Das Taschenbuch teilt sich in drei Segmente auf. Zunächst wird erklärt was somatoforme Störungen sind, dann was man dagegen unternehmen kann und im Anhang findet man einige Arbeitsblätter für Selbsttests oder Übungen.
Für Angehörige oder generell Leute, die mit diesem Thema überhaupt nichts anfangen können oder gar für jemanden, der ein Referat dazu schreiben will, kann dieses knappe und nicht besonders in die Tiefe gehende Informationsheft einen gewissen Zweck haben. Man sollte jedoch nicht davon ausgehen, dass Betroffene aus diesem Buch einen größeren Nutzen ziehen können. Insofern ist der Titel "Ratgeber" wie auch der Untertitel "... für Betroffene und Angehörige" kritisch zu sehen.
Die Darlegungen bleiben schlichtweg zu sehr an der Oberfläche, liefern nur wenige tiefergehende Erkenntnisse. Dazu gibt es ein kurzes Fallsbeispiel, bei dem man sich aufgrund der Banalität der Schilderungen schon auf einem recht simplen Niveau bewegt. Des Weiteren werden teilweise Aussagen als Tatsachen verkauft, für die es in der gewählten Einseitigkeit keine Beweise gibt, die also eher in der Kann-Form als in der Ist-Form formuliert hätten sein sollen. Ferner wird man mit einer Art Merk- bzw. Feststellungssätzen, die eine Quintessenz der vorhergehenden Beschreibungen darstellen, torpediert, die man heutzutage auch in der Regenbogenpresse lesen und besprochen sehen kann. Die meisten Kapitel-Überschriften sind in Frageform formuliert, wobei es kaum wirklich weiterhelfende oder nähere Antworten gibt. Die Frage danach, wie eine Behandlung aussieht, wird z. B. damit beantwortet, dass man eine kompetente Diagnostik erhält und der Hausarzt sowie ein Psychotherapeut das Behandlungsteam sind. Das war's.
Das spannende Kapitel zu der Frage, was man gegen somatoforme Störungen tun kann, wird zusammenfassend damit beantwortet, dass man Entspannungstechniken lernen soll (genannt wird ohne ausführliche Erläuterungen, dafür aber mit dem Hinweis, dass diese wissenschaftlich erprobt sei, die Progressive Muskelentspannung). Außerdem bedarf es noch gedanklicher Bewältigungsstrategien (kurze Info und Arbeitsblatt zum ABC" der Gefühle werden angeboten). Dazu sollen Aktivitäten wie Sport aufgebaut werden, man soll am Leben teilnehmen, statt sich zu schonen, und auch "programmierte" Ablenkung wird als gutes Mittel verkauft.
Fazit: Hier handelt es sich nicht um einen Ratgeber, da man kaum einen wirklichen Rat erhält, sondern vielmehr um eine kurze Informationslektüre, für unbefleckte Leser, die einen groben Überblick zum dem Thema Somatoforme Beschwerden wünschen. Dazu werden ein paar Behandlungsoptionen genannt und ein kleiner Auszug aus verhaltenstherapeutischen Methoden angeboten. Für diese eher lieblose Zusammenstellung hätte es zwei bestimmt erfolgreiche und erfahrene Klinik-Therapeuten als Autoren eigentlich nicht gebraucht und letztlich ein Verkaufs-Buch auch nicht unbedingt. Gut, es ist recht günstig, aber Vergleichbares liegt auch schon mal in Arztpraxen aus und es geht thematisch und informativ auch nicht über das hinaus, was man im Internet oder Zeitungsreportagen erhält.