In "Rauchschatten" wird das albanische kommunistische System aus den Augen eines kleinen Jungen beschrieben, was der Prosa nicht selten eine Art kindliche Poetik verleiht. Diese ungewöhnliche Gegenüberstellung zwischen Politik und kindlicher Sicht macht das Buch besonders lesenswert. Oft hat der Leser durch die Beschreibungen das Gefühl, mehr zu verstehen als der heranwachsende Erzähler und damit werden, ohne sie explizit zu beschreiben, auch die Empfindungen des Jungen und die ständige Angst vor einem möglichen, herannahenden Übel nachvollziehbar.
Unter anderem geht es in diesem Buch auch um eine spannende Vater-Sohn-Beziehung. Es wird darüber eigentlich nichts Explizites zum Ausdruck gebracht, aber dafür spürt man als Leser die Bindung der Beiden umso intensiver. Dieser Erzähltstrang, aber auch andere, zeigen, dass ganz unabhängig in welchem System die Menschen leben, sie sich sehr ähnlich sind, und das nicht nur in ihren Wünschen und Hoffnungen, sondern auch in ihrem Opportunismus und Konformismus.
Und das macht die Besonderheit dieses Buches aus: Es versucht aufzuzeigen, dass die Unterschiede zwischen den politischen Systemen eigentlich geringer, als oft behauptet, sind. Ich hätte sogar gewünscht, dass das ein wenig expliziter und deutlicher herübergekommen wäre. Aber vielleicht hätte das zu dem Stil dieses Buches dann doch nicht so gut gepasst.
Fazit: ein Buch nicht nur für jene, die sich für Albanien interessieren, sondern vor allem für Leser, die gute, neue Literatur suchen.