieso schon so reizvoll, sagen könnte, allein schon wegen dieser verblüffenden Auflösung muß man diesen Roman lesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)