Natürlich ist Geschmack verschieden und gerade deswegen wundern mich auch diese Menge an 5 Sternen für den neusten Kluftinger nicht besonders. Schließlich findet sich ja auch ein Millionenpublikum für spaßiges aus den sogenannten Humorschubladen, die uns Künstler wie Barth, Pocher und Kollegen allwöchentlich präsentieren.
Dass nun aber ausgerechnet mein lieb gewonnener Kluftinger als vollkommen vertrottelter Ermittler vorgeführt wird, das hat er meiner bescheidenen Meinung nach nicht verdient.
Da wo in den Vorgängerromanen seine knuffigen Auftritte wohldosiert für die besonderen Momente sorgten, hatte ich nun den Eindruck, hier soll jemand fürs breite Publikum fernsehtauglich gemacht werden. Als ob den beiden Hauptautoren ein Stab von Redakteuren und Drehbuchschreibern mit lauter gut gemeinten Ratschlägen im Nacken saß, die Agatha Christie Geschichte aus dem Allgäu gleich fernesehtauglich zu schreiben, damit man bei der späteren Verfilmung nicht mehr soviel Arbeit mit Umschreiben und Kürzungen hat.
Nicht mehr das Allgäuer Lokalkolorit bestimmt die Geschichte, auch wenn es gebirgig steil ist und man vor lauter Schnee kaum noch Luft bekommen mag, nicht mehr ein um die Falllösung verbissener kauziger Kommissar, der eben manchmal über Alltäglichkeiten aus der modernen schnellen Außenwelt stolpert, eben weil er ein bodenständiger Typ ist, der sich weder um schnell wechselnde Moden Gedanken gemacht hat und diese auch nicht mitgemacht hat.
Vielmehr empfand ich es als ein blasses Duell von Kasper-Kluftinger mit Kasper-Langhammer, ein Wettbewerb um das blaue Wer-ist-doofer-Band, wer bastelt sich schneller ein Fettnäpfchen, um als dann auch noch zuerst hineinzutreten.
Ja, hungrig und gierig darf er ja sein nach seinen Kässpatzen und gewiss ist ein Frühstücksteller vom Kommissar immer etwas voller als die der anderen. Doch hier wird er als teutonischer Ballermannvielfraß dargestellt. Hat nur gefehlt, dass ee seinen Lieblingsstuhl im Speisesaal mit Badehandtuch reserviert.'
Die neue Kluftingerr-Persönlichkeit wirkt gekünstelt, vorhersehbar und somit für mich zu langweilig.
Und für eine Persiflage war es für mich ebenso zu wenig wie es auch als Agatha Christie Hommage nicht reicht.
Denn dafür waren die Verdächtigen zu blass und letztlich auch zu banal dargestellt.
Spannung und Verwirrspiel Fehlanzeige!
Aber wie gesagt: Geschmack ist verschieden. Meiner ist das nicht. Und so vergebe ich drei wohlwollende Punkte nur deswegen, weil ich es nicht besser schreiben kann und sich die Autoren ja dennoch bemüht haben, Ihr Publikum begeistern zu wollen.
Ach, wie gerne hätte ich ZEHN Punkte vergeben'. Hoffentlich beim nächsten Kluftinger!