| |||||||||||||||
![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Raubeine rasiert. Bekenntnisse eines Domestiken. gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Irland ist das Land der heiligen Trinker und der raufenden Priester. Irland ist das Land der Underdogs. Underdogs wie Paul Kimmage. In den 80er Jahren fuhr der gebürtige Dubliner als Radprofi mit den ganz Großen der Branche: Kimmage erfüllte sich einen Kindheitstraum und erlebt einen Albtraum.
Das Leben im Fahrerfeld wird schnell zur Existenzfrage: Es geht um zermürbende Niederlagen und um den Kampf am Rande der äußersten Erschöpfung. Und es geht um Doping. Nicht um die Einnahme fragwürdiger Substanzen, die den Sieg bringen. Sondern um Doping als einzige Chance, ein Rennen zu beenden und am nächsten Tag wieder starten zu können.
Paul Kimmage hat seine Karriere beendet, um dieses Buch zu schreiben. Er bricht ein Schweigegelübde und liefert einen beispiellos ehrlichen Einblick in die unmenschlichen Gesetze des Pelotons. Ein Buch, das Augen öffnet. Eine herzzerreißende Klageschrift. Ein Buch, das jeder, der sich für diesen Sport interessiert, gelesen haben sollte.
Toulouse, 13. Juli 1989
12. Etappe: Toulouse Montpellier (242 Kilometer)
Ich wusste an diesem Morgen, dass es verdammt hart werden würde. In einem Rennen, das drei Wochen dauert, gibt es gute Tage und schlechte Tage. Das Überleben ist allein eine Frage der Moral. Mit schwachen Beinen und einem starken Kopf, kannst du weit kommen. Mit guten Beinen und einem schwachen Kopf kommst du nirgendwo hin. An diesem Morgen fuhr ich mit einem schwachen Kopf aus Toulouse heraus auf die zwölfte Etappe der Tour de France.
Wäre der Start nur ein bisschen einfacher gewesen, hätte es vielleicht anders laufen können. Vielleicht wäre ich dann heute noch ein coureur cycliste professionel. Aber wir jagten aus Toulouse heraus, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich litt vom Start weg. Der dänische Fahrer Jesper Worre attackierte, und ich verfluchte ihn, denn das war einfacher, als ihm zu folgen. Schnell bemerkte ich, dass meine Beine nicht auf die Anforderungen reagierten, die ich ihnen abverlangte. Ich fiel zurück. Es ist schlichtweg demoralisierend, wenn sie dich zu einem solch frühen Zeitpunkt in einer Etappe abhängen. Doch ich kämpfte mich noch einmal zurück, schaffte es wieder, Kontakt zum Peloton herzustellen.
Ich schaffte es sogar, vom Ende des Feldes wieder etwas nach vorne zu fahren. Doch als auch die anderen das Tempo erneut anzogen, verlor ich gleich wieder Position um Position. Das Feld reihte sich in einer langen Schlange auf. In Panik wurde mir klar, dass ich dieses Tempo nicht mithalten würde, dass sie mich schon bald wieder abhängen werden. Ich wechselte die Straßenseite, um keinen der Fahrer hinter mir zu behindern. Dann hörte ich jemanden lachen. Der Belgier Dirk De Wolf lachte. Ich war vor zwei Tagen einmal mit ihm aneinander geraten. Lachte er jetzt etwa über mich? Das konnte nicht sein. Es konnte doch. Er lachte mich aus. Dieser Bastard lachte mich aus. An einem guten Tag wäre ich vermutlich zu ihm hinübergefahren und hätte ihn ins Gesicht gespuckt. Aber dies war ein schlechter Tag und ich tat mir nur selbst leid. Urplötzlich war meine Willenskraft zerstört. Dabei war doch gerade meine Moral das größte Vermögen, das ich in Waagschale werfen konnte. Andere haben es mit Talent an die Spitze geschafft oder mit einer Mischung aus Klasse und Willenskraft. Alles was ich hatte, war stets nur mein Wille. Mein Kampfgeist. Getreu dem Motto: Never say die, spit in your eye. Es war allein meine Willenskraft, die mich von einer verträumten Kindheit in Dublin in die Tour de France gebracht hatte. Sie war schon früher mitunter zusammengebrochen, oft sogar, doch war ich bisher stets in der Lage gewesen, sie wiederherzustellen. Heute nicht.
Ich begann zu grübeln: Brauche ich diesen Mist wirklich? Ich kann nach Hause fahren, Journalist werden und ein glückliches Dasein fristen. Ich muss mir nicht anhören, wie ein Belgier mich auslacht. Scheiß auf ihn. Scheiß auf die ganze Bande. Und dann hörte ich auf zu treten. Meine Gedanken waren durcheinander. Ich hatte nichts dergleichen geplant. Ich war davon ausgegangen, dass ich die Tour zu Ende fahren und eine Medaille bekommen würde so wie alle, die es bis nach Paris schaffen. Dann würde ich noch weiter Rennen bestreiten bis zum Ende der Saison, um meine Karriere dann in der Nissan Classic auf der OConnell Street in Dublin ausklingen zu lassen. Ich würde keine Etappe gewinnen, ich würde nichts mehr gewinnen. Das wäre illusorisch, und ich hatte aufgehört zu träumen, als ich Profi wurde, und damit vermutlich bereits den ersten Schritt meines Niedergangs absolviert hatte. Als Anerkennung für meine bescheidene Karriere würden mir die Veranstalter noch einen Blumenstrauß in die Hand drücken, und die Radsportfans in meiner Heimatstadt würden applaudieren, wenn ich ihnen zum finalen Abschied winke. Glücklich in die Anonymität des Privatlebens hinüber gleitend, würde ich am nächsten Tag als ganz normaler Bürger in die Stadt gehen, und mich um einen Job kümmern um welchen Job auch immer. So hätte es zu Ende gehen sollen. Genau so hatte ich es geplant. Aber als mich die Begleitfahrzeuge der Rennleitung überholten, und ich nach 55 Kilometern der zwölften Etappe im Freilauf die Landstraße hinunterrollte, waren meine Gedanken nicht in Dublin. Ich dachte nur an das Gelächter, dieses schreckliche, schwachsinnige Gelächter. Nein, ich brauchte diesen Scheiß nicht mehr. Ich hielt an und stieg ab. Sofort war ich umringt von Fotografen, die es vermutlich leid waren, immer nur Greg LeMond und Laurent Fignon zu knipsen: Ein schluchzender domestique, der aus der Tour aussteigt, gibt immer ein gutes Fotomotiv für die Abendzeitung ab. Das Beste würde noch kommen, und sie wussten es genau.
Wer die Tour verlässt, hat nicht das Recht, einfach heimlich in das Begleitfahrzeug seiner Mannschaft zu verschwinden. Nein, er muss auf warten, bis der voiture balai auftaucht, der Besenwagen. Ich sah ihn kommen, und wusste, was mich jetzt wartet. Ich stellte meine Beine auseinander, legte meine Arme auf die Tür des Besenwagens und hörte das Klicken der Kameras, während ein Rennkommissar die beiden Startnummern entfernte, die auf der Rückseite meines Trikots befestigt waren. Als er fertig war, sprang ich auf die Rückbank des Transporters, begrub das Gesicht in meinen Händen und schluchzte: Musste es so zu Ende gehen?
Der Fahrer, der die Tour aufgibt, ist wie ein verwundetes Tier. Er fühlt Schande und Leere. Er muss allein sein, um seine Wunden zu lecken [...]
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
|||||||||||||
|
|
|