Ein Film braucht keine verständliche Handlung, einen lückenlosen roten Faden oder dergleichen, um unvergeßlich zu sein. St. Pauli in den frühen 90ern - ein Tag im Leben des Sven (Thomas Kretschmann). Die Story ist überschaubar und tut allenfalls am Rande zur Sache: Ein Traum (Porsche), Beischlafdiebstahl bei einer Kundin (eine schöne Variante in der Zuteilung der Geschlechterrollen), Versilberung der Beute, Investiton in Koka zur Mehrung des Vermögens und Verwirklichung des Traumes (Porsche,s.o.) und die Durchkreuzung des Planes durch einen lästigen kleinen Bruder, der sich von der vermeintlichen Null zum eigentlichen Helden mausert. Die Charaktere sind jedoch großartig und verwöhnen uns mit herrlich kaputten Sprüchen, wie man sie nur aufschnappen kann, wenn man mit 3 Promille intus gebrochenen Gestalten auf dem Kiez zuhört, die noch viel mehr intus haben. Kretschmann gibt einen so überzeugenden Möchtegern-Starficker, daß der weitere Verlauf seiner schauspielerischen Karriere nicht zu verwundern vermag. Marco Heinze und die Frauen sind mit schlafwandlerischer Sicherheit perfekt gecastet. Die an den Bettszenen beteiligten Frauen (v.a. die "Trainerin"!!) vergißt man nicht. Das eigentliche Highlight ist jedoch der Audiokommentar von Klaus Lemke. Standesgemäß weiß er bei den Schlüsselszenen nicht, was sie bedeuten könnten. Nach 10 Jahren fällt ihm zu jedem Darsteller mindestens eine wunderbare Anekdote ein. Den Film aber versteht er nicht. Zu den Voraussetzungen, unter denen die fantastischen Dialoge entstanden sein müssen, darf ich deshalb nach oben verweisen. Der Film hält einer vernünftigen Kritik wohl kaum Stand, aber er spiegelt mit viel Liebe zum kaputten St. Pauli dessen Seele authentisch wieder und ist in Verbindung mit dem Audiokommentar und die liebevollen Extras ist er für Freunde einer Melange aus Sex, Gewalt und Schwermut ein Genuß, wie ihn teure Produktionen des Genres kaum bieten können.Deshalb: Kaufen und die Hinweise in den Specials auf die weiteren "Hamburg-Filme" beachten!