1997: die Rückkehr von City ins große Musikgeschäft. Zum 25-jährigen Bandjubiläum, 10 Jahre nach dem zum Klassiker avancierten "Casablanca", bringen sie ein exzellentes Album mit bescheidenem Titel heraus, das auch zu meinen Favoriten unter den City-Alben gehört (nach dem Nachfolger "Am Fenster 2" und natürlich "Casablanca"). Es hat (größtenteils) so ziemlich alles, was der Vorgänger "Keine Angst" an vielen Stellen vermissen ließ: tolle Texte, tolle Melodien, Eingängigkeit.
Dies gelingt Puppel&Co. nicht ohne Zuhilfenahme einiger Anlehnungen an City-Klassiker, namentlich "Am Fenster" und "Casablanca".
In "Tour d'amour" schrammelt Gogow halb besessen auf der Geige, in "Sehn-Sucht" klingt's dann wieder ganz sacht. Doch überhaupt kommt seine Geige hier überdurchschnittlich oft zum Erklingen, was den Gesamteindruck des Albums entscheidend prägt. Es ist träumerisch, (fast) unpolitisch, mitunter sogar volkstümlich. Trotzdem beginnt es sehr rockig.
Ganz besonders gefällt mir übrigens "Lieben und lieben lassen". Unaufgeregt, nachdenklich, dazu noch das Geigengezwitscher aus "Am Fenster" als Zitat mit eingebaut - einfach wundervoll.
"Lass mich in deine Träume" kommt übrigens von Emil Bogdanow, der mal City-Sänger war und einst die ersten Aufnahmen von "Am Fenster" sang.
Doch es ist ganz ehrlich auch nicht alles golden auf dieser Platte: So schön der Titel "Rosen" sich auch liest, er ist nicht berauschend (Zitat: "Werf' doch die Rosen auf'n Müll!"). "Wenn ich könnte wie ich wollte" ist der einzige leicht politische Titel auf dem Album und passt irgendwie nicht so ganz mit rein. Von den unverkennbaren Besäufnis-Songs "Komm und trink aus" und dem irgendwie schon wieder witzigen "Sieben Söhne" einmal ganz zu schweigen.
Fazit: Eine sehr schöne CD, die eine nicht wirklich neue, aber auf ihre Weise einzigartige Seite der Band präsentiert - für City-Freunde unbedingt zu empfehlen.