Dieses Buch hat was von zwei Halbzeiten eines Sportwettkampfes.
Die erste Hälfte fand ich etwas zäh wegen der fehlenden Krimihandlung und dem unbändigen Drang der Autoren alle Vor- und Nebengeschichten der Hauptperson ins Leserinnenhirn zu stopfen. Dabei bemühen sie sich noch um eine locker-lässige, humorüberzogene Sprache. Das Bemühen arbeitet sich zunächst leider an fast jeder Zeile ab.
Zur Mitte hin sind alle Infos verklappt und siehe da, die Krimistory schält sich heraus, das Bemühen endet und die Geschichte liest sich geschmeidig bis zum Ende.
Es könnte immerhin auch sein, dass ich mich irgendwann an die Schreibe gewöhnte und als Bleichgesicht mit gespaltenem Bewusstsein las und spreche.
Gonzo, der Prota, ein stets klammer
und dreister Kameramann, wird schon juretzkahaft präsentiert, erreicht aber lange nicht Kryszinskiqualität.
Für meinen Geschmack waren auch der Klischees ein paar zuviel.
Ein paar davon:
Gonzo, der einsame Wolf, trinkfest, sturmerprobt, pleite, dreist, geübt in lockeren Sprüchen - ein Abziehbild.
Seine Praktikantin, die für ein Linsengericht bei ihm arbeitet und sogar die Finanzgeschäfte überwacht - wenig glaubwürdig.
Der Bösewicht, der zum Ende Gonzo alles erzählt, aus reinem Mitteilungsdrang und obwohl er die Waffe in der Hand hält - eine recht plumpe Lösung.
Der zwielichtige Schrotthändler und
der dicke, hässliche Pornofilmproduzent sind auch mit von der Partie.
Seine guten Seiten hat das auch: Es geht auch um SM-lastige Pornofilme, von denen sich Gonzo distanziert und dann macht er eine wilde, sexuelle Erfahrung eben genau mit dieser Zutat. Ein hübsch gesetzter Widerspruch.
Außerdem liest es sich vor allem gegen Ende richtig gut und kommt ohne kommentierende Sprechworte aus.
Das ist selten, aber um so lobenswerter.