Krysoboj: mein vierbändiger Dal (der russische Duden) kennt das Wort nicht, der Neologismus übersetzt sich denn eher als "Rattenschlacht" und träfe den Grundgedanken des Romans auch besser. Dazu aber später mehr. Wem der sprachliche Einheitsbrei der amerikanischen Thriller-Hitschmieden zuwider geworden ist - zugreifen, zugreifen, zugreifen! Leicht zu lesen isses aber nicht... Wer also erfahren will, wie man ein Lehrbuch zur Rattenbekämpfung in einen guten Roman umschreibt (habe eine Menge gelernt beim Lesen, wer weiß, wer weiß...) - zugreifen, zugreifen, zugreifen! Worum geht's: 1. Eine Stadt möchte einen privilegierten Status erlangen, der ihr historisch nicht zusteht - dafür wird gehauen und gestochen, wird getrickst und betrogen. 2. Darin sind Menschen involviert, diese sind loyal, sind illoyal, benutzen Macht, verlieren Macht, gewinnen Macht - dafür wird gehauen und gestochen, wird getrickst und betrogen. 3. Zwischendrin zwei Kammerjäger, die die Stadt säubern sollen und wollen, bei (2) aber zwischen die Mühlsteine geraten - dafür wird gehauen und gestochen, wird getrickst und betrogen. 4. Die Ratten schlagen zurück... 5. Ob Ratten die wahren Menschen sind oder Menschen die wahren Ratten - eine Rattenschlacht eben... Der Protagonist äußert Gedankenketten, Gedanken, Gedankenbruchstücke, Gedankenfetzen, Redewendungen - einfach war die Übersetzung gewiss nicht und das Mitdenken fällt manchmal schwer. Fast vorbildlich also die Leistung von Thomas Wiedling. Fast? Aufgefallen sind mir zwar nur zwei Übertragungsfehler, also praktisch keine (übrigens hat der Begriff "Genosse" auch im Deutschen nicht nur eine Bedeutung und auch hier wechselt diese je nach Kontext und Gesprächspartner). Aber das glücklichste Händchen hatte Thomas Wiedling nicht immer. So bleibt die Sprache etwas unentschlossen zwischen russischem Sinn und deutschen Idiom hängen und der Roman insgesamt zwischen einem Schelmenroman (was er sicher sein will) und einem bitterbösen Zynismus. Ob das Buch in dieser Form nun auch die Prüfung durch die Zeit besteht - man wird sehen.