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Raubeine rasiert. Bekenntnisse eines Domestiken.
 
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Raubeine rasiert. Bekenntnisse eines Domestiken. [Taschenbuch]

Paul Kimmage
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Das Sportbuch des Jahres 1990 in England jetzt erstmals auf Deutsch

Irland ist das Land der heiligen Trinker und der raufenden Priester. Irland ist das Land der Underdogs. Underdogs wie Paul Kimmage. In den 80er Jahren fuhr der gebürtige Dubliner als Radprofi mit den ganz Großen der Branche: Kimmage erfüllte sich einen Kindheitstraum und erlebt einen Albtraum.

Das Leben im Fahrerfeld wird schnell zur Existenzfrage: Es geht um zermürbende Niederlagen und um den Kampf am Rande der äußersten Erschöpfung. Und es geht um Doping. Nicht um die Einnahme fragwürdiger Substanzen, die den Sieg bringen. Sondern um Doping als einzige Chance, ein Rennen zu beenden und am nächsten Tag wieder starten zu können.

Paul Kimmage hat seine Karriere beendet, um dieses Buch zu schreiben. Er bricht ein Schweigegelübde und liefert einen beispiellos ehrlichen Einblick in die unmenschlichen Gesetze des Pelotons. Ein Buch, das Augen öffnet. Eine herzzerreißende Klageschrift. Ein Buch, das jeder, der sich für diesen Sport interessiert, gelesen haben sollte.

Auszug aus Raubeine rasiert. Bekenntnisse eines Domestiken. von Paul Kimmage. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Musste es so zu Ende gehen?

Toulouse, 13. Juli 1989

12. Etappe: Toulouse – Montpellier (242 Kilometer)

Ich wusste an diesem Morgen, dass es verdammt hart werden würde. In einem Rennen, das drei Wochen dauert, gibt es gute Tage und schlechte Tage. Das Überleben ist allein eine Frage der Moral. Mit schwachen Beinen und einem starken Kopf, kannst du weit kommen. Mit guten Beinen und einem schwachen Kopf kommst du nirgendwo hin. An diesem Morgen fuhr ich mit einem schwachen Kopf aus Toulouse heraus auf die zwölfte Etappe der Tour de France.

Wäre der Start nur ein bisschen einfacher gewesen, hätte es vielleicht anders laufen können. Vielleicht wäre ich dann heute noch ein „coureur cycliste professionel“. Aber wir jagten aus Toulouse heraus, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich litt vom Start weg. Der dänische Fahrer Jesper Worre attackierte, und ich verfluchte ihn, denn das war einfacher, als ihm zu folgen. Schnell bemerkte ich, dass meine Beine nicht auf die Anforderungen reagierten, die ich ihnen abverlangte. Ich fiel zurück. Es ist schlichtweg demoralisierend, wenn sie dich zu einem solch frühen Zeitpunkt in einer Etappe abhängen. Doch ich kämpfte mich noch einmal zurück, schaffte es wieder, Kontakt zum Peloton herzustellen.

Ich schaffte es sogar, vom Ende des Feldes wieder etwas nach vorne zu fahren. Doch als auch die anderen das Tempo erneut anzogen, verlor ich gleich wieder Position um Position. Das Feld reihte sich in einer langen Schlange auf. In Panik wurde mir klar, dass ich dieses Tempo nicht mithalten würde, dass sie mich schon bald wieder abhängen werden. Ich wechselte die Straßenseite, um keinen der Fahrer hinter mir zu behindern. Dann hörte ich jemanden lachen. Der Belgier Dirk De Wolf lachte. Ich war vor zwei Tagen einmal mit ihm aneinander geraten. Lachte er jetzt etwa über mich? Das konnte nicht sein. Es konnte doch. Er lachte mich aus. Dieser Bastard lachte mich aus. An einem guten Tag wäre ich vermutlich zu ihm hinübergefahren und hätte ihn ins Gesicht gespuckt. Aber dies war ein schlechter Tag und ich tat mir nur selbst leid. Urplötzlich war meine Willenskraft zerstört. Dabei war doch gerade meine Moral das größte Vermögen, das ich in Waagschale werfen konnte. Andere haben es mit Talent an die Spitze geschafft oder mit einer Mischung aus Klasse und Willenskraft. Alles was ich hatte, war stets nur mein Wille. Mein Kampfgeist. Getreu dem Motto: Never say die, spit in your eye. Es war allein meine Willenskraft, die mich von einer verträumten Kindheit in Dublin in die Tour de France gebracht hatte. Sie war schon früher mitunter zusammengebrochen, oft sogar, doch war ich bisher stets in der Lage gewesen, sie wiederherzustellen. Heute nicht.

Ich begann zu grübeln: „Brauche ich diesen Mist wirklich? Ich kann nach Hause fahren, Journalist werden und ein glückliches Dasein fristen. Ich muss mir nicht anhören, wie ein Belgier mich auslacht. Scheiß auf ihn. Scheiß auf die ganze Bande.“ Und dann hörte ich auf zu treten. Meine Gedanken waren durcheinander. Ich hatte nichts dergleichen geplant. Ich war davon ausgegangen, dass ich die Tour zu Ende fahren und eine Medaille bekommen würde – so wie alle, die es bis nach Paris schaffen. Dann würde ich noch weiter Rennen bestreiten bis zum Ende der Saison, um meine Karriere dann in der Nissan Classic auf der O’Connell Street in Dublin ausklingen zu lassen. Ich würde keine Etappe gewinnen, ich würde nichts mehr gewinnen. Das wäre illusorisch, und ich hatte aufgehört zu träumen, als ich Profi wurde, und damit vermutlich bereits den ersten Schritt meines Niedergangs absolviert hatte. Als Anerkennung für meine bescheidene Karriere würden mir die Veranstalter noch einen Blumenstrauß in die Hand drücken, und die Radsportfans in meiner Heimatstadt würden applaudieren, wenn ich ihnen zum finalen Abschied winke. Glücklich in die Anonymität des Privatlebens hinüber gleitend, würde ich am nächsten Tag als ganz normaler Bürger in die Stadt gehen, und mich um einen Job kümmern – um welchen Job auch immer. So hätte es zu Ende gehen sollen. Genau so hatte ich es geplant. Aber als mich die Begleitfahrzeuge der Rennleitung überholten, und ich nach 55 Kilometern der zwölften Etappe im Freilauf die Landstraße hinunterrollte, waren meine Gedanken nicht in Dublin. Ich dachte nur an das Gelächter, dieses schreckliche, schwachsinnige Gelächter. Nein, ich brauchte diesen Scheiß nicht mehr. Ich hielt an und stieg ab. Sofort war ich umringt von Fotografen, die es vermutlich leid waren, immer nur Greg LeMond und Laurent Fignon zu knipsen: Ein schluchzender „domestique“, der aus der Tour aussteigt, gibt immer ein gutes Fotomotiv für die Abendzeitung ab. Das Beste würde noch kommen, und sie wussten es genau.

Wer die Tour verlässt, hat nicht das Recht, einfach heimlich in das Begleitfahrzeug seiner Mannschaft zu verschwinden. Nein, er muss auf warten, bis der „voiture balai“ auftaucht, der Besenwagen. Ich sah ihn kommen, und wusste, was mich jetzt wartet. Ich stellte meine Beine auseinander, legte meine Arme auf die Tür des Besenwagens und hörte das Klicken der Kameras, während ein Rennkommissar die beiden Startnummern entfernte, die auf der Rückseite meines Trikots befestigt waren. Als er fertig war, sprang ich auf die Rückbank des Transporters, begrub das Gesicht in meinen Händen und schluchzte: „Musste es so zu Ende gehen?“
Der Fahrer, der die Tour aufgibt, ist wie ein verwundetes Tier. Er fühlt Schande und Leere. Er muss allein sein, um seine Wunden zu lecken [...]


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Paul Kimmage schreibt über sein Leben, insbesondere über seine Radsportkarriere. Für den erfolgreichen Radamateur wird seine Profikarriere zum Alptraum. Das besondere an diesem Buch ist, daß es einmal nicht von einem erfolgreichen Sportler geschrieben wurde, den Paul Kimmages Karriere verläuft mehr oder weniger erfolglos. Er schreibt für mich glaubhaft über seine Erfahrungen im Radsport und Doping. Das Buch ist zwar schon älter, gibt aber meines Erachtens einen guten Einblick in die Motivation und Umstände des Dopings im Spitzensport, die so auch heute noch gelten müssten. Gut tut dem Buch sicherlich, daß Kimmage für seine Situation nicht verbittert schreibt. das Buch ist gut zu lesen und es fiel mir schwer es aus der Hand zu legen. Für mich ein Highlight unter den Radsportbüchern, gerade weil es einmal von den Schattenseiten handelt.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gutes Buch, blöder Titel 17. November 2004
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
'Als ich das Buch - im Englischen "Rough and Ready" - kaufte, dachte ich , ich erwerbe amüsant geschriebene Memoiren eines ehemaligen Radsportprofis. Ein Buch voll lustiger Geschichten.
Dem ist mitnichten so. Der Autor beschreibt seine Leiden als namenloser Radprofi, der im Peloton nicht um's Maillot Jaune, sondern um's schiere Überleben kämpfte. Ein hochinteressanter, sehr realistischer und desillusionierender Bericht über das Renngeschäft, über Dopingpraxis, finanzielle Absprachen etc...
Wie gesagt, äußerst interessant, aber mitnichten lustig.
Das Buch selbst verdient 5 Sterne, aber wegen des irreführenden deutschen Titels bekommt es nur 4 von mir.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lesenswert 27. Februar 2004
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
In diesem Buch, das den Stil einer Autobiographie hat, erzählt Paul Kimmage von seiner Radsportkarriere. Von dem Leben eines Wasserträgers, der Jahr für Jahr um einen neuen Vertrag kämpfen muss.
Und vor allem geht es um das Theme Doping. Doping um die Strapazen des Radsports überhaupt durchstehen zu könnnen. Auch wenn das Buch schon ein paar Jährchen alt ist, ist es immer nocn lesenswert.
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